Kranke Ehefrau: Männer nehmen Reißaus

Männer suchen häufig das Weite, wenn ihre Ehefrau an Krebs oder einem anderen schweren Leiden erkrankt. Jede fünfte Beziehung geht dann zu Bruch, ergab eine Studie der University of Washington und der University of Utah. Umgekehrt bleiben Frauen sehr viel öfter bei einem erkrankten Partner - sie trennen sich trotz der belastenden Situation in weniger als jedem 30. Fall. Die Studienautoren berichten über ihre Arbeit im Fachblatt "Cancer" (2009; 115: 5237-5242).


Studienleiter Michael J. Glantz und Kollegen sammelten die Daten von 515 verheirateten Männern und Frauen, bei denen entweder ein Gehirntumor (214 Patienten), eine andere Krebs-Form (193) oder Multiple Sklerose (108) festgestellt wurde. Im fünfjährigen Untersuchungszeitraum ließen sich 11,6 Prozent der Paare scheiden oder trennten sich. Das sei auch für Beziehungen ohne Krankheitsfall ein normaler Wert, so die Forscher. Allerdings zeigte sich ein deutlicher Unterschied, je nachdem, ob der Mann oder die Frau in der Partnerschaft erkrankt war: Frauen trennten sich nur in 2,9 Prozent der Fälle von ihrem schwerkranken Ehemann, Männer sich jedoch in 20,8 Prozent der Fälle von ihrer erkrankten Ehefrau.


Die Trennungsrate hing demnach stark vom Geschlecht des Patienten ab. Doch zwei weitere Faktoren spielten ebenfalls eine Rolle: Je älter der erkrankte Partner, desto häufiger wurde er verlassen. Gleichzeitig schützte aber eine lange Ehe vor einer Scheidung.

Männern falle es schwerer, sich mit der Rolle des Umsorgenden zurechtzufinden, erklären die Studienautoren das Ergebnis. Frauen von erkrankten Männern gelinge es besser, Heim und Familie beisammen zu halten. "Wir glauben, dass unsere Ergebnisse auf alle Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen übertragen werden können", so die Forscher. Sie empfehlen, möglichst frühzeitig eine Eheberatung und psychologische Unterstützung anzubieten, wenn ein Ehepartner - speziell die Frau - erkrankt.

In der Studie nahmen verlassene Patienten mehr Antidepressiva ein, wurden öfter ins Krankenhaus eingewiesen, brachen häufiger eine Strahlentherapie ab und verstarben seltener in ihrem eigenen Zuhause.  (Quelle: www.netdoktor.de)