Gefälschte Arzneimittel: Die unterschätzte Gefahr

Mit gefälschten Medikamenten machen Produktpiraten jährlich Milliardenumsätze. Wer Billigarzneimittel aus dem Ausland oder über das Internet bezieht, gefährdet seine Gesundheit

Piraten, das wissen wir spätestens seit dem Kinohit „Fluch der Karibik“, sind wilde und doch edle Kerle, die die Reichen beklauen und die Armen verschonen. Und auch der legendäre Hamburger Pirat Klaus Störtebecker gilt bis heute als eine Art Robin Hood der Meere. Die Freibeuter der Jetztzeit werden diesem Image leider nicht mehr gerecht. Produktpiraten spielen im Welthandel zwar Jahr für Jahr eine größere Rolle – besonders rühmlich ist diese allerdings nicht. Denn bereichern wollen jene so genannten „Warenfälscher“ nur sich selbst. Ihre Opfer sind neben großen Konzernen auch ahnungslose Privatleute – und nicht selten sogar die Ärmsten der Armen.

Ob Elektroartikel, Kleidung, Schuhe oder DVDs: Vermutlich existiert kaum ein hochwertiges Markenprodukt, das nicht schon viele Male gefälscht wurde. Auf 500 Milliarden Euro schätzt der deutsche Industrie- und Handelstag (DIHK) den Umsatz, der Jahr für Jahr weltweit mit gefälschten Produkten erzielt wird. Einen besonderen Boom erlebt in den letzten Jahren der Handel mit nachgemachten Medikamenten. Allein an den EU-Grenzen wurden im vergangenen Jahr 800.000 falsche Arzneimittel sichergestellt. Inzwischen müsse man davon sprechen, dass die Gesundheit der Bürger bedroht sei, meint der verantwortliche EU-Kommissar Lázló Kovács. Gefunden wurde so ziemlich jede Art von Medikament, von nachgemachten Antibiotika über Cholesteroltabletten bis hin zu Krebsmitteln. Dennoch ist ein eindeutiger „Spitzenreiter“ der Fälscher auszumachen: Kein anderes Präparat wurde so oft nachgeahmt wie Viagra. Inzwischen gehört das Potenzmittel zu den 15 am häufigsten beschlagnahmten Produkten. Immer wieder entdecken Zollfahnder auf einen Schlag zehn-, manchmal sogar hunderttausende der gefälschten blauen Pillen. Wer sie erwirbt, muss damit rechnen, sein Geld für einen Placebo auszugeben: Eine Studie der Weltgesundheitsorganisaiton (WHO) ergab, dass nur fünf Prozent der gefälschten Medikamente die richtige Rezeptur enthalten.

Potenzmittel sind von Produktpiraterie besonders betroffen. Fast 60 Prozent der von der WHO beschlagnahmten Fälschungen enthielten keinerlei Wirkstoffe, in 19 Prozent fand sich eine falsche Menge. 16 Prozent der Fälschungen wurden völlig falsche Wirkstoffe zugesetzt. (Foto linke Seite) ©ABDA

60 Prozent sind wirkungslos, 35 Prozent enthalten zu wenige oder falsche Wirkstoffe.

Die WHO vermutet, dass ein Großteil der Produktpiraten in Asien ansässig ist. Allein 2003 wurden in China 1300 illegale Laboratorien geschlossen. Aber auch Indien ist ein Land, in dem zahlreiche Giftküchen vermutet werden. In vielen asiatischen, osteuropäischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern haben die minderwertigen und oft gefährlichen Arzneimittel längst ihren Weg in die Apotheken gefunden. Dass sie nebenbei auch unter der Hand vertrieben werden, versteht sich. Für die Käufer sind diese Tabletten nicht selten lebensgefährlich: Niemand weiß, wie viele Menschen bereits gestorben sind, weil sie statt eines lebensrettenden ein wirkungsloses oder sogar giftiges Medikament schluckten. In vielen Produkten steckt nichts als Backpulver oder Zement, in anderen fanden Analysten sogar Frostschutzmittel.

Wer als Tourist in einem der besagten Länder sein gewohntes Medikament zu einem sensationellen Preis angeboten bekommt, sollte also lieber die Finger davon lassen. Auch bei Billiganbietern aus dem Internet sollte man nicht bestellen: Nicht selten versuchen Fälscher aus dem Ausland auf diesem Wege, ihre Erzeugnisse nach Deutschland einzuschleusen. Risiken birgt auch der Kauf so genannter Re-Importe, bei denen (angeblich) deutsche Tabletten aus dem Ausland billiger bestellt werden können. Tatsächlich bieten derartig verschlungene Handelswege Fälschern die Möglichkeit, ihre Erzeugnisse in einen unübersichtlich gewordenen Markt einzuschleusen. Wer sicher gehen will, dass in seiner Blisterpackung auch das drin steckt, was draufsteht, sollte also weiterhin in normalen Apotheken den normalen Preis bezahlen und möglichst auch Re- Importe meiden. Wer eine Fernreise plant, sollte daran denken, sämtliche benötigten Präparate aus Europa mitzunehmen. Denn hier ist die Echtheit der Präparate durch zahlreiche Sicherungsmaßnahmen geschützt: Längst hat sich in Deutschland ein ganzer Wirtschaftszweig gebildet, der für die Unverfälschtheit der hier vertriebenen Medikamente Sorge trägt. Die Echtheit der Verpackungen wird durch Strichcodes, aufwändige Hologramme oder speziell entwickelte DNS-Codes gesichert. Sogar die Bundesdruckerei ist, als Spezialist für Fälschungssicherheit, auf diesem Sektor tätig.

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