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Das Ideal von Perfektion und Form

Das NRW-Forum in Düsseldorf zeigt bis eine umfassende Retrospektive des Fotografen Robert Mapplethorpe

Er war einer derjenigen Fotografen, die durch ihr Werk entscheidend dazu beitrugen, dass die Fotografie heute als eigene Kunstform anerkannt ist: Robert Mapplethorpe. Als er 1946 in New York geboren wurde, begann die Fotografie sich gerade erst von der Malerei zu emanzipieren. Als er 1989 starb, wurden seine Bilder für Hunderttausende von Dollar verkauft und als eigene Sparte der Kunst verstanden.

Das NRW-Forum in Düsseldorf zeigt nun eine umfassende Retrospektive des Künstlers. Die 150 Fotografien umspannen den Zeitraum von 1973, als Mapplethorpe mit ersten Polaroid-Bildern zu experimentieren begann, bis zu den letzten Selbstportraits aus dem Jahr 1988. Dabei werden alle Bereiche von Mapplethorpes Werk berücksichtigt. Da sind zum einen Portraits von der Musikerin und zeitweiligen Lebensgefährtin Patti Smith, von Debbie Harry, Peter Gabriel, Richard Gere, Andy Warhol oder der Bodybuilderin Lisa Lyon. Es gibt zahlreiche von Mapplethorpes Aktfotografien zu sehen, dazu Stilleben von Blumen und Aufnahmen von Skulpturen.

Dabei spielte die Auseinandersetzung mit dem Körper und der homo- wie heterosexuellen Sexualität für Mapplethorpe immer eine entscheidende Rolle. Passend zu einer Zeit, in der die sexuelle Revolution sich durchgesetzt hatte, konfrontierte er das puritanische Amerika etwa mit sadomasochistischen Aufnahmen und rief dadurch oft Empörung hervor. Viele seiner Ausstellungen in Amerika wurden zensiert, boykottiert oder geschlossen. Mapplethorpe stellte nebeneinander Aufnahmen von Penissen und Blumen aus, weil für ihn kein Unterschied zwischen beiden bestand. Viele seiner Arbeiten zeigen eine radikale Nacktheit, wie es sie vorher nicht gegeben hatte. In Japan hat das Oberste Gericht erst 1988 – fast 20 Jahre nach dem Tod des Künstlers – festgestellt, dass seine erotischen Fotografien nicht der Pornografie zuzurechnen sind und ein Mapplethorpe-Bildband deshalb nicht weiter verboten werden kann.

Allerdings verdeckten die erregten Diskussionen um die sexuelle Komponente in Mapplethorpes Werk dessen eigentliche Qualitäten. Viele seiner Portraits und Stilleben sind geradezu poetisch geraten. Und es ist daher folgerichtig, dass er als Quintessenz seines Werkes Skulpturen fotografierte: Mapplethorpe entwickelte einen Stil, der sich an den klassischen Idealen von Perfektion orientierte. Ihn interessierte immer die makellose Form, er betrachtete Menschen wie antike Statuen. Passend dazu hat er seine Modelle fast immer vor einem schlichten schwarzen oder weißen Hintergrund fotografiert, der die Form der Figuren betonte. Die Düsseldorfer Ausstellung, die noch bis zum 15. August 2010 zu sehen ist, trägt dem Rechnung, indem sie die Fotografien ausschließlich vor einem schneeweißen Hintergrund zeigt.

Auf diese Weise entwickelte Robert Mapplethorpe ein klassizistisches Bild des männlichen Körpers, das heute zum Beispiel in fast jeder Fernsehwerbung für Rasierapparate vorkommt. So ging sein Werk wie das vieler anderer avantgardistischer Künstler letztlich in die Populär- und Massenkultur ein.

NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf, Tel.: +49 (0)211 – 89 266 90, www.nrw-forum.de

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