Partnerschaft
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Bindungsangst: Wenn der Partner sich nicht festlegen will

Er liebt mich, er liebt mich nicht: Wer an einen Partner mit Bindungsangst gerät, erlebt eine Achterbahn der Gefühle. Doch es gibt einen Weg aus dem Gefühlschaos – für beide Partner

 

Sie war sich so sicher gewesen. Jetzt hab ich ihn geknackt, diesmal verschwindet er nicht wieder tagelang von der Bildfläche, dachte sich Eva. Dafür war der gemeinsame Urlaub gerade einfach zu schön und harmonisch gewesen. Doch kaum hatte sie sich von Peter verabschiedet, tat dieser, was er immer wieder tat, seit die beiden sich vor einem Jahr kennenlernten: Er rief nicht an, reagierte nicht auf Anrufe oder Emails. Absolute Funkstille.

 

Flucht vor Nähe – und Angst vor dem Alleinsein

„Solche Brüche sind ein typisches Verhalten für Menschen mit Bindungsangst“, sagt Gerhild von Müller, Psychologin und Psychotherapeutin aus Köln. Menschen, die darunter leiden, weichen Verbindlichkeiten aus: Sei es dem Wunsch nach einer gemeinsamen Wohnung, der Heirat oder einfach einer festen Partnerschaft. Doch diese Flucht vor Nähe ist nur eine Seite der Bindungsangst: „Gleichzeitig haben die Betroffenen große Angst vor dem Alleinsein, vor der Trennung von ihren geliebten Menschen und suchen sogar sehnsüchtig ihre Nähe“, erklärt die Expertin. Das ist der Grund, warum Peter auch diesmal wieder irgendwann vor Evas Tür stehen wird.



Bindungsangst entsteht in den ersten Lebensmonaten

Die Ursache für ein solches Verhalten findet sich bereits im ersten Lebensjahr. „Ein hungriger Säugling, der von seiner Mutter zu lange allein gelassen oder ignoriert wird, bekommt nach kurzer Zeit schon Todesangst“, sagt von Müller. Mütter, die zum Beispiel selbst unter einer psychischen Störung leiden, etwa einer postpartalen Depression, können ihr Kind häufig nicht so lieben, wie sie es eigentlich möchten. Sie lehnen ihr Baby ab, finden es vielleicht zu gierig oder bestrafen es, indem sie es schreien lassen. Erfolgt dieses Verhalten im raschen Wechsel mit Überbehütung, die dem Kind keinen Bewegungsspielraum lässt und dessen Bedürfnisse ignoriert, wirkt das ebenfalls negativ. Die Folge: Das Baby erlebt sowohl die Trennung, als auch die Nähe von der Mutter als bedrohlich. Mitunter kommen noch weitere negative Erlebnisse in der Beziehung zu den Eltern hinzu, etwa das Gefühl, nicht gewollt zu sein, zu stören. „Heraus kommt ein Nähe-und-Distanz-gestörter Mensch, der als Erwachsener zwischen Ängsten hin- und hergebeutelt wird, die ihm nicht bewusst sind.“ Denn alle heftigen negativen Erlebnisse der ersten Lebensjahre werden verdrängt.

 

Auch Fremdgehen kann ein Zeichen für Bindungsangst sein

Stattdessen haben sich die Betroffenen eine Reihe von plausiblen Begründungen für ihr Verhalten zurecht gelegt: der Mittdreißiger fühlt sich noch zu jung zum Heiraten, die Studentin möchte erst ihren Abschluss machen, bevor sie mit ihrem Freund zusammenzieht. Und dann gibt es noch die Nörgler, die ständig am Partner herum meckern, um ihn auf Abstand zu halten. „Auch Fremdgehen ist eine Möglichkeit, sich Distanz zu schaffen“, fügt die Psychologin hinzu. Doch ganz gleich welcher Methode sich der Betroffene bedient: Für viele Partner ist die plötzliche Abwendung des Anderen unverständlich und verletzend. „Gerade Frauen neigen dazu, den Fehler bei sich zu suchen und ihre Bemühungen um die Partnerschaft zu verstärken, was bei bindungsgestörten Menschen nur zu größerem Distanzbedürfnis führt“. Die Expertin empfiehlt stattdessen, sich nicht von den Schuldzuweisungen des Partners ablenken zu lassen und sich daran abzuarbeiten. Denn angeblich zu dick oder zu dünn zu sein, sei nicht die Ursache. „Sehen Sie genau hin: vielleicht hat ja der Andere das Problem. Demonstrieren Sie Selbstbewusstsein und ziehen Sie sich zurück.“ Spätestens dann kommt der Partner wieder angerannt – denn Distanz verträgt er ja auch nicht.

 

Komm' her – geh' weg!

Wie lässt sich diese Endlosschleife aus Flucht und Annäherung durchbrechen? Der erste Schritt aus der Misere ist laut von Müller die Selbsterkenntnis: Der Betroffene muss selbst erkennen, dass die Ursache für das Beziehungschaos bei ihm liegt und sich – anstatt vom Partner – von den Ausreden verabschieden. „In schweren Fällen kann jedoch nur eine Psychotherapie helfen“, sagt Gerhild von Müller. Dem geliebten Menschen das ständige Auf und Ab der Gefühle zu ersparen, ist vielleicht ein Ansporn.  (Quelle: gesundheitpro.de; Autorin: Vanessa von Blumenstein-Langer)

 

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