REISE-LUST

Der Skandalmaler

Die erotischen Bilder des Malers Balthus schockierten einst sogar die Pariser. Im Museum Ludwig sind nun 70 seiner provokativen Gemälde und Zeichnungen zu sehen

Seine erste Ausstellung wurde zum Skandal: Die Besucher, die 1934 in die Pariser Galerie Pierre kamen, um Bilder des bis dahin unbekannten Malers „Balthus“ zu sehen, waren schockiert. Und das, obwohl seine großformatigen Werke auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches zeigten. Balthus hatte sich traditioneller, unverfänglicher Motive bedient, hatte eine Straßenszene gemalt, eine Musikstunde oder ein Mädchen am Fenster. Was die Betrachter verstörte, war die unverblümte Erotik der Darstellungen. Junge Mädchen im Übergang zum Erwachsenenalter waren in eindeutig anzüglichen Posen zu sehen, teils nackt, teils leicht bekleidet.

Balthus ließ sich von der Empörung, die seine Gemälde auslösten, nicht beirren. Auch in den nächsten Jahrzehnten blieb er seinem Lieblingssujet treu und scherte sich wenig um das Aufsehen, für das seine Kunst immer wieder sorgte. 1977 löste Balthus in New York wiederum einen Sturm Empörung aus, als dort das ebenfalls 1934 entstandene Bild „La Lecon de guitare“ („Die Gitarrenstunde“) gezeigt wurde. Zu sehen ist ein nacktes junges Mädchen, das auf dem Schoß seiner Lehrerin sitzt, die ihm scheinbar Gewalt antut.

Wer aber war dieser provokante Franzose, der sich selbst den Namen „Balthus“ gegeben hatte? Geboren wurde er 1908 als „Graf Balthasar Klossowski de Rola“ in Paris – wobei über den Grafentitel Zweifel bestehen. Er war der zweite Sohn des polnischen Kunsthistorikers und Malers Erich Klossowski. Seine Mutter war die Malerin Elizabeth Dorothea, eine Polin jüdischen Glaubens. Das Paar führte einen der wichtigsten Künstlersalons in Paris, in dem unter anderem Pierre Bonnard und André Gide verkehrten. 1917 zog Balthasar mit Bruder und Mutter nach Genf, wo die Familie Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Rainer Maria Rilke machte. Er war es auch, der dem jungen Künstler den Namen „Baltusz“ verpasste. Der Dichter ist nur einer von vielen illustren Zeitgenossen, die von der Persönlichkeit und dem Werk des Malers angezogen wurden. Picasso, Miró, Dali, die Giacomettis, Braque und der Regisseur Frederico Fellini gehörten ebenfalls zu seinem Freundeskreis. 

Auch wenn Balthus’ Bilder heute nicht mehr für Skandale sorgen, sind sie doch immer noch von einer gewissen Spannung umgeben. Ihre Bedeutung sorgt unter Kunsthistorikern noch immer für kontroverse Diskussionen. Während die einen ihn für einen mittelmäßigen Maler mit einem Hang zum Kitsch halten, der sich vor allem durch sexuelle Tabubrüche profilierte, loben andere seine erotischen Mädchenkörper als „unberührbare Archetypen der Reinheit“. Unbestreitbar ist, dass der Franzose Originalität bewies: In einer Zeit, in der die abstrakte, die kubistische und die surrealistische Malerei ihren Höhepunkt erlebten, widmete sich Balthus figürlichen Motiven und kultivierte seinen eigenen Stil, den er selbst als „zeitlosen Realismus“ definierte. Kritikern, die manchen seiner Bilder handwerkliche Mängel vorwerfen, hätte er womöglich sogar zugestimmt – schließlich bezeichnete er selbst sich als Autodidakten. 

Obwohl ihn familiäre und freundschaftliche Bindungen mit Deutschland verbanden, ist Balthus hier bis heute wenig bekannt. Die Schau, die vom 18. August bis zum 4. November 2007 im Museum Ludwig gezeigt wird, ist die erste Einzelausstellung in Deutschland. Zu sehen sind zirka 70 herausragende Zeichnungen und Gemälde aus den Jahren 1932 bis 1960, die aus öffentlichen und privaten Sammlungen zusammen getragen wurden.

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