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"Typisch Mann!" "Typisch Frau!" Gibt es das überhaupt?

In Zeiten der Gleichberechtigung geht der Blick für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern mitunter verloren. Eine große italienische Untersuchung zeigt nun, dass an den Geschlechtsstereotypen mehr dran ist, als so mancher wahr haben will.

 

Bislang ging man davon aus, das die Persönlichkeiten von Männern und Frauen sich nicht gravierend unterscheiden. Vorangegangene Untersuchungen fanden lediglich größere Unterschiede in sexuellen Aspekten der Persönlichkeit sowie moderate Unterschiede im Hinblick auf die Aggressivität.

Das Team um Marco Del Giudice von der Universität Turin warf nun mithilfe neuer Auswertungsmethoden einen differenzierteren Blick auf die menschliche Psyche und stieß dabei auf erstaunliche Unterschiede zwischen Mann und Frau. Der typische Durchschnittsmann und die Durchschnittsfrau sind demnach in vielen Persönlichkeitsaspekten grundverschieden.

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher die Persönlichkeitsprofile von mehr als 10.000 Männern und Frauen aus. Sie basieren auf den 16 primären Persönlichkeitsaspekten eines weltweit anerkannten Persönlichkeitstests, dem 16PF Questionaire. Er umfasst die folgenden Aspekte:

 

- Wärme

- Logisches Schlußfolgern

- Emotionale Stabilität

- Dominanz

- Lebhaftigkeit

 -Regelbewußtsein

- Soziale Kompetenz

- Empfindsamkeit

- Wachsamkeit

- Abgehobenheit

- Privatheit

- Besorgtheit

- Offenheit für Veränderung

- Selbstgenügsamkeit

- Perfektionismus

- Anspannung

 

Jeder Teilnehmer erreichte auf jeder dieser Skalen einen bestimmten Punktwert. Betrachtete man die gesammelten Ergebnisse von Frauen und Männern getrennt ergaben sich typische Geschlechtsprofile, die teilweise erheblich voneinander abwichen.

 

Die größten Unterschiede fanden die Forscher in den Persönlichkeitsanteilen Empfindsamkeit, Wärme und Selbstgenügsamkeit, die bei den Frauen weit stärker ausgeprägt waren, sowie bei den Persönlichkeitsaspekten emotionale Stabilität, Dominanz, Regelbewusstsein und Wachsamkeit, die bei den Männern deutlich markanter ausfielen.

"Die Resultate waren bemerkenswert", schreiben die Autoren. Die Überschneidung zwischen dem typischen männlichen Persönlichkeitsprofil und dem typischen weiblichen betrug nur 10 Prozent. "Das schließt nicht aus, dass es beispielsweise auch sehr sensible Männer oder besonders dominante Frauen gibt", betont Studienleiter Del Giudice im Gespräch mit NetDoktor.de.

Er weist ferner darauf hin, dass die 16 Persönlichkeitsfaktoren nur ein grobes Rasterbild der Persönlichkeit liefern würden. "Menschen, die empfindsam sind, können beispielsweise sensibel, sentimental, intuitiv oder sanftmütig sein", so der Wissenschaftler.

Das Fazit der Forscher: "Das Ausmaß der Geschlechtsunterschiede in der menschlichen Persönlichkeit ist bislang erheblich unterschätzt worden." Die Wissenschaftler weisen darauf hin, das die Ergebnisse anhand anderer Datensätze überprüft werden müssten. Interessant sei vor allem ein Vergleich mit Ergebnissen, die nicht auf Selbstbeobachtungen basierten wie in der vorliegenden Studie, sondern auf neutralen Beobachtungen oder Interviews mit Freunden und Familie. (cf)

Quelle: Del Giudice, M. et al.: The Distance Between Mars and Venus: Measuring Global Sex Differences in Personality. PLoS ONE 7(1): e29265.doi:10.1371/journal.pone.0029265

 

 

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