Ein kleiner Pieks kann Leben schützen


Noch wird die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs zögerlich genutzt – obwohl sie viele retten könnte

PD Dr. med. Andreas Clad, Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik Freiburg und Leiter der Sektion Gynäkologische Infektiologie, ist designiertes Vorstandsmitglied des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit (ISG e.V.). Sein Doktorvater war Prof. Dr. med. Harald zur Hausen, der nachweisen konnte, dass eine Infektion mit den sogenannten high risk HPV (Humane Papillomviren, kurz Warzenviren) eine notwendige Voraussetzung ist für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Gegen die Infektion mit HPV schützen Kondome nicht. Prof. zur Hausen erhielt für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zur Ur sache und Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs 2008 den Nobelpreis. Wir sprachen mit Dr. Clad über die dritthäufigste Kebserkrankung bei Frauen – und die merkwürdige Impfunlust der Deutschen.

PD Dr. med. Andreas Clad

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste
Krebstodesursache bei Frauen. Jedes Jahr versterben
in Deutschland knapp 1.700 Frauen an diesem
Tumor, rund 6.500 Frauen erkranken neu. In
allen Fällen ist das Humane Papillomvirus
(HPV) die Ursache des Krebses.

ISG: Herr Dr. Clad, obwohl Studien an insgesamt etwa 40 000 Frauen die ausgezeichnete Wirksamkeit des Impfstoffes belegen, ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs (HPV-Impfung) in der Öffentlichkeit noch immer umstritten. Raten Sie Müttern dazu, ihre Töchter impfen zu lassen?

Dr. Andreas Clad: Unbedingt! Diese Impfung gehört zum genialsten, was in der Krebsforschung in den letzten Jahrzehnten erreicht wurde. Es ist die erste Impfung gegen Krebs überhaupt. Und sie wird noch dazu von den Patientinnen hervorragend vertragen – ganz im Gegensatz zu der mit Recht in die Kritik geratenen Impfung gegen Schweinegrippe.

Sie halten die Skepsis, mit der viele Gynäkologen auf die Impfung reagieren, also für unbegründet?

In der Tat. Nachdem weltweit über 60 Millionen Dosen des sogenannten tetravalenten Impfstoffs verabreicht wurden, gibt es keinen Grund, seiner Verträglichkeit und Unbedenklichkeit zu miss - trauen. Bei der Impfung so vieler Frauen

treten, wie statistisch zu erwarten, auch Todesfälle in zeitlichem, aber nicht ursächlichem Zusammenhang mit der Impfung auf. Alle unerwünschten Ereignisse in zeitlichem Zusammenhang mit der HPV-Impfung wurden in den USA bei über 20 Mio. Impfdosen erfasst. Die Ergebnisse zeigten, dass die HPV-Impfung sicher ist, ähnlich wie die Impfung gegen Hepatitis B.

Aber die Impfung wird bisher nicht optimal angenommen?

Die Impfung gegen die krebsauslösenden high risk HPV-Typen 16 und 18, die für 70% der Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich sind, und die low risk HPV-Typen 6 und 11, die 90% aller Genitalwarzen verursachen, wird von allen Krankenkassen für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren bezahlt. Trotz dieser großzügigen und auch gesundheitsökonomisch äußerst sinnvollen Unterstützung durch die Krankenkassen sind in Deutschland bisher nur etwa 30 Prozent aller Mädchen dieser Altersgruppe geimpft. In Freiburg und München, wo die Ärztedichte am höchstenist, sind die Impfraten paradoxerweise sogar besonders niedrig.

Wie stark ließe sich der Gebärmutterhalskrebs, das sogenannte Zervixkarzinom, durch ein optimales Impfverhalten zurückdrängen?

Ohne Vorsorgeuntersuchungen würden drei Prozent der Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Durch die jähr- 8 THEMA Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste Krebstodesursache bei Frauen. Jedes Jahr versterben in Deutschland knapp 1.700 Frauen an diesem Tumor, rund 6.500 Frauen erkranken neu. In allen Fällen ist das Humane Papillomvirus (HPV) die Ursache des Krebses. Ein kleiner Pieks kann Leben schützen Noch wird die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs zögerlich genutzt – obwohl sie viele retten könnte PD Dr. med. Andreas Clad ist Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik Freiburg und Leiter der Sektion Gynäkologische Infektiologie PD Dr. med. Andreas Clad, Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik Freiburg und Leiter der Sektion Gynäkologische Infektiologie, ist designiertes Vorstandsmitglied des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit (ISG e.V.). Sein Doktorvater war Prof. Dr. med. Harald zur Hausen, der nachweisen konnte, dass eine Infektion mit den sogenannten high risk HPV (Humane Papillomviren, kurz Warzenviren) eine notwendige Voraussetzung ist für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Gegen die Infektion mit HPV schützen Kondome nicht. Prof. zur Hausen erhielt für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zur Ur sache und Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs 2008 den Nobelpreis. Wir sprachen mit Dr. Clad über die dritthäufigste Kebserkrankung bei Frauen – und die merkwürdige Impfunlust der Deutschen. liche Kontrolle beim Frauenarzt konnte die Quote auf ein Prozent gesenkt werden. Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich im Verlauf von 10 bis 20 Jahren aus leicht therapierbaren Krebsvor - stufen, den sogenannten cervicalen intraepithelialen Neoplasien (CIN). Würden sich alle jungen Frauen impfen lassen, könnte die Rate an therapiebedürftigen CIN um 50% und die Häufigkeit des Zervixkarzinoms um 70% gesenkt werden. Es müssten sich dann nur noch sehr wenige Frauen Eingriffen wie der sogenannten „Wertheim-Operation“ unterziehen, bei der die Ge - bärmutter und auch das Lymphge webe beidseits davon entfernt werden. Sind bereits Lymphknoten befallen, hilft nur noch die Strahlentherapie. Tragisch ist, dass vom Zervixkarzinom vor allem relativ junge Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren befallen werden. Die HPV-Impfung erspart allerdings nicht die jährliche Vorsorgeunter - suchung!

 

Herr Dr. Clad, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch!

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