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 Betreff des Beitrags: Sexuelle Unlust nach Geburten
BeitragVerfasst: Mo, 20 Okt 2008 21:24 
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Registriert: Mo, 20 Okt 2008 20:59
Beiträge: 2
Ich bin seit 6 Jahren mit meinem Partner zusammen, seit 4 Jahren verheiratet, vor 3 1/2 und 1 1/2 Jahren kamen unsere beiden Kinder.
Vor und während der Kinderwunschphase hatten wir viel und sehr schönen, abwechslungsreichen Sex. Wir können beide offen reden und haben dadurch auch schon verschiedene Praktiken gemeinsam ausprobieren können. Vor den Geburten nahm ich über 12 Jahre lang die Pille, die meiste Zeit davon die Microgynon, die meine sexuelle Erregbarkeit und Orgasmusfähigkeit offensichtlich nie beeinträchtigte. Also habe ich mich vor ein paar Monaten (nach einem Übergangspräparat während der Stillzeit) wieder für die Microgynon entschieden. Seit der zweiten Geburt bemerke ich jedoch, dass sich meine Lust auf Sex absolut in Grenzen hält, soll heißen, dass manchmal zwar "der Appetit beim Essen" kam, jedoch sich der vorherige Wunsch nach Sex gar nicht mehr einstellt. Nicht mal auf Selbstbefriedigung habe ich Lust - nix, null! Im Vergleich zu früher sehr unverständlich...
Meine Frauenärztin vertröstete mich stets damit, dass ich mit zwei Kindern eben einfach zu "belegt und zu geschafft" wäre, um Lust entwickeln zu können und dass das von alleine wieder kommen würde. Jetzt, da sich der Alltag nun eingespielt hat und ich auch wieder relativ normale Schlafphasen habe, warte ich vergeblich auf diese positive Veränderung der Libido. Im Gegenteil: beim letzten Mal Sex mit meinem Partner brach ich in Tränen aus, weil ich das Gefühl hatte, nichts zu spüren - gar nichts. Meine erogenen Zonen bzw. die Körperteile, bei denen ich früher sofort "ansprang", scheinen einfach nicht mehr zu funktionieren bzw. "anzuspringen", so als gehörten sie gar nicht zu mir.
Ein schreckliches Gefühl; einerseits weil man Angst hat, nie wieder ein erfülltes Sexualleben haben zu dürfen, andererseits weil ich ja meinem Partner damit vor den Kopf stoße. Ich liebe ihn sehr. Er ist sehr verständnisvoll, jedoch merke ich schon, dass er öfters Lust auf mich und Sex hat... Ich habe Sorge, dass ich nie wieder etwas empfinden kann.
Ein weiterer Teufelskreis: Je mehr wir über das Thema sprechen, um so mehr verfestigst sich ja dann das Ganze als Problem...

Meine Fragen:
Gibt es das, dass man nach Geburten nichts mehr empfindet (insbesondere auch an den Brüsten, wenn man lange gestillt hat, obwohl das früher ein Garant für sexuelle Erregung war?)?
Kann eine Pille, die über Jahre hinweg die Libido nicht beeinflusste, jetzt plötzlich ein "Stimmungshemmer" sein?

Was kann ich tun? Vielen Dank für die Antwort...

Viele Grüße, Luna


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 Betreff des Beitrags: Re: Sexuelle Unlust nach Geburten
BeitragVerfasst: Di, 21 Okt 2008 17:10 
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Registriert: Di, 11 Jun 2002 02:00
Beiträge: 1162
Wohnort: Freiburg
Liebe Luna,
das Problem, das du in deinem Forumsbeitrag schilderst, betrifft viele Frauen. Nach der Geburt eines Kindes ändert sich neben allen Umstellungen im Alltagsleben, die auch einen Einfluss auf die Sexualität haben können, insbesondere der Hormonhaushalt der weiblichen Geschlechtshormone. So kommt es z.B. durch das Stillen zu einer übermäßigen Ausschüttung von Prolaktin. Das ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird und die Hormonproduktion der Eierstöcke drosselt. Eine niedrig aufgebaute Scheidenschleimhaut und eine geringere Flüssigkeitsproduktion in der Scheide sind die Folge von diesen Hormonveränderungen und können somit zu einem veränderten Empfinden oder sogar zu Schmerzen beim Sex führen. Östrogenhaltige Cremes können hier helfen. Zusätzlich können auch Narben eines unter der Geburt gemachten Dammschnittes zu Missempfindungen beim Geschlechtsverkehr führen. Durch das Stillen kommt es außerdem manchmal zu kleinen Verletzungen der Schleimhaut und der Nerven im Bereich der Brustwarze und das Warzenhofes, die das Empfinden in dieser sehr „sensiblen“ Region verändern können. Schließlich kommt es in seltenen Fällen durch das Erlebnis der Geburt meist unterbewusst zu einer Traumatisierung und infolge dessen zu unbewussten Verkrampfungen, die zu einer Störung des sexuellen Erlebens führen können.
In jedem Fall ist der behandelnderGynäkologe hier zunächst der richtige Ansprechpartner. Insbesondere der Hormonhaushalt kann durch eine einfache Blutentnahme untersucht werden und Veränderungen der Scheidenschleimhaut können durch hormonhaltige Cremes behandelt werden.
Bei weiteren Fragen kannst du dich natürlich auch an unsere Infohotline wenden (Mo-Fr 10-12 u- 15-18 Uhr, 01805558484).

Dein ISG-Team


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 Betreff des Beitrags: Re: Sexuelle Unlust nach Geburten
BeitragVerfasst: Di, 21 Okt 2008 19:44 
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Registriert: Mo, 20 Okt 2008 20:59
Beiträge: 2
Hallo, vielen Dank für die schnelle Antwort.
Also, besonders die letzte Geburt habe ich als sehr schönes Erlebnis empfunden; demnach kann ich irgendein Trauma ausschließen. Ich hatte ja seither auch immer wieder mal den ein oder anderen Orgasmus, nur stört mich eben total, dass mir das Lustgefühl davor fehlt und ich insbesondere an den Brustwarzen keine schöne Wahrnehmung mehr habe.
Habe ich das richtig verstanden, dass diese "Verletzungen" beim Stillen irreversibel sind??? Das wäre ja echt total besch... Besteht keine Hoffnung darauf, dass sich alles wieder von selbst einpendelt??? Wie lange wirken diese Stillhormone denn nach? Ich stille seit ca. einem halben Jahr nicht mehr.
Ich wäre sehr dankbar über eine nochmalige Antwort. Viele Grüße, Luna


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 Betreff des Beitrags: Re: Sexuelle Unlust nach Geburten
BeitragVerfasst: Mi, 22 Okt 2008 12:14 
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Registriert: Di, 11 Jun 2002 02:00
Beiträge: 1162
Wohnort: Freiburg
Hallo Luna,
natürlich besteht Hoffnung darauf, dass sich die Situation von selbst entspannt. Ich benutze ganz absichtlich das Wort "entspannt", denn aus Ihrem Beiträgen geht deutlich hervor, dass Sie sich unter einen enormen Druck zu setzen scheinen und sich gedanklich viel mit diesem Thema beschäftigen.
Sie haben die Situation, in der Sie und Ihr Partner sich momentan befinden, in Ihrem ersten Beitrag als Teufelskreis bezeichnet, bei dem die unterschiedlichsten Ängste und Sorgen mitwirken und das "Problem" auf diese Weise aufrechterhalten und -wie Sie schreiben- "verfestigt" wird. Auch scheinen Sie beim Sex selbst sehr angespannt zu sein, was so weit geht, dass Sie sogar in Tränen ausbrechen.
Wahrscheinlich liegt genau bei dieser Anspannung und gedanklichen Beschäftigung der wesentliche Grund dafür, dass Sie nicht mehr so auf Berührungen reagieren wie früher; anstatt sich der Situation hinzugeben, warten Sie darauf, dass Ihr Körper endlich reagiert.
Natürlich ist Ihre Besogrnis verständlich und absolut nachvollziehbar, aber Sie sollten sich von diesen Ängsten nicht zu sehr einnehmen lassen.

Vielleicht kommt ja auch der ganz "natürliche" Prozess hinzu, dass in einer Partnerschaft nach einigen Jahren oftmals eine gewisse Routine einkehrt, und der Sex nicht mehr als so spannend erlebt wird, wie in der Anfangsphase.
Sie berichten, dass Sie und Ihr Freund vor dem Kinderwunsch sehr abwechslungsreichen Sex hatten und viel experimentiert haben. Versuchen Sie doch mal, sich auch jetzt den Raum zu nehmen, wieder mehr auszuprobieren - ganz ohne Erwartungen.

Sollte das "Problem" bestehen bleiben und Sie und Ihre Beziehung weiterhin belasten, können Sie sich gerne auch nochmal telefonisch von uns beraten lassen oder evtl. sogar über eine Sexualtherapie nachdenken.

Wir wünschen Ihnen viel Glück

Ihr ISG-Team


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