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Die Pille für den Mann

Seit vielen Jahren versuchen Wissenschaftler, ein Verhütungsmittel für den Mann zu entwickeln. Es gab viele Rückschläge – doch jetzt scheint die Lösung nahe.

 

Die Pille für den Mann, von der in den vergangenen Monaten häufig die Rede war, ist eigentlich gar keine Pille. Es handelt sich dabei um eine Spritze, die etwa alle zwei Monate erneut gesetzt werden muss. Dabei bekommt der Mann die Hormone Gestagen und Testosteron verabreicht. Das Gestagen aktiviert im Gehirn Botenstoffe, die daraufhin die Spermienproduktion in den Hoden reduzieren. Dadurch sinkt gleichzeitig der Testosteronspiegel, weshalb dem Körper zugleich künstliches Testosteron zugeführt wird.

Entwickelt hat diese Methode das Institut für Reproduktionsmedizin der Universität Münster. „Die Sicherheit dieser Verhütungsmethode käme einer Durchtrennung der Samenleiter gleich“, sagt der Androloge und Endokrinologe Michael Zitzmann. Die Sicherheit der Hormonspritze wäre deshalb höher als bei der Pille für die Frau. Derzeit wird das Präparat in einer dreijährigen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO an 50 Paaren getestet.

Die Hormonspritze der Münsteraner Wissenschaftler ist aktuell der vielversprechendste Ansatz auf der Suche nach dem Verhütungsmittel für den Mann. Und die dauert schon eine ganze Reihe von Jahren: Es haben sich bereits einige Forscherteams und Konzerne an dieser Aufgabe versucht. Diverse nicht-hormonelle Methoden wurden getestet und sämtlich wieder verworfen, weil die Nebenwirkungen zu groß waren. Darunter waren Gossypol, ein Wirkstoff aus Baumwollsamen, und sogar eine chinesische Heilpflanze. Wissenschaftler der Universität Oxford entdeckten die Spermien lähmende Wirkung eines Abkömmlings des Zuckers, mit dem männliche Mäuse vorübergehend sterilisiert werden konnten. Ob der Stoff beim Menschen genauso wirkt, ist allerdings unklar.

Es erweist sich als bedeutend schwieriger, die Spermienproduktion des Mannes zu verhindern als seinerzeit den Eisprung der Frau. Das liegt daran, dass die Spermien 70 Tage im Hoden reifen und bei der Verhütung deshalb die unterschiedlichsten Wachstumsphasen bedacht werden müssen. Bei der Frau dagegen galt es, „nur“ einmal pro Zyklus eine Eizelle zu blockieren.

Vor zweieinhalb Jahren schien der Durchbruch bereits geschafft. Damals befand sich ebenfalls eine Hormonspritze in der Testphase. Doch die Teilnehmer klagten über extreme Stimmungsschwankungen und abwechselnde Phasen von Sexgier und Libidoverlust. Erstaunlich war, dass selbst jene Männer diese Nebenwirkungen angaben, die nur ein Placebo bekommen hatten. Das beweist, dass die männliche Psyche eine erhebliche Rolle spielt. Ein britischer Journalist, der an der Studie teilnahm, beschrieb seine Erlebnisse sogar in einem Buch („Die Pille und ich. Ein Mann im Selbstversuch“). Nach den schlechten Testergebnissen stellten 2007 zwei Pharmakonzerne die Forschung ein.

Jetzt nimmt das Team um Michael Zitzmann einen erneuten Anlauf. Gelingt er, wäre das eine Revolution in der Geschichte der Verhütung. Die Frau müsste nicht mehr an die tägliche Einnahme der Pille denken, und auch absetzen lässt sich die Hormonspritze einfach: Nach drei bis fünf Monaten ist die Produktion der Spermien wieder auf dem normalen Niveau und der Mann ist zeugungsfähig. Allerdings sollten Frauen, die jetzt schon mit dem Gedanken spielen, die Pille abzusetzen, noch etwas warten. Verläuft die derzeitige Testphase erfolgreich, wird die „Pille für den Mann“ frühestens 2012 marktreif sein.

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