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Wenn die Lust zur Sucht wird

Sexseiten im Internet machen viele Menschen abhängig – mit Folgen für die Partnerschaft

Das Verlangen nach übermäßig häufigen sexuellen Kontakten oder der unkontrollierte Konsum pornografischer Bilder sind kein neues Phänomen. Richard von Krafft- Ebing, ein Pionier der Sexualwissenschaft, prägte dafür schon 1896 den Begriff der sexuellen Hyperästhesie. Doch mit den neuen Medien hat das Problem eine neue Intensität erreicht. Zahllose Seiten im Internet bieten niederschwellig und anonym die Gelegenheit, pornografische Fotos und Filme anzuschauen oder in Chatrooms virtuell Frauen zu begegnen. Die leichte Verfügbarkeit führt häufig zur Abhängigkeit. Viele Menschen können den Computer nicht mehr einschalten, ohne Pornografie zu konsumieren. Die Seite Youporn, auf der kostenlos Sexbilder angeboten werden, wurde etwa schon 34 Millionen Mal angeklickt.

In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge zwischen 200.000 und 500.000 Internet-Sexsüchtige. Neun Zehntel davon sind Männer, in der Regeln zwischen 20 und 30 Jahre alt. Der Psychiater Kornelius Roth aus Bad Abbach hat in seiner Praxis festgestellt, wie sich der Schwerpunkt von der klassischen, sozusagen analogen Sexsucht in die digitalen Welten des Internets verschoben hat. „Früher kamen vorzugsweise Patienten um die 50 mit Problemen durch überbordende sexuelle Kontakte, jetzt sind es immer häufiger Menschen Mitte 20, die ihren Internet-Pornografiekonsum nicht in den Griff bekommen“, berichtet Roth. Er vertritt die Ansicht, dass eine Internet-Sexsucht einer Drogensucht strukturell ähnlich ist. Oft geraten die Abhängigen dabei in einen Teufelskreis. „Sehr häufig verlangen die User immer intensivere Reize und wechseln so von Softporno über Hardcore zu Gewaltpornos“, erklärt der Psychologe Raphael Bonelli. Der Grund für die Sucht ist oft Einsamkeit, fehlender Lebensmut oder mangelnde sexuelle Befriedigung, weshalb bei vielen Betroffenen auch Depressionen und Angstzustände auftreten – die durch die Sucht wiederum verstärkt werden.

Auch für die Partnerschaft hat die Internet- Sexsucht meist schwerwiegende Folgen. Oft empfinden die Betroffenen die gemeinsame Sexualität nach einiger Zeit nicht mehr als befriedigend genug, weil sie die sich ständig überbietenden Reize des Internets gewohnt sind. Eine Trennung oder der Verlust des gesamten sozialen Umfelds können die Folge sein. Um das zu verhindern, hilft den Betroffenen nur eine Therapie oder eine Selbsthilfegruppe. Nur so kann der Weg zurück zu einer erfüllten partnerschaftlichen Sexualität gelingen.

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