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 Betreff des Beitrags: Impotenz durch Neuroleptika...?!
BeitragVerfasst: So, 02 Dez 2007 17:37 
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Registriert: So, 02 Dez 2007 13:28
Beiträge: 2
Hallo @lle, bin neu hier...!

Bin 40 Jahre und muss bei meinem Problem etwas ausholen, da es mich auch schon seit 20 Jahren beschäftigt...!

In meiner Jugend hatte ich eher Probleme mit dem "Gegenteil":
In allen möglichen Situationen bekam ich eine Erektion (auch wenn garnichts erotisches vorhanden war) und ich konnte diese Dauererektion auch nicht loswerden, wenn ich bewusst an "Unerotisches" dachte...

Im Umgang mit dem anderen Geschlecht hatte ich erhebliche Probleme - zu sexuellen Kontakten kam es damals garnicht, einerseits, weil ich hypersensibel war, was auch zu vorzeitigem Samenerguss führte und auch, weil ich körperlich eindeutig zu den "Spätentwicklern" zählte - daraus entwickelte sich eine extreme Schüchternheit Frauen gegenüber und durch mangelde Erfahrung und negativen Erfahrungen bei Annäherungsversuchen mit Sicherheit mit der Zeit auch ein Komplex...

Nicht zuletzt wegen sexueller Frustration und dem daraus bedingten sozialen Rückzug, führten dazu, dass ich mich immer mehr in meine eigene "Gedankenwelt" zurückzog und hineinsteigerte.

Mit 20 wurde bei mir dann eine "paranoid-halluzinatorische Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis" diagnostiziert und mit zunächst typischen Neuroleptika (Haldol, Gliannemon, etc.) "behandelt".
Da die Nebenwirkungen (z.B. Parkinsonsyndrom) so massiv waren, dass selbst einfachste Tätigkeiten des alltäglichen Lebens nahezu unmöglich waren, war an sexuelle Aktivitäten überhaupt nicht zu denken...

Da durch die Psychiatrieerfahrung und durch die Nebenwirkungen der Medikamente die letzten Reste von Selbstbewusstsein zerstört wurden, gelang es mir auch nicht Frauen anzusprechen (meinen ersten Sex hatte ich mit 23).

Als die Medikamente (v.a. wegen motorischer Störungen) auf atypische Neuroleptika (Leponex) umgestellt wurden, traten auch die Potenzstörungen in den Vordergrund, da andere, schlimmere Nebenwirkungen verschwanden...
Ich muss sagen, dass ich von ärztlicher Seite völlig alleine gelassen wurde - es gab keinerlei Aufklärung über Wirkung und Nebenwirkung von Neuroleptika (aber das ist ja nicht Thema dieses Forums).
Ich habe meine Medikamente abgesetzt, da ich es nicht ertrug, mit 22 Jahren impotent zu sein - leider wusste ich auch über das Absetzen zu wenig und bekam nach 3 Jahren erneut eine Psychose und das Spiel widerholte sich...
Meine Versuche, mit den Psychiatern über sexuelle Probleme zu sprechen, wurden abgewiegelt. Entweder wurde die Problematik heruntergespielt (es gibt ja schlimmere Nebenwirkungen, als Impotenz), oder die Medikamente wurden in Schutz genommen ("es könnte ja auch an der Krankheit liegen...") - manchmal hatte ich auch den Eindruck, dass von manchen Psychiatern eine verringerte Libido bei psychisch Kranken eher positiv gesehen wird...
Da sich die Psychiater wieder nicht auf eine Reduktion oder Absetzen der Medikamente einließen, setzte ich wieder gegen ärztlichen Rat ab - diesmal mit mehr Erfolg (durch langsames Ausschleichen).
Meine damalige Psychiaterinbestätigte mir auch, als ich nach ca. einem Jahr die verordneten Medikamente auf den Tisch legte, dass ich diese offensichtlich nicht brauche...
Es ging ca. 8 Jahre gut (In dieser Zeit habe ich eine Ausbildung und ein Studium erfolgreich abgeschlossen) und auch sexuell normalisierte sich praktisch alles.
Leider kam es im Jahr 2000 ausgelöst durch Stress im Studium erneut zu einer Psychose.
Aufgrund meiner Negativerfahrungen mit Neuroleptika wurden andere aqtypische NL durchprobiert (Solian, Zyprexa, Zeldox u.a.), was Potenzstörungen betrifft, alles der gleiche Mist...!
Da die Patienten immer offener über dieses Problem reden und auch Internetforen eine gute Möglichkeit zum Austausch bieten, weiß ich, dass nahezu bei jedem Patienten, der Neuroleptika nimmt (oder auch Antidepressiva), es zu sexuellen Störungen kommt (auch bei Frauen).
In den Beipackzetteln der Medikamente steht verharmlosend, dass es "in seltenen Fällen" zu Erektions- und Orgasmusstörungen kommen kann - das ist pure Desinformation der Pharmaindustrie!
Neuroleptika blockieren die Dopaminrezeptoren in den Synapsen. Da Dopamin jedoch mitverantwortlich ist für das sexuelle Erleben (über Glückszentrum und limbisches System), sind sexuelle Probleme eine zwangsläufige Wirkung dieser Behandlung...!

Auch bei meinem derzeitigen Psychiater habe ich zahlreiche Versuche gestartet, über diese Problematik zu sprechen - leider auch bei ihm ohne Erfolg - bei der verordneten Dosis (80mg/d Zeldox) war total "tote Hose" - nicht mal durch mechanische Stimulation war auch nur die geringste Erektion zu erzielen... Ich reduzierte auf die Hälfte der verordneten Dosis, wodurch sich recht bald eine deutliche Besserung einstellte.
Seit 1 1/2 Jahren nehme ich keine Medikamente mehr - es dauerte eine Weile, bis sich wieder eine einigermaßen "befriedigende" sexuelle Situation einstellte. Es braucht eben Zeit, bis die Rezeptoren wieder freigegeben werden, bzw. sich neue bilden...

Zur derzeitigen Situation: Erektionen sind wieder möglich, auch ab und zu durch "reine Vorstellungskraft", auf alle Fälle durch Stimulierung...
wenn auch nicht die Stärke der Erektion das Optimum erreichen - aber das kann nun tatsächlich auch mit meinem nun fortgeschrittenen Alter(40) zusammenhängen, aber die Dauer der Erektion ist eigentlich völlig akzeptabel.
Mein derzeitiges Problem ist: Mit Kondom geht irgendwie garnichts... Ich hoffe (und glaube) nicht, dass es sich um eine Dauerschädigung durch NL nach deren absetzen handelt.
Ich habe seit ein paar Monaten wieder eine Freundin und sie ist eigentlich auch sehr verständnisvoll und geduldig...
Leider möchte sie nicht die Pille nehmen (v.a. aus Angst vor Gewichtszunahme, da sie schon etwas übergewichtig ist und wegen Hormonstörungen)
Mit Sicherheit handelt es sich um eine psychische Blockade und einen Teufelskreis, wenn's einmal nicht funktioniert, dass sich beim nächsten Mal der psychische Druck erhöht, wieder zu versagen...

Trotz aller Geduld meiner Freundin, ist sie (und auch ich) mit der gegenwärtigen sexuellen Situation nicht zufrieden und ich möchte sie aber natürlich nicht verlieren - wie lässt sich diese Psychische Plockade am Besten durchbrechen?

Gruß, Eros_67


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 03 Dez 2007 19:33 
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Registriert: Di, 11 Jun 2002 02:00
Beiträge: 1160
Wohnort: Freiburg
Lieber Eros_67,
vielen Dank für Ihren ausführlichen Forenbeitrag. Sie haben absolut Recht, dass viele Ärzte ihre Patienten leider nicht ausreichend über die Nebenwirkungen diverser Medikamente (und dies betrifft nicht nur Psychopharmaka) informieren. Dies ist ein absoluter Mangelzustand und muss sich in Zukunft dringend ändern. Publikationen in entsprechenden Fachzeitschriften und Kongresse sollen helfen, Ärzten, Informationen bezüglich sexueller Störungen und deren Zusammenwirken mit Medikamenten näher zu bringen. Leider sind immer noch viele Ärzte unwissend, was die Nebenwirkung von Medikamenten auf die Sexualität betrifft bzw., wie Sie auch richtig angemerkt haben, finden es manche Mediziner schlicht und ergreifend nicht so wichtig, da sie der Meinung sind, zunächst müsse das Hauptproblem behandelt werden. Natürlich ist eine psychotische Erkrankung eine Erkrankung, bei der sehr wahrscheinlich Medikamente eingenommen werden, zum einen zur Akutbehandlung, zum anderen zur Rezidivprophylaxe. Viele Betroffene erleben besonders in Zeiten der Rezidivprophylaxe keine psychotischen Beschwerden, leiden aber unter den Nebenwirkungen der Neuroleptika, was oft zum Absetzen der Medikamente führt, was wiederrum einen neuen psychotischen Schub begünstigt. Es ist daher wichtig, einen Psychiater zu finden, mit dem Sie zweierlei besprechen können: 1) Wie kann Ihre Psychose langfristig behandelt und kontrolliert werden? 2) Wie kann Ihre Psychose möglichst schonend bezüglich der Nebenwirkungen auf die Sexualität behandelt werden?
Beide Fragen sind wichtig zu klären und wir empfehlen Ihnen, einen geeigneten Arzt zu suchen, welcher natürlich nicht immer so einfach zu finden ist.
Sie haben weiterhin beschrieben, dass Sie bei der Masturbation ohne größere Probleme eine Erektion ausbilden können, dass dies aber bei Geschlechtsverkehr mit Ihrer Partnerin schwieriger ist, und vermuten, dass dies an den verwendeten Kondomen liegen könnte. Kondome können bei Männern tatsächlich die Erektionsfähigkeit mindern, bereits der "Stress des Überziehens" kann zur Anspannung führen, was die Erektion negativ beeinflussen kann. Viele Männer berichten aber auch, dass dies Gewohnheitssache ist und während es in der Anfangszeit häufiger zu unzureichenden Erektionen kommt, bessert sich dies im Laufe der Zeit und mit zunehmender Gewöhnung an diese Verhütungsmethode. Von einer Dauerschädigung durch die Neuroleptika ist eigentlich nicht auszugehen, da die Nebenwirkungen eines Medikaments in der Regal nach Absetzen dessen auch wieder verschwinden. Außerdem bekommen Sie ja bei Selbstbefriedigung noch eine Erektion, was also auch gegen eine Dauerschädigung spricht. Die Frage ist nun, wie können Sie die psychische Blockade und den Druck, den Sie empfinden, lösen?
Dies ist alleine immer gar nicht so einfach, natürlich können wir Ihnen empfehlen, so ruhig wie möglich an die Sache zu gehen und sich soweit wie möglich zu entspannen, viele Männer können dies dann aber doch nur unzureichend umsetzen, weil ihnen die Vorstellung einer unzufriedenen Partnerin doch immer im Nacken sitzt. Deshalb ist eine gemeinsame Sexualberatung oder -therapie häufig langfristig die Methode der Wahl, wenn psychische Gründe für eine sexuelle Störung, wie mangelnde Erektionsfähigkeit, vorliegen. Nur wenn beide Partner gemeinsam daran arbeiten, kann eine nötige Entlastung stattfinden.
Wir empfehlen Ihnen also zweierlei: Zum einen probieren Sie es weiterhin mit dem Geschlechtsverkehr mit Kondom und versuchen Sie sich soweit wie möglich zu entspannen und den Druck weg zu nehmen. Sollte es in einem halben Jahr etwa immer noch keine Verbesserungen geben, überlegen Sie sich gemeinsam mit Ihrer Partnerin, eine Sexualtherapie zu machen. In diesem Fall ist das sexuelle Problem wohl so festsitzend, dass Sie es zu zweit eventuell nicht schaffen, es zu lösen und Tipps und Techniken eines erfahrenen Sexualtherapeuten können geeignete Hilfen darstellen.
Gerne können Sie natürlich auch noch einmal anonym bei unserer Hotline anrufen: Montag-Freitag 15-20 Uhr unter der Nummer 0180 555 84 84.
Mit freundlichen Grüßen. Ihr ISG-Team


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