Titelthema

Wenn Männer zu schnell kommen

Der vorzeitige Samenerguss kann in der Partnerschaft zu einer ernsten Gefährdung werden. Nicht nur der Mann, auch die Frau ist betroffen – dabei ist die Störung längst behandelbar

Schnell zu sein bedeutet nicht immer, einen Vorteil zu haben: Etwa 20 Prozent der deutschen Männer machen diese Erfahrung regelmäßig, wenn sie mit ihrer Partnerin intim werden. Bei ihnen kommt es zu einem vorzeitigen Samenerguss. Obwohl diese sexuelle Funktionsstörung sehr häufig auftritt, wird von den betroffenen Männern meistens kaum darüber gesprochen. Von den Folgen aber sind nicht nur die Männer, sondern auch ihre Partnerinnen betroffen.

Vom vorzeitigen Samenerguss spricht man, wenn die drei folgenden Kriterien erfüllt sind. Zum einen die sehr kurze Zeitspanne von maximal ein bis zwei Minuten zwischen Einführen des Penis in die Vagina bis zur Ejakulation, zweitens die mangelnde Kontrolle der Männer über die Ejakulation und drittens Frustrationen sowie ein hoher Leidensdruck in der Partnerschaft.

Auf welch vielfältige Weise beide Partner von den Folgen des vorzeitigen Samenergusses betroffen sind, hat eine europaweite Studie untersucht. Die „PE Confidential“- Studie, die im April auf dem Europäischen Urologenkongress in Barcelona vorgestellt wurde, befragte über 4500 Menschen aus neun europäischen Ländern, darunter etwa 900 Männer mit vorzeitigem Samenerguss und 900 betroffene Partnerinnen. Die Ergebnisse sind beeindruckend.

So empfindet fast die Hälfte aller Männer den vorzeitigen Samenerguss als Versagen und hat Schuldgefühle. Über ein Drittel fühlt sich deswegen deprimiert. Auch das Selbstbewusstsein ist beeinträchtigt: Knapp 60 Prozent der Männer mit vorzeitigem Samenerguss erleben ihr Sexualleben weniger selbstsicher, bei 25 Prozent ist das Selbstbewusstsein auch jenseits des Schlafzimmers angeschlagen. Doch auch auf die Partnerinnen wirkt sich der vorzeitige Samenerguss des Mannes aus. Über 40 Prozent von ihnen sind insgesamt unzufrieden mit ihrem Sexualleben. Auch Frustrationen kommen sehr häufig vor (siehe Interview hier).

Es ist dabei nicht nur die kurze Dauer des Liebesaktes allein, die zur Unzufriedenheit der Partnerin beiträgt. Vielmehr sind es die langfristigen Folgen einer unbefriedigenden Sexualität, die den Frauen zu schaffen machen: Da der Mann seine Ejakulation nicht willentlich steuern kann, kann er auch nicht auf die individuellen Wünsche seiner Partnerin eingehen. Der Geschlechtsverkehr richtet sich nach dem Prinzip „Wie lange haben wir Zeit“ und nicht nach dem „Wie mögen wir es“. Individualität und Genuss bleiben auf der Strecke.

Die Studie, an der auch das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e.V. (ISG) beteiligt war, hat darüber hinaus den Einfluss des vorzeitigen Samenergusses auf die Partnerschaft untersucht. Etwa ein Viertel aller Partner und Partnerinnen empfinden Spannungen in der Beziehung. 27 Prozent der Männer befürchten, dass ihre Partnerin sie nicht mehr liebt. Und 20 Prozent aller Männer und Frauen glauben, dass die Partnerschaft daran zerbrechen könnte.

Der vorzeitige Samenerguss tritt häufig bereits ab der Pubertät oder dem ersten sexuellen Kontakt auf. Der Mechanismus der Ejakulation ist bei allen Männern grundsätzlich gleich. Allerdings kommt es bei Männern, die von der Störung betroffen sind, viel schneller zum Samenerguss. Diese Männer vergleichen ihren Kontrollverlust über die Ejakulation mit Niesen: Sie spüren, dass es kommen wird, können aber nichts tun, um es zu stoppen. Wie das Niesen ist auch der Samenerguss eine Reflexreaktion, die vom Gehirn und vom Nervensystem kontrolliert wird, und die, sobald sie ausgelöst ist, nicht mehr aufzuhalten ist.

Der Grund, warum manche Männer sexuell schneller erregbar sind, ließ sich noch nicht vollständig klären. Früher wurden rein psychische Ursachen vermutet. Heute wissen die Ärzte, dass die Störung körperlich bedingt sein kann und mit dem Neurotransmitter Serotonin zusammenhängt. Die Kontrolle über den Orgasmus ist von der Kommunikation des Gehirns mit tiefergelegenen Zentren in Hirnstamm und Rückenmark abhängig, bei denen das Serotonin entscheidende Signale vermittelt. Wissenschaftler haben kürzlich Veränderungen in einem Gen entdeckt, das für die Kontrolle dieser Signalübertragung verantwortlich ist und mit vorzeitiger Ejakulation in Verbindung stehen könnte. Mit Medikamenten kann man den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen und den Männern dadurch eine bessere Kontrolle ermöglichen.

Neben der medikamentösen Therapie kann der vorzeitige Samenerguss auch durch bestimmte Übungen und Verhaltenstechniken wirksam behandelt werden. Trotzdem scheuen viele Männer und Frauen das Gespräch in der Partnerschaft oder den Weg zum Arzt. Laut der „PE Confidential“-Studie haben über die Hälfte der betroffenen Männer noch nie mit jemandem über die Störung gesprochen. Das gilt auch für 70 Prozent der Partnerinnen. Und fast ein Viertel der Männer glaubt, dass gegen den vorzeitigen Samenerguss nicht getan werden kann.

Desto wichtiger ist es, den ersten Schritt zum Urologen oder Hausarzt zu gehen. Denn er kann den vorzeitigen Samenerguss erfolgreich behandeln. Auch wenn es zunächst etwas Überwindung kosten sollte: Gehen Sie zum Arzt und sprechen Sie mit ihm – allein oder zu zweit. Denn nur auf diesem Weg kann ein unbeschwertes und erfülltes Liebesleben wieder in die Partnerschaft zurückkehren – und damit auch Selbstbewusstein, Zufriedenheit und Glück.

Mit freundlicher Unterstützung der Janssen-Cilag GmbH

Selbsthilfegruppen Erektionsstörungen (ED) / Impotenz

 

Selbsthilfegruppe „Erektile Dysfunktion (Impotenz)“, München.

Die Gruppe trifft sich an jedem 2. Montag im Monat von 20 bis 22 Uhr im Raum 3 des Selbsthilfezentrums München (SHZ, www.shz-muenchen.de), Westendstr. 68, 80339 München.

ISG-Selbsthilfegruppe Erektionsstörungen, Essen.

Die Essener Gruppe trifft sich an jedem 1. Donnerstag im Monat von 19 bis 21 Uhr im 6. Obergeschoss, Raum 4, des Marienhospitals Altenessen, Hospitalstraße 64, 45329 Essen.

ISG-Selbsthilfegruppe Erektionsstörungen, Stuttgart.

Die Gruppe trifft sich an jedem 2. Donnerstag im Monat von 19.45 bis 21.45 Uhr im Raum 3 der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS,www.kiss-stuttgart.de), Tübinger Straße 15, 70178 Stuttgart.

ISG-Selbsthilfegruppe Erektionsstörungen, Berlin.

Die Gruppentreffen finden an jedem 3. Freitag im Monat um 19 bis 21 Uhr im Raum 1005 von SEKIS (www.sekis-berlin.de), Albrecht-Achilles-Str. 65, 10709 Berlin statt.

ISG-Selbsthilfegruppe Erektionsstörungen, Köln. Die Gruppentreffen der Kölner finden an jedem 2. Donnerstag im Monat von 19 bis 21 Uhr statt. Treffpunkt ist im „Gesundheitsladen Köln“, Venloer Str. 46, 50672 Köln (www.gesundheitsladen-koeln.de).

ISG-Selbsthilfegruppe Erektionsstörungen, Hamburg.

Die Gruppe trifft sich an jedem 2. und 4. Dienstag im Monat in Wandsbeck. Informationen bei KISS Selbsthilfetelefon 040/39 57 67 oder per E-Mail an shg-ed-hh@gmx.de

ISG-Selbsthilfegruppe Erektionsstörungen, Hannover.

Die Gruppe trifft sich an jedem 2. Montag im Monat von 18 bis 20 Uhr im Freizeitheim Ricklingen, Ricklinger Stadtweg 1, 30459 Hannover

Aktuelle Informationen zu den Gruppen und den lokalen Ansprechpartnern erhalten Sie bei Günther Steinmetz (Tel.: 08142/590424, per E-Mail an gs@isg-info.org oder bei der ISG-Infoline (0180/555 84 84 [14 ct/min aus dem Festnetz, max. 42 ct/min Mobilfunk])

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