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 Betreff des Beitrags: verwirrung
BeitragVerfasst: Di, 26 Jun 2007 15:48 
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Registriert: Di, 26 Jun 2007 14:58
Beiträge: 3
Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich mich als Frau hier eingeloggt habe. Ich bin seit kurzem mit einem Mann (40, moderater Raucher + Trinker, schlank) zusammen, der unter erektiler Dysfunktion leitet. So abstrakt dieses Wort ist, so abstrakt ist für mich, was genau dahinter steckt. Daher wäre ich dankbar, wenn ich hier möglichst viel über das Thema lernen könnte. Mein Partner selbst sagt nämlich leider nichts... Und ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren soll. Ich meine, es ist ja auch meine Sexualität, die damit betroffen ist.

Mir spuken eben Fragen durch den Kopf, ob und wie man trotzdem eine gemeinsame Sexualität haben kann. Ganz wichtig: ob ich ihn noch einmal darauf ansprechen soll oder ob ich besser warte, dass er von sich aus auf mich zukommt (er ist soiweso nur mit der sprache rausgerückt, weil ich ihn ganz direkt darauf angesprochen habe. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr verunsichert, ob er mit mir körperlich zusammen sein will oder nicht. Er war sehr zögerlich)? Er sagte mir, er war bereits beim Arzt, der ihm bescheinigte, dass es keine organische Ursache habe. Die Störung habe er seit ca. 1,5 Jahre und sie wäre u. a. Grund dafür gewesen, dass seine letzte Partnerschaft auseinandergegangen sei. Keine ahnung, inwieweit diese Partnerschaft eventuell Auslöser für die Störung war...

Ich steh jetzt auf jeden Fall ziemlich hilflos dar. Weiß nicht, darf/ soll ich ihn anfassen? Wenn ja, wie und wo? Reden oder abwarten? Wäre Thearpie eine Lösung? Werden wir überhaupt zusammen schlafen können. Wäre es sonst das Ende unserer - noch sehr jungen - Partnerschaft? Warum kann er sich selbst befriedigen?

Und weil ich mich nicht traue, ihn das zu fragen und ihm das zu sagen, schreibe ich hier und bin für jeden Tipp dankbar!


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 Betreff des Beitrags: Re: verwirrung
BeitragVerfasst: Di, 26 Jun 2007 23:54 
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Registriert: Do, 17 Okt 2002 02:00
Beiträge: 145
Wohnort: München
Hallo burgschwalbe,

burgschwalbe hat geschrieben:
Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich mich als Frau hier eingeloggt habe.

dieses Forum ist als Austausch für Betroffene gedacht und dazu gehören auch die Partnerinnen. Es gibt übrigens viele Beiträge von Frauen hier und ohne diese Beiträge wäre das Forum viel einseitiger und ärmer. Du bist also hier herzlich willkommen!

burgschwalbe hat geschrieben:
Ich bin seit kurzem mit einem Mann (40, moderater Raucher + Trinker, schlank) zusammen, der unter erektiler Dysfunktion leitet. So abstrakt dieses Wort ist, so abstrakt ist für mich, was genau dahinter steckt. Daher wäre ich dankbar, wenn ich hier möglichst viel über das Thema lernen könnte.

Informationen über die erektile Dysfunktion findest du in unserem Informationsmaterial und unseren Infoblättern.

burgschwalbe hat geschrieben:
Er sagte mir, er war bereits beim Arzt, der ihm bescheinigte, dass es keine organische Ursache habe.

Leider kommen manche Ärzte sehr schnell zu diesem Schluss, besonders bei relativ jungen Männern oder Männern im "besten Alter". Mit der Diagnose "psychische Ursache" kann man halt auch mangelndes Wissen vertuschen. Da hilft nur, dass man sich als Patient über Ursachen und Diagnose der ED informiert. Dann bekommt man sehr schnell ein Gefühl dafür, ob man bei seinem Arzt mit dem Problem ED in guten Händen ist.

burgschwalbe hat geschrieben:
Mir spuken eben Fragen durch den Kopf, ob und wie man trotzdem eine gemeinsame Sexualität haben kann. Ganz wichtig: ob ich ihn noch einmal darauf ansprechen soll oder ob ich besser warte, dass er von sich aus auf mich zukommt ...

Ich steh jetzt auf jeden Fall ziemlich hilflos dar. Weiß nicht, darf/ soll ich ihn anfassen? Wenn ja, wie und wo? Reden oder abwarten? Wäre Therapie eine Lösung? Werden wir überhaupt zusammen schlafen können. Wäre es sonst das Ende unserer - noch sehr jungen - Partnerschaft? Warum kann er sich selbst befriedigen?


Auf der Seite der Fakten ist das Problem ziemlich einfach, die emotionale Bewältigung ist schwierig. Eine erektile Dysfunktion muss niemals das Ende einer befriedigenden Sexualität bedeuten. Bei psychischen Ursachen und bei einigen (wenigen) körperlichen Ursachen kann eine Therapie eventuell die Ursachen beseitigen. Ist dies nicht möglich, so gibt es eine Reihe von Medikamenten und Hilfsmitteln, um trotzdem eine Erektion zu erlangen. Da kann fast jeder Mann in Abstimmung mit seinem Arzt und seiner Partnerin ein geeignetes Mittel finden. Es gibt aber auch Spielarten der Sexualität, für die man keine Erektion benötigt, die aber trotzdem für beide Partner zum Höhepunkt führen können. Das ist selbst vielen Männern nicht bewusst, denn ein gesunder Mann erlebt Erektion, Ejakulation und Orgasmus als zusammengehörig, es ist für ihn gleichsam wie ein Dreiklang in der Musik. In Wirklichkeit sind das aber drei voneinander komplett unabhängige Vorgänge. Bei mir wurde z.B. die Prostata wegen eines Karzinoms entfernt. Das bedeutet, dass ich keine Ejakulation mehr haben kann. Außerdem wurden bei der Operation die Nerven, die für die Erektion verantwortlich sind, zerstört. Ich bekomme daher auf natürlichem Weg keine Erektion. Gott sei Dank verlaufen aber die Nerven, die für die Empfindlichkeit am Penis verantwortlich sind, anders. Mein Penis ist nach wie vor voll empfindlich und damit kann ich auch einen Orgasmus bekommen (durch Streicheln oder Oralverkehr), der genauso intensiv und schön wie vor meiner Op ist. Allerdings habe ich inzwischen erfahren, dass das nicht bei allen Männern so einfach funktioniert. Manche Männer empfinden einen Höhepunkt mit einem schlaffen Penis als nicht sehr befriedigend, viele können sich das auch einfach nicht vorstellen.

Abwarten bringt in der Regel nichts. Ein offenes Gespräch ist unverzichtbar. Nun ist so ein Gespräch alles andere als einfach, es gibt dabei einige Möglichkeiten, dem Anderen weh zu tun. Aber es gibt auch Kommunikationsregeln, bei deren Befolgung man diese Gefahr klein halten kann. Die wichtigste Regel ist, dass du im Gespräch erst mal bei dir bleibst, deinen Gefühlen für ihn beschreibst und von deinen Wünschen, Bedürfnissen und Ängsten erzählst.

In den folgenden Artikel treffen zwar nicht ganz auf deine Situation zu, aber du kannst dort noch weitere Informationen und Anregungen finden:
burgschwalbe hat geschrieben:
Und weil ich mich nicht traue, ihn das zu fragen und ihm das zu sagen, schreibe ich hier und bin für jeden Tipp dankbar!


Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du den Mut findest, offen mit deinem Partner zu reden, und dabei die Erfahrung machst, dass diese schwierigen Gespräche eure Beziehung vertiefen.

_________________
Günther
Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mi, 27 Jun 2007 10:10 
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Registriert: Di, 26 Jun 2007 14:58
Beiträge: 3
Hallo Günther,

ganz herzlichen Dank für deine Antwort. Es ist schon sehr erleichternd, wenn man mit jemandem darüber "reden" kann. Irgendwie bin ich zu dem Thema eketile Dysfunktion ja gelangt, wie die Jungfrau zum Kinde...

Ich werde mich in Ruhe mit den von dir genannten Informationen auseinandersetzen, tief Luft holen und um ein Gespräch bitten. Wie du richtig schreibst: ohne geht´s nicht. Auch wenn er so tut, als wäre es gar kein Problem und man würde die Erketion einfach nur überbewerten und das würde sich irgendwann schon von ganz alleine geben. (nach dieser Reaktion von ihm habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich mich nur anstelle, unnötigerweise problematisiere und vielleicht wirklich alles in bester Ordnung ist... Mein Bauchgefühl sagte mir aber etwas anderes.) Na, schau´n wir mal.

Dir noch einmal einen ganz lieben Dank ! Ich werde mich hier sicherlich noch eine ganze Zeit lang umschauen :wink:
Daniela


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