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Die (Sehn-)Sucht nach Sex

Heute stellen sich Selbsthilfe-Organisationen vor, die sich eines speziellen Phänomens unserer Konsum- und Kommunikationsgesellschaft angenommen haben, der Sucht nach Sex. Ob mit ständig neuen Sexualpartnern, auf stets extremere Art, in immer höherer Frequenz oder als extreme Form der Selbstbefriedigung, zunehmend anonym via Telefonsex oder Internetpornographie, wer von der Sexsucht betroffen ist, gerät unter einen enormen Leidensdruck und benötigt professionelle Hilfe.

Was dem einen Lust ist, ist dem anderen Leid – Sexsucht oder Sexaholismus sind die neudeutschen Wörter für das suchtartige Phänomen einer ins Maßlose gesteigerten Lust auf Sex. Die eigene Sexualität gerät zum Zwang. Der sexuelle Hunger jedoch bleibt ungestillt und treibt den Sexaholiker – wie die Betroffenen sich selbst nennen – erneut in die Sucht.

Ausgelebt wird die Sexsucht direkt oder auch indirekt über Internet oder Telefon (Online-Sex). Die Kosten und auch hohe Verschuldungen geraten zur Nebensache. Geradezu wahllos werden Möglichkeiten wahrgenommen und sogar initiiert, um die Sucht zu befriedigen, wie z. B. das Ansprechen von fremden Personen auf der Straße. Weiterhin riskieren die Betroffenen nicht nur ihre Gesundheit (z. B. AIDS), sondern vernachlässigen auch ihr Privat- und Berufsleben.

Die Partnerschaft wird durch das unkontrollierte Verhalten der Betroffenen in Frage gestellt. Echte Nähe findet nicht statt. Sexualität existiert losgelöst von persönlichen (Liebes-)Gefühlen, emotionaler Bindungsfähigkeit und beständiger Partnerschaft. So wird der Sex-Partner auch willkürlich gewechselt, der Süchtige bleibt unverbindlich. Mit-Betroffene geben an, dass ihre sexsüchtigen Partner zunehmend sexuelle Funktionsstörungen hätten und den „normalen Sex“ nicht mehr als lustvoll erleben würden.

Auf den ersten Blick sind die Sexsüchtigen Täter, denn sie benutzen andere für ihre „Lust“. Doch genauer betrachtet sind sie Opfer ihrer eigenen emotionalen Defizite und persönlichen Schwierigkeiten. Ursachen hierfür können sowohl psychische Störungen unterschiedlicher Art sein als auch traumatisierende Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend.

Im Verlauf fordert die Sexsucht permanent neue und intensivere Reize ein, während die „Sehn-Sucht“ jedoch unbefriedigt bleibt. Allein finden die Sexsüchtigen aus dieser Abwärtsspirale kaum noch heraus. Helfen kann eine professionelle Verhaltenstherapie: die Betroffenen lernen, den suchtauslösenden Mechanismus zu verstehen und automatisiertes Verhalten zu durchbrechen. Eine zeitweise Abstinenz bzw. „Sexnüchternheit“ lässt den Süchtigen die „echte“ Sexualität wieder als stimulierend und lustvoll erleben.

Das Ziel der Anonymen Sexaholiker ist die sexuelle Nüchternheit. Der Zwanghaftigkeit soll nicht weiter unkontrolliert nachgegeben und Sexualität in dem konstruktiven Rahmen einer beständigen Partnerschaft gelebt werden. Das Heilungs-Konzept der Anonymen Sexaholiker basiert auf dem Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker – daher die verwandte Bezeichnung –, welches eine höhere spirituelle Macht definiert. Dieses Programm beinhaltet zwölf Thesen, welche grundsätzlich die Sucht, genauer die eigene Ohnmacht anerkennen und auf eine höhere, heilende Macht vertrauen. Neuen Mitgliedern wird ein Mentor zur Seite gestellt, der durch die ersten „Schritte“ leitet.

Speziell für Online- und Telefonsex-Süchtige wurde 2007 die HSO gegründet, Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige. Die HSO ist ein über das Internet organisierter Verein, welcher kompetente Beratung für alle Betroffenen anbietet. Auch Familienangehörige, Partner und andere Co-Abhängige sind ausdrücklich eingeladen, sich bei der HSO zu melden, denn die Sexsucht gefährdet unweigerlich die zwischenmenschlichen Beziehungen. Diese sind eine wichtige und wertvolle Basis für die an der „Liebessucht“ Leidenden. Kann gegenseitiges Verständnis füreinander geschaffen werden, ist viel gewonnen. Die Verantwortung für sich selbst sollte jedoch bei den Betroffenen bleiben und nicht von der Familie, dem Partner oder Freunden übernommen werden. Das führt in der Regel zu ungesunden Co-Abhängigkeiten, die als kontraproduktiv gelten.

Weitere Informationen zu den Anonymen Sexaholiker können unter: AS Deutschland, Postfach 1262, 76002 Karlsruhe, Telefon 0175-7925113 bestellt werden. Unter www.anonyme-sexsuechtige.de ist das 12-Schritte-Genesungsprogramm verfügbar; zusätzlich eine kartographische Darstellung aktueller Meetings in ganz Deutschland. Die Bundesgeschäftsstelle des Vereins HSO ist unter Kottmeierstr. 12, 21614 Buxtehude oder unter www.HSO2007.dezu erreichen. Die Online-Süchtigen bieten unter www.onlinesucht.de Hilfe an.

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