
Das Liebesleben verändert sich in der zweiten Lebenshälfte. Wie Lust und Leidenschaft nicht auf der Strecke bleiben.
Ganz schlecht: Sprachlosigkeit
Sex ist kein Privileg der jüngeren Generation. Allerdings verändert sich im Alter der Körper. Und damit meist auch die Sexualität. Doch wer sich auf bestimmte Spielregeln der Liebe einlässt, kann Sinnesfreuden bis ins hohe Alter genießen: „Besonders Männer ziehen sich häufig zurück, wenn es im Bett nicht mehr klappt“, erklärt Dr. Martina Weiß vom Zentrum für Partnerschaft und sexuelle Gesundheit in Hannover. Sprachlosigkeit aber tötet die Lust.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, gilt es, Probleme offen anzusprechen. Wer sich an bestimmte Grundregeln der Gesprächsführung hält, schafft es eher, das Schweigen zu brechen. Das Gespräch lässt sich leichter beginnen, „wenn der andere keine Vorwürfe äußert, sondern die Ich-Form wählt und von seinen Sorgen und Wünschen spricht“, rät Weiß. Wichtig ist es dabei, dem anderen seine Wertschätzung zu zeigen. Wer sagt: „Ich möchte mit dir sprechen, weil mir unsere Beziehung wichtig ist“, achtet sein Gegenüber, weist ihm keine Schuld zu, und der andere muss sich nicht rechtfertigen.
Ran an die Profis
Ein weiterer Rat von Experten lautet: Das heikle Thema in der „Wir“-Form ansprechen. Der Partner fühlt sich so mit seinen Sorgen nicht allein gelassen. „Sexuelle Schwierigkeiten sind immer auch ein Paarproblem, das sich nur gemeinsam lösen lässt“, betont Weiß. Wichtig ist es zudem, den Partner zu entlasten: Schon die Formulierung „Wir müssen das nicht sofort schaffen“ entspannt die Situation und schafft eine gute Basis für weitere Gespräche. Und doch passiert es, dass der Partner weiterhin schweigt – oder lieber mit einer neutralen Person über seine Probleme reden möchte. Dann sind Profis gefragt.
Mögliche Ansprechpartner sind der Hausarzt, Urologen, Gynäkologen sowie Paartherapeuten, Sexualberatungsstellen oder Selbsthilfegruppen. Sexualität verändert sich im Alter. „Der Penis wird nicht mehr so steif, die Erektion hält nicht mehr so lange, und die Scheide wird nicht mehr so feucht“,beschreibt die Leipziger Internistin und Sexualmedizinerin Dr. Carla Thiele den natürlichen Prozess. „Doch leider wissen viele nicht um diese normalen körperlichen Veränderungen.“
Blutzuckerwerte kontrollieren
Hinter Problemen beim Sex kann aber auch eine ernsthafte Erkrankung stecken. Daher ist es wichtig, zum Arzt zu gehen, wenn es über längere Zeit im Bett nicht mehr klappt. Zu den häufigsten Lustkillern zählt die Zuckerkrankheit. „Diabetes schädigt Nerven und Blutgefäße, und darunter leidet häufig auch die Sexualität“, erklärt Thiele. Diabetiker sollten deshalb ihre Blutzuckerwerte engmaschig kontrollieren und in Absprache mit dem Arzt für eine optimale Einstellung sorgen.
Hoher Blutdruck, schlechte Blutfette oder verkalkte Gefäße fördern Herz- Kreislauf-Leiden und sorgen so für eine Flaute im Bett. Bei sexuellen Störungen ist es daher ratsam, Blutwerte, Herz und Gefäße regelmäßig vom Arzt überprüpfen zu lassen. Der Check lohnt sich: Sind erhöhte Blutfettwerte dank Medikamenten im Lot und Blutdruckwerte unter Kontrolle, klappt es oft auch mit der Liebe wieder besser.
Medikamente checken
Depressionen beeinflussen die Lust ebenfalls. Die Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung gehört immer in die Hände eines Fachmanns. Mit ihrem Arzt sollten Betroffene auch bei Prostataproblemen sprechen, denn die können sich ebenfalls negativ auf das Sexualleben auswirken. Woran viele nicht denken: Schuld am Stress beim Sex sind häufig Medikamente. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach dieser Nebenwirkung. Oftmals kann der Arzt die Dosierung abändern oder das Präparat austauschen. „Lassen Sie es aber auf keinen Fall eigenmächtig weg“, warnt Thiele.
Mitunter kann die Liebe mechanische oder medikamentöse Unterstützung gebrauchen. Zu den Sexhilfen zum Einnehmen zählen die PDE-5-Hemmer. Die rezeptpflichtigen Wirkstoffe erweitern die Blutgefäße, es fließt wieder mehr Blut in das männliche Glied. Manchen Männern verhilft auch eine Vakuumpumpe oder die SKATMethode, bei der sich der Mann ein Medikament in den Schwellkörper des Penis spritzt, zur Erektion.
Gerade bei vielen Frauen nach dem Wechsel schmälert eine trockene Scheide das Lustempfinden und bereitet Schmerzen beim Verkehr. Gleit gele feuchten die Scheide an. Hilfreich sind oft auch östrogenhaltige Cremes oder Zäpfchen sowie Testosteronpflaster, die der Arzt verschreiben muss.
(Quelle: www.gesundheitpro.de )







