Die doppelte Versuchung

Im neuen Film von Woody Allen muss ein smarter Tennislehrer zwischen Leidenschaft und süßem Leben wählen. Am Ende entscheidet der Zufall über sein Leben

Keine Frage: Woody Allen kommt langsam in die Jahre, das merkt man auch seinen Filmen an – und zwar durchaus im positiven Sinne. In „Matchpoint“ nimmt sich der Altmeister die Freiheit, mal ganz ungewohnte Wege zu gehen. Das Spielen überlässt er komplett einer Crew jüngerer Schauspieler. Der Schauplatz des Streifens ist nicht mal nicht New York, sondern London. Und die Handlung verzichtet weitgehend auf tragikkomische Momente. Stattdessen philosophiert Allen altersweise darüber, wovon unser aller Schicksal abhängt – vom Glück nämlich. Gleich in der ersten Einstellung sehen wir einen Tennisball für einen Sekundenbruchteil auf der Netzkante verharren. Auf welcher Seite er zu Boden fallen wird, kann auch nun niemand mehr beeinflussen. Und doch kann ausgerechnet ein solcher Ball ein hart umkämpftes Match entscheiden ...

Dieses Gesetz des Zufalls bestimmt auch den Rest unseres Lebens, meint Allen und exerziert dies – sinnigerweise – an der Story eines Tennislehrers durch. Der ehrgeizige Amerikaner Chris Wilton (Jonathan Rhys Meyers) will um jeden Preis in die feine Londoner Gesellschaft aufsteigen. Gutes Aussehen und ein charmantes Auftreten führen ihn schon bald mit Chloe (Emily Mortimer) zusammen. Die Heirat mit der Tochter eines reichen Firmenbosses ist für Chris die Eintrittskarte zum erträumten Luxusleben.

Doch natürlich ist Woody Allen nicht völlig von seinem Konzept abgewichen. Plötzlich mischt auch in dieser Geschichte die Liebe mit. Oder ist es nur die Leidenschaft seines Lebens, der Chris in Person der schönen Nola (Scarlett Johansson) begegnet? Auch sie träumt von einem Leben in der Upper-Class, hat aber bei ihren Heiratsversuchen weniger Glück. Stattdessen wird sie die Geliebte von Chris, der ihr sexuell völlig verfallen ist. Für Chris beginnt ein zerrissenes Leben. Rastlos hastet er zwischen seinem Job, den obsessiven Treffen mit Nola und einer verlogenen Eheidylle hin und her, und man ahnt bald: Das geht nicht lange gut. Am Ende fällt Chris mit brutaler Entschlossenheit eine Entscheidung zwischen Reichtum und Leidenschaft – und ist doch nicht selbst seines Glückes Schmied. Denn auch der Zufall hat noch ein Wörtchen mitzureden ...

Es ist ein zynisches Menschenbild, mit dem Woody Allen uns konfrontiert. Wunderschöne Bilder und hervorragende Schauspieler sorgen dafür, dass wir trotzdem gut unterhalten werden. Nicht zuletzt deshalb, weil „Matchpoint“ auch ein erotischer Film ist. Schon lange wurde sexuelle Begierde nicht mehr so geschmackvoll und fesselnd in Szene gesetzt. Wenn Nola und Chris willenlos ins Kornfeld sinken, springt der Funke bis zum Zuschauer über. Mit einer Ausstrahlung, die an Marilyn Monroe denken lässt, spielt Johansson die erotische und doch einsame Schönheit, die letztendlich an ihrer Liebe zerbricht.

Wir meinen: Ein Streifen, der gehörig zum Nachdenken anregt – aber nicht nur dazu ...

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