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Männer können nicht mit Schmerzen umgehen

 

Männer und Frauen nehmen körperliche und seelische Leiden unterschiedlich wahr: Nach Ansicht des Sozialwissenschaftlers Klaus Hurrelmann haben viele Männer nicht gelernt, mit Krankheit und Schmerzen umzugehen. "Sie verdrängen Schmerzen aus Angst, ihrer Rolle nicht mehr gerecht zu werden", sagte er im dapd-Gespräch. "Lassen sich diese nicht mehr verdrängen, reagieren Männer beleidigt, sind enttäuscht, dass die Maschine Körper sie im Stich lässt." Noch schlimmer sei es für Männer, wenn sie psychische Probleme hätten.

"Kranksein bedeutet Schwäche, und Männer bekommen keine soziale Anerkennung, wenn sie sich schwach zeigen", sagte Hurrelmann. Die Gesellschaft zwinge sie in ein traditionelles Geschlechtermuster. Dass es viele Spielarten von Männlichkeit gebe, und dass diese alle möglich und nötig seien, "das ist in der Gesellschaft noch nicht selbstverständlich. Frauen sind da inzwischen viel besser dran", sagte der Wissenschaftler.

Um dies zu ändern, müsse das traditionelle Rollenverständnis aufgebrochen werden. Erst dann könnten Männern spezielle Gesundheitsangebote gemacht werden, die sie ohne Gesichtsverlust annehmen können. "Ein Mann geht nicht gerne zu einem Männerarzt oder in eine Praxis, auf deren Tür groß 'Männerberatung' steht." Gleichzeitig sei ein Arzt aber eine gute Anlaufstelle, gerade auch wenn ein Mann unter psychischen Problemen leide. Ein Mediziner könne den diskreten Zugang zu einem Spezialisten ermöglichen. Grundsätzlich ist Hurrelmann überzeugt, dass sich im Bereich Männergesundheit etwas verändern wird. "Es bewegt sich etwas. Männer werden nicht ewig an ihrer starren Rolle festhalten", sagte er.

Die Lebenserwartung des "starken Geschlechts" liegt, statistisch gesehen, mehr als fünf Jahre unter der von Frauen. Ende Oktober war der erste Männergesundheitsbericht vorgestellt worden - fast zehn Jahre nach dem Bericht zur Frauengesundheit. Danach leiden Männer mindestens ebenso häufig wie Frauen an psychischen Störungen - bei ihnen bleiben sie aber häufig unentdeckt und deshalb auch unbehandelt. Das liegt offenbar unter anderem daran, dass sich das Krankheitsbild stark von dem der Frauen unterscheidet: Bei Männern zeigen sich psychische Probleme zum Beispiel in Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Gewalttätigkeit oder einer antisozialen Persönlichkeitsstörung.


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