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BeitragVerfasst: Di, 14 Feb 2006 11:40 
Hallo zusammen,

ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und sehr dankbar, dass ich hier die Möglichkeit habe, einmal über mein Problem zu reden, dass mich immer mehr bedrückt:
Ich (29 Jahre) bin seit über vier Jahren mit meiner Freundin (26 Jahre) zusammen. Unsere Beziehung nahm einen wirklich schönen Anfang. Ich habe mich sehr in meine Freundin verliebt, wir haben, bevor wir zusammengekommen sind, sehr viele E-Mails ausgetauscht, uns Gedichte geschrieben, wir sind oft zusammen Spazieren gegangen und haben viel über uns geredet. Nach dem wir ein paar Wochen zusammen waren, haben wir dann auch begonnen, miteinander zu schlafen. Mir persönlich ist Sex recht wichtig, ich hatte zuvor schon einige Erfahrungen gemacht und Sexualität war nie ein Problem für mich, sondern fast immer eine positive Erfahrung. Ich merkte recht schnell, dass das für meine Freundin NICHT gilt. Im ersten Jahr unser Beziehung hatten wir regelmäßig Sex (ca. 1 bis 2 Mal die Woche). Der Sex war für meine Verhältnisse etwas verhalten. Er hat sich immer im Bett abgespielt, ohne besondere Vorspiele oder Stellungen. Mein Gedanke war damals, dass es einfach eine Frage des Vertrauens und der Zeit ist, bis meine Freundin sich öffnen wird und mir ihre Vorstellungen äußert. Es geschah aber nichts. Sie blieb beim Sex immer passiv. Wenn ich die Initiative ergriffen habe und versucht habe, neue Spielarten beim Sex einzubringen (z.B. Oralverkehr, andere Stellungen), dann reagierte meine Freundin befremdlich, verhalten oder in manchen Fällen auch ablehnend. Besonders unverständlich war mir, warum sie es ablehnte, dass ich sie oral stimuliere, gerade weil aus meiner vorherigen Erfahrung für mich klar war, dass diese Art der Stimulation für Frauen wichtig und schön sein kann. Auf meine Frage nach dem Grund ihrer Ablehnung sagte sie mir, sie finde das "komisch" oder "schmutzig". Ich habe wirklich versucht, ihr zu sagen, dass sie sich auf gar keinen Fall schämen muss, dass ich sie liebe, dass sie mir alles anvertrauen kann. Ich habe auch nicht gedrängelt, habe den Oralverkehr nicht gefordert, sondern habe es einfach ab und zu wieder versucht.
Im Ergebnis hat jedoch keine Entwicklung stattgefunden. Im Gegenteil. Unser Sex wurde im Laufe der Jahre immer weniger und beschränkte sich auf "das Nötigste". Keine Phantasien, keine Spielarten, sondern immer mehr das Gefühl, dass Sex zum Problem in unserer Beziehung wird. Vor einem guten Jahr war der Leidensdruck meinerseits so groß, dass ich das offene Gespräch gesucht habe. Ich habe ihr erklärt, dass Sexualität für mich in einer Beziehung ein unverzichtbarer Bestandteil ist. Ebenso unverzichtbar wie Liebe, Zuneigung, Vertrauen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass "das Problem Sex" bei jeder ihrer vorherigen Beziehungen eine Rolle spielte und letztlich oft der entscheidende Trennungsgrund für ihre Partner war. Als ich dann vorgeschlagen habe, dass wir uns mit dem Problem beschäftigen sollten und vielleicht Hilfe von außen holen sollten, reagierte sie verletzt und abweisend. Sie sagte: "Ich bin doch nicht bekloppt. Glaubst du etwa, ich tick nicht ganz recht und soll zum Psychologen?" Mich hat ihre Reaktion schwer getroffen. Ich wollte sie ja nicht verletzen. Seither reden wir immer weniger über das Problem. Vor einem halben Jahr dann habe ich den Entschluss gefasst, mit meiner Freundin zusammenzuziehen. Das mag paradox klingen, denn genausogut hätte ich zu diesem Zeitpunkt einen Strich ziehen können und sagen, dass es wohl einfach nicht funktioniert. Aber ich bin diesbezüglich sehr ehrgeizig. Ich weiß genau, warum ich meine Freundin mag. Ich schätze sie sehr. Ich schätze ihre Zuneigung, ihre Treue, ihre Liebe zu mir. Daran hat es nie gemangelt. Und ich dachte, vielleicht erkennt sie in meinem Entschluss, mit ihr zusammenzuziehen, dass mir wirklich viel an ihr liegt. Ich habe gehofft, dass sich in einem gemeinsamen Haushalt vielleicht mehr Situationen ergeben, in denen man die Sexualtität ausleben kann.
Heute muss ich leider feststellen, dass sich in dieser Richtung nichts getan hat. Im Gegenteil. Ich bin fast noch frustrierter als jemals zuvor. Wir haben im letzten halben Jahr nur so wenig miteinander geschlafen, dass ich es an einer Hand abzählen kann. Stattdessen hat sich eine Alltagsroutine eingeschlichen, die mir Angst macht. Wenn sie abends von ihrer Arbeit nach Hause kommt, dann will sie meistens nichts mehr wissen, außer sich zu erholen, fernzusehen und zu schlafen. Am nächsten Morgen stehen wir dann sehr zeitig auf, frühstücken und sehen uns abends wieder.
Was mich am meisten kränkt ist die Tatsache, dass wir beide nach außen hin das "perfekte Paar" abgeben. Sie ist eine Perfektionistin. Alles in ihrem Leben scheint zu funktionieren und so tritt sie auch auf. Ich habe das Gefühl, dass sie ihr echtes Problem, das der Sexualität, überspielt, indem sie mich hat, der sie nach außen hin deckt und ihr den Anschein gibt, als wäre dieses Problem nicht vorhanden. Ich selbst bin natürlich verzweifelt. Denn auch ich verhalte mich gegenüber anderen so, als gäbe es das Problem nicht. Darunter leide ich sehr. Vor ein paar Wochen habe ich dann ein ausführliches Gespräch mit einer Freundin von mir geführt. Diese Freundin ist fataler Weise auch die Arbeitskollegin meiner Freundin. Und kurioser Weise (das wollte ich gar nicht) haben wir festgestellt, dass wir beide so ziemlich das gleiche Problem in unseren Partnerschaften haben. Sie hätte das nie von mir gedacht und ich nie von ihr. Ich habe wie nie zuvor das Gefühl, dass sich etwas ändern muss. Jeder Tag, der vorbei geht und an dem sich nichts tut, kommt mir vor wie ein großer Selbstbetrug. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, mich zu trennen. Ich will das aber nicht. Viele Gründe sprechen dagegen. Zum einen habe ich Angst vor den Reaktionen meiner/unserer Freunde und Familien. Niemand würde es verstehen, wenn ich nicht den wahren Grund nennen würde, der aber viel zu intim ist, als dass man das jedem erzählen möchte. Der eigentliche Grund ist aber, dass ich mich nicht trennen will. Ich will diese Beziehung, weil ich von dem Menschen, der mit mir diese Beziehnung teilt, überzeugt bin. Ich schätze meine Freundin, ich kann mir nicht vorstellen, einen Menschen zu finden, der in so vielen Dingen zu mir passt. Ich denke immer, wäre da nicht dieses Problem der Sexualität, dann hätte ich gar keine Probleme, sondern wahrscheinlich eine sehr sehr glückliche Partnerschaft. Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt alles aufgeben muss.
Auf der anderen Seite weiß ich aber, dass ein Verschweigen des Problems keine Lösung ist. Ich möchte nicht der Deckmantel der Probleme meiner Freundin sein. Ich möchte mich nicht selbst belügen und ein wichtiges Bedürfnis einfach unterdrücken. Zu meiner Lebensplanung gehört auch eine Familie, eine erfüllte Partnerschaft, in der Sexualität seinen Platz findet. Aber die Hoffnung schwindet von Tag zu Tag. Vor allem merke ich, wie ich selbst immer eingeschüchterter werde. Ich selbst versuche gar nicht mehr, das Thema Sex zur Sprache zu bringen. Jede Situation, in der es zum Sex kommen könnte, wird gemieden - ja, sogar ich fange an, diese Situaionen zu meiden. Das war sonst nie meine Art. Ich war zuvor sexuell sehr offen und selbstbewußt. Ich würde sagen, ich habe mich vorher nie besonders um das Thema kümmern müssen, weil es in meinen Beziehungen zuvor damit nie große Probleme gab. Die Tatsache, dass ich mit der oben erwähnten Freundin (der Arbeitskollegin meiner Freundin) so offen gesprochen habe, zeigt mir, dass es Frauen gibt, mit denen man offen reden kann, die ähnliche Bedürfnisse haben. Es zeigt mir, dass NICHT ICH derjenige bin, der besonders hohe Ansprüche hat und das Problem erzeugt.
Was kann ich nun tun? Ich persönlich glaube ja, dass wir, wenn wir die Beziehung retten wollen, unbedingt Hilfe brauchen. Von alleine tut sich nichts, das hat die Vergangenheit gezeigt. Vorwürfe machen bringt nichts, im Gegenteil. Selbst Initiative ergreifen kann ich schon nicht mehr, da ich sehr verunsichert bin. Ich denke, eine Therapie wäre die einzige Chance, die uns noch bleibt. Soll ich sie nochmals darauf ansprechen? Wenn ja, wie? Und was ist, wenn sie wieder so ablehnend reagiert?


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 Betreff des Beitrags: vielleicht Hilft dir das etwas
BeitragVerfasst: Di, 14 Feb 2006 12:45 
Hallo Michael,
-Vielleicht Hilft dir das etwas-
wenn ich deins so lese, spiegelt sich darin meine Beziehung zu meinem Freund wieder, ich bin 22 Jahre und mit meinem Freund seit vier Jahren zusammen. Wir sind nach außen auch ein perfektes Paar, aber das mit dem Sex klappt einfach nicht. Von seiner Seite aus könnte er auch immer, und hätte immer lust, aber ich habe schon etwas Abneigung dazu entwickelt.
Dass mit dem oral stimulieren, wollte mein Freund auch schon oft bei mir machen, im grunde genommen finde ich es ja schön, aber das Gefühl, das er mich, wenn er mich so sieht, hässlich findet ist bei mir immer da. Somit habe ich eine gewisse Abneigung dagegen entwickelt (Obwohl er sagt er mag mich so wie ich bin, aber die meisten Frauen haben das Problem, das ihnen ihr Körper nicht gefällt so wie er ist. Wenn man sich dann noch so nahe kommt, könnte der Partner ja irgend etwas entdecken was ihm an einem nicht gefällt. Es klingt blöd aber irgendwie ist das einfach so.) Mein Partner klagt auch das ich zu wenig initiative ergreife und manchmal es "nur über mich ergehen lasse", das hat den einfachen Grund das ich z.B. schmerzen habe dabei und umso weniger ich mich bewege, umso weniger tut es mir weh. Klar bin ich schon bei verschiedenen Ärzten gewesen (ohne das Wissen meines Freundes) die alle gemeint haben ich bin halt überempfindlich, haben mir Tapletten oder sonstiges gegeben. Nur wenn dir fünf Frauenärzte sagen man soll sich nicht so haben, habe ich nicht den Mut mit meinem Freund darüber zu reden, 1. Wenn ich sage: die haben gemeint da ist nichts oder ich bin zu Überempfindlich. und ich das beim fünften Mal, nach dem fünften Arztbesuch zu meinem Freund sage, denkt doch er, dass ich ihn verarschen möchte und nur keine Lust auf ihn habe. Glaube mir keine Frau ist Glücklich wenn es im Bett nicht so klappt wie es soll, :oops: Ich weiß auch schon langsam nicht mehr was ich dagegen tun soll, ich bin halt durchzufall hierher gestoßen und schau ob die mir helfen können. Bei mir ist es auch schon so das ich jeder Gelegenheit aus dem weg gehe, weil weißt du wenn der Sex einem solche schmerzen bereitet, dass einem fast die Tränen kommen, entwickelt man eine gewisse unlust dafür. Ich glaube einfach das deine Freundin ein ähnliches Problem hat wie ich, weil wenn ich deins so durchlese, genau so verhalte ich mich auch. Mein Freund möchte auch immer mit mir reden, nur ist es mir schon echt peinlich, langsam Glaub ich ich bilde es mir nur ein. Wenn da mein Freund noch daher kommt und sagt, vielleicht sollten wir mal zum Psychologen gehen, dann geht mir auch durch den Kopf, dass er mir nicht glaubt. Vielleicht siehst du es ja mal von dieser Seite, vielleicht hat ja deine Freundin auch so ein Problem!? Mein Freund hat auch nicht mitbekommen das ich jetzt schon bei sovielen Ärzten war, er denkt sogar langsam schon, dass ich fremd gehe. Liebe Grüße Steffi :roll:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 14 Feb 2006 19:40 
Offline

Registriert: Di, 11 Jun 2002 02:00
Beiträge: 1160
Wohnort: Freiburg
Hallo Michael,
wir geben Ihnen recht, dass eine Therapie bei einem Sexualtherapeuten einen Beitrag zur Lösung Ihres Problems leisten könnte. Dass Ihre Partnerin auf einen Therapievorschlag von Ihnen schon einmal sehr ablehnend und gekränkt reagiert hat, macht das ganze nicht gerade leichter. Letztlich wird Ihnen aber nichts anderes übrig bleiben, als erneut einen Versuch zu starten, Ihre Partnerin auf das Thema Sexualität anzusprechen. Vielleicht hat ja auch Ihre Partnerin eine Idee, was Sie gemeinsam tun können, damit sich Ihr Sexualleben verändert.
Wäre es für Sie denkbar, Ihrer Partnerin Ihr Anliegen in einem Brief mitzuteilen und nicht durch ein persönliches Gespräch? Dann kann Ihre Partnerin den Zeitpunkt wählen, wann und ob sie mit Ihnen noch einmal darüber ins Gespräch kommen möchte.
Es ist wichtig, dass Sie nicht alleine die Verantwortung für Ihr Problem übernehmen. An der Sexualität in einer Partnerschaft sind beide Partner beteiligt, und das gilt auch, wenn es Probleme mit der Sexualität in der Partnerschaft gibt.
Auch wenn es Ihnen begründet schwer fällt, noch einmal ein Gespräch zu wagen, möchten wir Sie ermutigen, dies zu tun.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen auch gerne telefonisch unter 0180 / 555 84 84 (12 Cent/Minute) von Montag-Freitag 15-20 Uhr zur Verfügung.

Mit besten Wünschen und viel Erfolg!

Ihr
ISG-Team


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