Klinikum „Passauer Wolf“ in Bad-Griesbach. Nähere Infos unter www.klinikumpassauer- wolf.de. Kostenlose Servicenummer: 0800 / 853 22 70
Dr. Michael Zellner ist Urologe am Klinikum „Passauer Wolf“.Herr Zellner, raten sie nach einer Prostataoperation jedem zu einem stationären Reha-Aufenthalt?
Dr. Michael Zellner:
Patienten, bei denen eine Prostataentfernung vorgenommen wurde, sollten generell an eine Anschlussheilbehandlung denken. Schon deshalb, weil der Organismus nach einer so großen Operationen Unterstützung braucht, um sich zu erholen. Für den Aufenthalt in einer Fachklinik spricht, dass mit typischen Folgen auf urologischem Gebiet zur rechnen ist. Sprich: Die meisten Patienten haben nach dem Eingriff vorübergehend Probleme mit ihrer Kontinenz und ihrer Potenz.
Warum kommt es eigentlich bei so vielen Patienten zu einer Harninkontinenz?
Wenn der Patient hustet, lacht oder aufsteht, entsteht ein gewisser Druck auf die Blase. Unter gesunden Bedingungen wird dieser Druck zu einem Drittel vom Beckenboden und zu zwei Dritteln von der Prostata aufgefangen. Wenn die Prostata fehlt, muss der Beckenboden diese Funktion allein übernehmen. Das gelingt meist nicht auf Anhieb, aber man kann es im Rahmen eine qualifizierten Therapie lernen. Was an anderer Stelle als Beckenbodentraining angeboten wird, ist nach einer solchen Operation oft nicht ausreichend.
Woran erkenne ich als Patient, ob eine Klinik geeignet ist?
Auf jeden Fall sollte ein Urologe zum Team der Klinik gehören, der zusammen mit Physiotherapeuten ein Kontinenztraining anbietet. Natürlich müssen auch die Gerätschaften vorhanden sein, die eine fundierte Diagnose ermöglichen.
Sollte auch sofort mit einer Therapie der Potenzstörungen begonnen werden?
Auf jeden Fall – obwohl die Patienten anfangs oft gar nicht so sehr darauf drängen. Denn sie sind – verständlicherweise – erst mal über ihre Tumorerkrankung besorgt. Als nächstes steht für die meisten dann die Wiedererlangung ihrer Kontinenz im Mittelpunkt. Erst wenn dieses Problem gelöst ist, haben sie das Bedürfnis, sich um ihre Potenz zu kümmern. Zu diesem Zeitpunkt sollte man aber längst mit einem Rehabilitationsprogramm für die Erektionsfähigkeit begonnen haben.Untersuchungen haben gezeigt: Je früher man mit einer Therapie der Potenz beginnt, desto größer sind die Rehabilitationschanchen.
Erzählen Sie doch mal, wie ein Aufenthalt in Ihrer Klink abläuft.
Wenn ein Patient neu zu uns kommt, wird er sehr umfassend urologisch untersucht. Dazu gehört auch, dass wir viele Fragen stellen, etwa über die allgemeine Krankengeschichte des Patienten und über seine Lebensumstände. Wie ernährt sich der Betreffende? Ist er Raucher? Oder war er einem berufsbedingten Krebsrisiko ausgesetzt? Oft decken wir dabei Zusammenhänge auf, die im Krankenhaus übersehen wurden. Bei der körperlichen Untersuchung achten wir besonders darauf, wie gut der Beckenboden des Patienten funktioniert.
Was wird unternommen, um den Beckenboden zu stärken?
Zunächst mal erhalten die Patienten sehr genaue Informationen über die Anatomie und die Funktion des Beckenbodens. Im nächsten Schritt lernen sie, sich ihres eigenen Beckenbodens bewusst zu sein. Außerdem zeigen wir ihnen Übungen, die dabei helfen, den Beckenboden anzuspannen. Wichtig ist uns, dass diese Übungen sich möglichst dicht am normalen Alltag orientieren. Der Patient reitet schließlich nicht auf dem Gymnastikball zum Einkaufen. Statt dessen wird er Treppen steigen oder seine Äpfel im Garten aufheben müssen. Auf solche Anforderungen des Alltags bereiten wir ihn vor. Wenn wir damit in den ersten zehn Tagen keinen Erfolg haben, bieten wir dem Patienten ein optisches Feedback- Training an. Das ist eine Videoendoskopie, bei der der Patient seinen eigenen Schließmuskel sieht und dadurch lernt, ihn auch in Belastungssituationen, wie etwa beim Husten, effektiv einzusetzen.
Auf Sexualität muss nach einer Prostataoperation niemand verzichten. Wichtig ist, Potenzstörungen frühzeitig zu behandeln.Wir überprüfen erst mal mit Hilfe einer Injektion die Durchblutung der Schwellkörper. Dadurch können auch Gefäßschädigungen sichtbar gemacht werden, die schon vor der Operation bestanden haben. Diese Untersuchung wird auch von den Krankenkassen bei der Verordnung einer Vakuumpumpe gefordert – die einzige Erektionshilfe, die überhaupt bezahlt wird. Aber natürlich lernt der Patient bei uns auch die anderen gängigen Methoden kennen, wie etwa die Skat- Therapie, bei der ein Wirkstoff direkt in den Schwellkörper eingespritzt wird.
Es gibt aber auch Patienten, die ohne Hilfen wieder Erektionen haben können.
Durch die modernen Operationsmethoden ist es oft möglich, den Eingriff nerverhaltend durchzuführen. Dann hat der Patient gute Chancen, seine Erektionsfähigkeit zu behalten.
Dr. Christian Leiber ist Urologe am Freiburger Universitätsklinikum.Liebe hält gesund:
Herr Dr. Leiber, warum ist die Nachsorge nach einer Prostataoperation so wichtig?
Dr. Leiber:
Der Begriff „Nachsorge“ bezieht sich – analog zur „Vorsorge“ – zunächst mal auf die Tumorerkrankung an sich. Auch wenn der Tumor vollständig entfernt wurde, ist Nachsorge nötig. Die Minimalanforderung ist die Kontrolle des PSA-Wertes, als Tumormarker. Der Wert sollte 4 bis 6 Wochen nach der OP auf einen nicht mehr messbaren Wert zurückgehen und auf diesem niedrigen Level bleiben.
Damit die Lebensqualität erhalten bleibt, sind aber doch oft noch weitere Maßnahmen notwendig?
Viele Patienten haben nach einer Prostataoperation Probleme mit ihrer Kontinenz. Ob und wie schnell sie zurückerlangt wird, ist von einer effektiven Anschlussheilbehandlung abhängig. Hier kann mit Beckenbodentraining viel erreicht werden. Auch Potenzstörungen sind nach einer Prostata-OP nicht selten, auch bei Patienten, bei denen nervschonend operiert wurde. Nach neuesten Erkenntnissen ist die Behandlung aussichtsreicher, wenn möglichst frühzeitig damit begonnen wird. Wer nach der Prostata-Op Erektionsprobleme hat, sollte seinen Urologen also im Zweifelsfall von sich aus ansprechen. Natürlich hilft hier auch das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit gerne mit Informationen weiter.
Würden Sie allen Patienten raten, ihre Rehabilitation in einer Fachklinik durchführen zu lassen?
Erfreulicherweise kommt es inzwischen vor, dass es Patienten nach der OP so gut geht, dass die Rehamaßnahmen auch ambulant durchgeführt werden können. Für viele ist ein Aufenthalt in einer Fachklinik aber anzuraten. Dann sollte darauf geachtet werden, dass man sich eine urologische Fachklinik aussucht.
Woran erkenne ich, ob eine Klinik wirklich geeinigt ist?
Viele Reha-Kliniken stellen ihr Profil vor. Da kann man schon mal gucken, ob auch die Behandlung urologischer Krankheitsbilder angeboten wird. Außerdem sollte man darauf achten, dass der Chefarzt oder einer der Oberärzte ein urologischer Facharzt ist. Im Zweifelsfall sollte man sich beraten lassen. Etwa von den Sozialarbeitern, die in den meisten Fällen damit betraut werden, die Anschlussheilbehandlung zu beantragen.







