REISE-LUST

Sommernachtsphantasien

Die Künstlergruppe „Red Corridor“ zeigt vom 30. Juli bis zum 13. Oktober 2007 in Fulda eine abwechslungsreiche Ausstellung zum Thema Sommernacht. Darunter sind zahlreiche erotische Werke

Was verbinden wir mit einer Sommernacht? Lagerfeuer und Gitarre und Händchenhalten unter sternenklarem Himmel? Grillengezirpe, Glühwürmchen und Grillgeruch? Rosenduft, Zärtlichkeit und kühlen Wind auf schweißfeuchter Haut? Sinnliche Phantasien sind es auf jeden Fall, die allein schon das Wort „Sommernacht“ in uns aufsteigen lassen. Die Künstler der Gruppe Red Corridor haben sich von ihren ganz eigenen Assoziationen zu diesem Thema inspirieren lassen. Das Ergebnis ist eine abwechslungsreiche und sehr unterhaltsame Ausstellung, die derzeit in der gemeinsamen „Gallery“ der Gruppe in Fulda gezeigt wird.

„Red Corridor“, das sind die Künstler Rudi Neuland, Joanna Skurska und Leszek Skurski, die in gemeinsamen Räumen einen kreativen Dialog wagen. Authentisch, ehrlich und niemals gefällig wollen sie sein. Und so haben sich die drei auch dem romantischen Thema „Sommernachtsphantasien“ genähert. Viele ihrer Bilder und Objekte sind, wie zu erwarten, erotisch aufgeladen – wenn auch oft in ganz überraschender Form. Da sind etwa die textilen Skulpturen der polnischen Künstlerin Joanna Skurska. Aus farbigen Drähten entwirft sie Objekte, die in der Luft schweben, an den Wänden hängen oder auf Podesten liegen. Es sind poetisch anmutende Kleidungsstücke oder eigentlich eher Dessous. Denn ihre Formen sind sehr weiblich und figurbetont. Gleichzeitig sind sie sehr fein und in alle Richtungen durchsichtig – denn sie sind leere Hüllen. Die Körper, die sie ausfüllen sollten, fehlen. Doch gerade dadurch gewinnen die sonderbaren drahtigen Dessous so etwas wie ein Eigenleben. Joanna Skurska erbringt den Beweis, wie reizvoll und wie erotisch es sein kann, allein mit der Form den Inhalt anzudeuten. Auch im Werk von Rudi Neuland steht die abstrakte Darstellung des menschlichen Körpers im Mittelpunkt. Der Künstler hat für diese Ausstellung eine Serie von Fahnen geschaffen, auf denen Menschen zu sehen sind, die wie angedeutet wirken. Mit ihren auf das Wesentliche reduzierten Gesichtszügen wirken sie nach innen gerichtet, konzentriert auf ihre Stimmungen oder Emotionen. Diese Eindrücke werden untermalt von Worten des Dichters Pablo Neruda. Zu hören sind Zitate aus seinem poetischen Werk, vor allem Liebesgedichte, die in diesem Zusammenhang etwas glühend Romantisches und sehr Leidenschaftliches verkörpern.
Der dritte Künstler der Gruppe Red Corridor, Leszek Skurski, widmet sich in einer Bilderserie der erotischen Pose im Wandel der Zeiten. Er hat Frauen in sehr in hellen pastellartigen Farben gemalt. Man ist erinnert an die Pin-ups, wie sie in Kriegsoder Nachkriegszeiten an die Wände geheftet wurden. Zu sehen sind mehr oder weniger bekleidete Frauen. Mal stehen sie im Minirock mit Gewehr vor einer Kaserne, mal fahren sie im tief dekolletierten wehenden Kleid auf einem Fahrrad. Die Erotik ist in diesen Bildern eher angedeutet – ganz so, wie es in den Zeiten der strengen Zensurregelungen üblich war. Der Betrachter wird sich bewusst, wie sehr sich unser erotischer Blick in der heutigen Zeit der Bilderfluten verändert hat.
Als Gast hat Red Corridor außerdem die in Polen lebende Künstlerin Gosia Krakowiak zu dieser Ausstellung eingeladen. Auf ihren leuchtend farbigen Gemälden scheint das Figürliche zu verschwimmen, zu verschmelzen: im Dunkel der Nacht, im leeren azurblauen Raum, unter einem Sonnenschirm oder vor einem gitterartigen Gebilde. Immer wieder sind es zwei Menschen, die Vereinigung von Mann und Frau, der Liebesakt, der hier in unterschiedlichen Positionen zur Darstellung gelangt. Die Details sind undeutlich, so dass auch hier die Vorstellung gefragt ist: Der Betrachter wird zu eigenen Visionen herausgefordert. So unterschiedlich die Stile der einzelnen Künstler sind – es ist doch ein gemeinsames Thema ersichtlich. Immer wieder kreisen die Werke um die Liebe und den Eros. Hat nicht schon Picasso gesagt, Kunst könne „niemals keusch“ sein? Die Werke der Künstlergruppe Red Corridor sind dies gewiss nicht. Ohne Prüderie werden Versuchung und Vereinigung, Liebe, Leidenschaft und Lust ins Bild gesetzt. Diese Ausstellung lädt zum Schlendern und Träumen ein. Und vielleicht finden Sie sie ja so inspirierend, dass Sie sich auf dem Heimweg Ihren ganz eigenen Sommernachtsphantasien hingeben…

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