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 Betreff des Beitrags: Sexuelle Unlust (Ekel) nach Geburt
BeitragVerfasst: Do, 15 Mai 2003 19:41 
Vor der Geburt meiner Tochter vor fast drei Jahren hatte ich ein weitgehend normales Sexualleben, allerdings hatte ich nie einen Orgasmus, aber irgendwie hat es mir trotzdem Spaß gemacht. In der Schwangerschaft und vor allem nach der Geburt habe ich einen regelrechten Ekel gegenüber Sexualität entwickelt. Dies belastst natürlich auch unsere Partnerschaft sehr stark und ich weiss nicht mehr, ob ich meinen Partner noch liebe. Seit einem Jahr bin ich in einer Therapie, aber bisher ist keinerlei Fortschritt zu verbuchen. Als letzten anker fangen wir jetzt mit einer Paartherapie. Eine Sexualtherapie möchte ich nicht unbedingt machen, denn da kommt meine abneigung direkt wieder zu Tage. Meinem Freund werfe ich innerlich vor, dass er mich sehr stark bedrängt und auch schon wenige Wochen nach der Geburt auf sein "Recht" gepocht hat. Kann es sein, dass sich dadurch erst diese massive Abneigung gegen Sex entwickelt hat? Auch jetzt schläft er immer wieder mit mir, wobei ich meist reglos verharre und hoffe, dass es schnell vorüber geht. Unter dieser Situation leiden wir beide sehr! Ich habe für mich nicht den Eindruck, dass sich da demnächst etwas ändern wird. Er stellt mich gerne als abnormal dar und manchmal glaube ich das auch. Dazu kommt dass ich meinen Körper nach der Geburt nicht mehr richtig akzeptieren kann. Ich wünsche mir eine Sexpause, um mal Ruhe zu finden, aber länger als vier Wochen hat das noch nicht geklappt. Aber das ist für mich zu wenig, um zur Ruhe zu kommen und auch ihn mal wieder in den Arm zu nehmen ohne Angst zu haben, dass sich daraus mehr entwickeln könnte.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: So, 18 Mai 2003 16:15 
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Registriert: Di, 11 Jun 2002 02:00
Beiträge: 1162
Wohnort: Freiburg
Hallo Besucherin,

viele Frauen erleben während und nach der Schwangerschaft eine Veränderung ihrer sexuellen Lust und Wünsche. Sehr häufig lässt die Libido gegen Ende der Schwangerschaft nach. Gründe dafür sind zum einen die Angst, dem Kind zu schaden und vorzeitige Wehen auszulösen, zum anderen fühlen sich viele Frauen durch den "dicken Bauch" und das Anschwellen der Brüste weniger attraktiv. Oft besteht vermehrt das Bedürfnis nach Streicheln und Zärtlichkeit. Nach der Geburt steht zunächst das Kind im Vordergrund. Ausserdem können Schmerzen durch einen verheilenden Dammriss oder durch sehr empfindliche Brüste bestehen, die dazu führen, dass viele Paare einige Monate lang keinen Sex haben. Für den Mann gelten diese Veränderungen bis auf die Angst, dem Kind im Bauch zu schaden, nicht, was bedeutet, dass bei ihm häufig das sexuelle Verlangen unverändert weiterbesteht. Dadurch kommt es bei vielen Paaren innerhalb dieser Zeit zu Problemen, die die Beziehung stark belasten können.
Die wichtigste Grundvoraussetzung, diesen Problemen zu begegnen, ist die Kommunikation. Es ist wichtig, die Bedürfnissen des anderen zu kennen und nach Kompromissen zu suchen, die beide Partner befriedigen. Das können zum Beispiel vermehrte manuelle oder orale Stimulation sein.

Bei der Entwicklung deiner sexuellen Probleme scheinen mir mehrere Faktoren beteiligt zu sein. Zum einen haben Schwangerschaft und Geburt bei dir eine Abneigung gegen Sex hervorgerufen, die eventuell durch die oben beschriebenen Gründe entstanden sind. Nach der Geburt hast du dem starken Verlangen nach Sex deines Freundes nachgegeben, obwohl du selber noch nicht bereit dazu warst. So hat dein Wiedereinstieg in die Sexualität nach der Schwangerschaft einen schlechten Anfang genommen und einen innneren Zorn gegen deinen Partner hervorgerufen, den du vielleicht jedesmal wieder spürst, wenn er mit dir schläft und der es dir sicher schwer macht, der sexuelle Lust, die in dir (wenn auch verborgen) steckt, freien Lauf zu lassen. Du zweifest daran, dass du deinen Partner liebst. Sexuelle Abneigung gegen den anderen kann ein Zeichen für mangelnde Gefühle sein, aber auch der umgekehrte Weg ist möglich, nämlich dass die sexuelle Schwierigkeiten die Gefühle für deinen Partner belasten.
Du erwähnst, deinen Körper seit der Geburt nicht mehr richtig akzeptieren zu können. Das ist ein wichtiger Punkt, da es das sexuelle Erleben stark beeinträchtigen kann, wenn man sich in seinem eigenen Körper nicht wohl fühlt.
Die Beschreibung deines Sexuallebens vor der Schwangerschaft klingt so, als ob es zwar ganz gut lief, aber nie wirklich befriedigend für dich war. Der Orgasmus muss nicht das wichtigste an der Sexualität sein, aber trotzdem trägt er sehr viel zum Gefühl des Befriedigtseins bei und ruft ein Gefühl von Entspannung und Glück hervor. Ich kann mir vorstellen, dass die Abneigung gegen Sex, die du während der Schwangerschaft entwickelt hast, auf dem Boden eines schon vorbestehenden Unzufriedenseins entstanden ist.
Dies sind Theorien, die möglicherweise nicht auf dich zutreffen. Auf jeden Fall erscheint mir aber wichtig, dass du dich mit dem Thema Sexualität intensiv auseinander setzt und würde dir empfehlen, eine Sexualtherapie zu machen, auch wenn du dir das im Moment nicht vorstellen kannst. Es ist natürlich möglich, dass es über die Paartherapie zu einer Verbesserung kommt, aber da die sexuellen Probleme im Vordergrund zu stehen scheinen, ist es eventuell sinnvoll, sie direkt anzugehen. Du schreibst, dass du durch deine Therapie bisher keine Fortschritte erzielt hast. In diesem Fall ist zu überlegen, ob ein Wechsel in eine Sexualtherapie sinnvoll ist, in der du dich den Problemen zuwendest, die du mit deinem Körper hast. Du kannst diese Therapie alleine beginngen, im weiterern Verlauf ist es meistens sinnvoll, den Partner miteinzubeziehen, aber natürlich nur, wenn du dazu bereit bist. Du hast Angst, das Thema "Abneigung" auftauchen zu lassen, aber ich denke, dass es notwendig ist, dies zu thematisieren, da das Verschweigen und das "Über sich Ergehen lassen" beim Sex es dir sehr schwer machen, deine Lust wieder zu entdecken. Um deinen Partner nicht direkt damit zu konfrontieren, kannst du die Sexualtherapie wie schon erwähnt zunächst alleine beginnen, um dich dort mit deinem eigenen Körperbild zu beschäftigen und zu überlegen, wie die in die Kommunikation mit deinem Partner eintreten kannst. Auch Orgasmusprobleme können dabei zur Sprache kommen und zum Beispiel mit Hilfe von sexueltherapeutischen Übungen verbessert werden. Adressen von Sexualtherapeuten gibt es zum Beipiel über Pro Familia, Deutsche Gesellschaft für Sexualberatung e.V. www.profamilia.de.

Wir hoffen, dir ein wenig weitergeholfen zu haben und beantworten dir gerne weitere Fragen,
das ISG-Team


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