Partnerschaft
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Beziehungsmodell: Ein Paar – zwei Wohnungen

„Living Apart Together“ (LAT) heißt die Beziehungsform, bei der zwei Menschen ein Liebespaar sind, aber auf getrennte Wohnungen bestehen. Funktionieren solche Partnerschaften auf Dauer?

 

Noch bis vor 20 oder 30 Jahren nahmen die meisten Beziehungen einen klaren, vorherbestimmten Lauf: Man lernte sich kennen, dann lieben und zog irgendwann zusammen. Heute zweifeln immer mehr Paare dieses traditionelle Konzept mit den geteilten vier Wänden an und entscheiden sich für eine Lebensform, die der niederländische Journalist Michel Berkiel 1978 mit einem Motto treffend umschrieb: „Living Apart Together“ (LAT). Zu Deutsch: Getrennt zusammen leben.

Living Apart Together: Trend zu getrennten Wohnungen

Untersuchungen zeigen, dass in Europa und auch in den USA die Zahlen der „LATs“ (so nennt man die getrennt Wohnenden in Fachkreisen) stetig steigen. In Schweden beispielsweise waren es 2001 bereits 14 Prozent aller Paare. Acht Jahre zuvor hatten sich gerade mal sechs Prozent für diese Art der Beziehungsführung entschieden. Und auch in Deutschland hat diese Beziehungsform von 1992 bis 2006 um mehr als 70 Prozent zugenommen.

Die positiven Seiten von zwei getrennten Haushalten

Die Gründe sind vielschichtig, warum sich Männer und Frauen zwar für eine feste emotionale Bindung entscheiden, aber nicht zusammen wohnen möchten. „Menschen, die diese Beziehungsform eingehen wollen, waren in den meisten Fällen schon vorher in langjährigen Beziehungen,“ sagt Professor Alexander Noyon, psychologischer Psychotherapeut an der Hochschule Mannheim. „Sie kennen also die realen Nachteile mit einem Partner unter einem Dach zu leben.“ Und die beschneiden für gewöhnlich den eigenen Freiraum: Man kann nicht mehr fernsehen, was man will. Man kann die Klotür nicht mehr offen lassen. Man muss den Schuhschrank teilen.

Mehr Freiheiten: Oft profitieren gerade die Frauen

Vor allem Frauen weigern sich immer häufiger, die traditionelle Beziehungsform einzugehen, weil es ganz einfach ein Mehr an Arbeit für sie bedeutet. „Wenn kein Mann im Haus ist, heißt das weniger Unterhosen waschen, weniger hinterher räumen und damit mehr Kontrolle über das eigene Leben,“ so Noyon. Sie haben sich – etwa nach einer Scheidung – an die positiven Aspekte des Alleinelebens gewöhnt und wollen sich dieser Freiheit nicht mehr berauben lassen. „Frauen wollen sich nicht mehr um jeden Preis arrangieren,“ sagt der Experte.

Das „Living Apart Together“-Prinzip ist aber auch als gesellschaftliches Phänomen zu verstehen: Der moderne Mensch will immer mehr unter einen Hut bringen – Arbeit, Beziehung, persönliche Freiheit. Da erweist sich ein Konzept, das alle Vorteile einer partnerschaftlichen Beziehung mit sich bringt, aber zugleich auch die Erleichterungen eines Single-Haushalts aufweisen kann, als ideal. „Außerdem“, so Noyon, „ist es auf die Dauer natürlich spannender und reizvoller, wenn man nicht zusammen wohnt.“ Das profane Alltags-Miteinander, der sprichwörtliche Streit um die Zahnpastatube bleibt aus.

Ein Modell für die Generation 40 plus

Trotzdem: Insgesamt sind es natürlich vergleichsweise wenige Paare, die dieses Konzept konsequent umsetzen. Die Voraussetzung für eine echte „LAT“-Beziehung ist schließlich, dass das beide wirklich wollen. Das heißt: Fernbeziehungen von Studenten in den Mittzwanzigern, die ja oft gezwungenermaßen ein „Living Apart Together“ darstellen, zählen nicht in den LAT-Statistiken.

„Das Modell beginnt eigentlich erst für die Altersgruppe ab 40 Jahren relevant zu werden,“ so Noyon. Also in einer Lebensphase, in der man bereits Erfahrungen gesammelt hat, eventuell bereits eine Scheidung oder sogar den Tod eines Partners hinter sich hat. In vielen Fällen sind die Kinder schon groß oder aus dem Haus. So lange noch ein Kinderwunsch vorhanden ist, sind getrennte Wohnungen bei Paaren eher unüblich. Das Leben für „LATs“ ist natürlich auch teurer – zwei getrennte Haushalte sind kostenintensiver –, was eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit der Partner voraussetzt.

Möglicher Nachteil: Eine Trennung ist einfacher

Ob nun „Living Apart Together“-Paare letztendlich zufriedener sind, lässt sich pauschal nicht sagen. „Nur, wenn beide freiwillig diese Lebensform wählen, kann man sagen, dass sie glücklicher als der Durchschnitt sind,“ formuliert es Noyon. Es fehlt der Alltagsstress, der oftmals eine giftige Stimmung in der Beziehung fördert.

Andererseits: Fehlt dann nicht der Anreiz sich immer wieder – gezwungenermaßen – zusammen zu raufen, wenn man täglich Bett und Bad teilt? Eine Berliner Untersuchung zeigt tatsächlich, dass es „LATs“ insgesamt viel leichter fällt, sich vom Partner zu trennen. Für Noyon ist das logisch: „Weniger organisatorischer Aufwand erleichtert natürlich eine Trennung. Wenn Paare eigentlich einen Schlussstrich unter die Beziehung ziehen wollen – und vielleicht auch sollten –, scheitert das oftmals an dem einschüchternden und kostspieligen Aufwand, der damit verbunden ist.“ (Autorin: Sandra Schmidt; Quelle: gesundheitpro.de)

 

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