Männer sind Gesundheitsmuffel

Vorsorge? Ernährungskurs? Das starke Geschlecht schwächelt da eher. Wie Männer es schaffen, mehr auf ihre Gesundheit zu achten

Peter Gerhold mag es sanft. Der Apotheker aus dem bayerischen Holzkirchen hat sich auf Naturheilmittel spezialisiert. Sein Motto: Beschwerden möglichst behutsam lindern.


Es gibt jedoch Kunden, bei denen er Klartext reden muss. „Besonders ältere Männer sträuben sich hartnäckig, zum Arzt zu gehen“, sagt Gerhold. „Sie kommen lieber in die Apotheke, um dort unverbindlich Rat einzuholen – obwohl sie spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist.“ Etwa, weil der Blutdruck sehr hoch ist. „Manchmal nehme ich den Telefonhörer in die Hand und biete dem Kunden an herauszufinden, welcher Arzt gerade Sprechstunde hat.“

In Sachen Gesundheit zeigt sich das starke Geschlecht von einer sehr schwachen Seite: „Er“ hat ein höheres Krankheitsrisiko und stirbt viel früher als seine weiblichen Altersgenossinnen. Heute 65-jährige Männer werden durchschnittlich 81 Jahre alt – Frauen dagegen haben die Aussicht auf acht weitere Jahre.

 

Experten kennen mögliche Gründe. Männer sind Vorsorgemuffel. Und sie beugen Krankheiten weniger bewusst vor, an Gesundheitskursen der Krankenkasse nehmen deutlich mehr Frauen teil. Eine Auswertung der AOK zeigt: Unter den über 60-jährigen Teilnehmern an Ernährungskursen waren 2007 nur 26 Prozent Männer. In Kursen zum Thema Bewegung lag die Männerquote bei 22 Prozent, beim Thema Stressmanagement gerade mal bei 16 Prozent.


Not am Mann also. Aber warum locken die Angebote der Kassen so wenige Herren der Schöpfung? „Allein schon das Wort Kurs. Das funktioniert bei Männern nicht“, sagt Dr. Rüdiger Meierjürgen aus Wuppertal. Der für Prävention zuständige Experte der Barmer Ersatzkasse hat untersucht, was beim starken Geschlecht auf offene Ohren stößt – und was nicht. „Wir müssen Männer anders ansprechen. Besonders die ältere Generation hat eine eher technische Auffassung vom Körper. Der muss funktionieren.“

 

Und weil sich Männer mehr über Wettbewerb und Leistung definieren, kommen bei ihnen Angebote unter dem Titel „Gesundheitsmanagment“ oder „Training“ eher an. Auch müssen die Inhalte anders an den Mann gebracht werden. „Frauen erleben Gesundheitsbildung gern spielerisch und gemeinsam“, sagt Meierjürgen. „‚Er‘ hingegen übt lieber allein und nutzt die Gruppe, um sich mit anderen zu messen.“

Petra Haas, Senioren Ratgeber / GesundheitPro; 26.06.2009