Ihre Fragen … beantwortet vom Expertenteam der ISG-Hotline
Edeltraut, 56:
Mein Mann ist 58 Jahre alt und leidet an chronischen Depressionen. Die Diabetes und sein Bluthochdruck werden mit Medikamenten behandelt. Wegen einer Schlafapnoe schläft er seit fünf Monaten mit einer Schlafmaske. Er hat bereits einige Antidepressiva ausprobiert, doch seitdem leidet er an Potenzstörungen. Unser Psychiater hört sich das regelmäßig an, aber geht nicht weiter darauf ein: Das sei wegen der Depression eben so. Mit unserer Hausärztin will er auch nicht reden, weil sie mit unseren Kindern befreundet ist. Ich hoffe, dass Sie uns in irgendeiner Form helfen können, da uns unser Sexualleben noch sehr wichtig ist und wir unter dem jetzigen Zustand leiden. Mein Mann und ich sind jetzt seit 33 Jahren verheiratet, wir lieben uns immer noch sehr und hatten auch mit dem Sexualleben noch nie Probleme.
Bei der Behandlung mit Antidepressiva kann es als Nebenwirkung zu erektiler Dysfunktion kommen. Andererseits sind auch die Depressionen selbst eine häufige Ursache für die Erektionsstörungen. Die Medikation darf deswegen nicht eigenmächtig verändert werden. Die von Ihnen beschriebene Schlafapnoe Ihres Mannes (Atemstillstände während des Schlafes) kann wiederum eine Ursache für die depressive Erkrankung sein. Das Problem sollten Sie noch einmal mit dem Psychiater besprechen – eventuell hilft eine Umstellung der Medikation. Bei Ihrem Mann liegen als weitere Risikofaktoren für erektile Dysfunktion außerdem Bluthochdruck und Zuckerkrankheit vor, wodurch die Mikrogefäße und Nerven geschädigt sein können. Aus diesem Grund sollte sich Ihr Mann bei einem Urologen vorstellen und untersuchen lassen: denn der Urologe kann mit verschiedenen Tests feststellen, ob organische Ursachen für die Erektionsstörungen vorliegen. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um das Sexualleben entscheidend zu verbessern. Zur Verfügung stehen neben der Psychotherapie bei psychischen Erkrankungen die medikamentöse Therapie in Tablettenform, die Spritzentherapie, Vakuumpumpen, die transurethrale Therapie, Hormonbehandlungen und chirurgische Eingriffe. Welche der Behandlungsmöglichkeiten für Ihren Mann am besten geeignet ist, wird der Urologe mit Ihnen beiden zusammen entscheiden.
Manfred, 59:
Meine Frau ist 55 Jahre alt, wir haben drei erwachsene Kinder und sind seit 29 Jahren glücklich verheiratet. Auch im Bett hat es immer gut geklappt. Seit einigen Jahren jedoch zieht sich meine Frau immer mehr zurück, wenn es um körperliche Annäherung geht. Wir schlafen fast gar nicht mehr miteinander. Wenn ich sie darauf anspreche, weicht sie mir aus oder sagt, alles sei in Ordnung. Ich bin mit dieser Situation unzufrieden und finde, dass man in unserem Alter noch Sex haben kann. Wie soll ich mich verhalten?

Die von Ihnen beschriebene Problematik deutet auf einen Zusammenhang mit den Wechseljahren der Frau hin. Der Eintritt der Wechseljahre kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das Sexualleben von Frauen haben. Symptome wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüche verunsichern viele Frauen und können zum Rückzug aus engen körperlichen Kontakten führen. Bei Frauen sinkt während und nach der Menopause (den sogenannten „Wechseljahren“) außerdem der Östrogenspiegel im Blut. Dies führt dazu, dass die Schleimhaut der Scheide weniger elastisch sowie dünner ist und auch nicht mehr so feucht wird. Deshalb kann es beim Geschlechtsverkehr zur Bildung von kleinen Rissen in der Schleimhaut kommen, was unter Umständen zu Schmerzen führt. Durch eine gynäkologische Untersuchung lässt sich feststellen, ob eine körperliche Erkrankung wie zum Beispiel Entzündungen im Unterleib für die gestörte Sexualität verantwortlich ist. Aber auch die hormonelle Situation kann ein Grund sein. Wenn eine Hormonstörung festgestellt wird, ist eine Hormontherapie sinnvoll. Als weitere Ursachen kommen Stress und Partnerschaftsprobleme in Betracht, die sich negativ auf die Libido auswirken können. Auch psychische Ursachen sollten ausgeschlossen werden. Zeigen Sie Verständnis gegenüber Ihrer Frau und ermutigen Sie sie zum Arztbesuch. Denn Sie haben Recht: Für eine befriedigende Sexualität gibt es tatsächlich keine Altersgrenze. Zusammen mit dem behandelnden Arzt und Ihrer Partnerin kann gemeinsam sicher eine Lösung gefunden werden.







