Vibrator auf Rezept?

Jede zweite Frau und auch jeder zweite Mann in den USA nutzen beim Geschlechtsverkehr Vibratoren. Dabei entfaltet das Sex-Spielzeug nicht nur luststeigernde, sondern auch vielfältige andere gesundheitsfördernde Effekte, wie zwei aktuelle epidemiologische Studien zeigen.

 

Der eher ländlich und katholisch geprägte US-Bundesstaat Indiana besitzt ein "Zentrum zur Förderung sexueller Gesundheit" (Center for Sexual Health Promotion). Gleich mit zwei Studien machten sich Wissenschaftler dieses Zentrums daran, das Intimleben der US-Amerikaner genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Forscher wollten damit unter anderem eine lange beklagte Datenlücke schließen. Obwohl US-amerikanische Ärzte ihren Patienten den Einsatz von Vibratoren zur Luststeigerung empfehlen, ist bislang nicht bekannt, wie viele denn tatsächlich vom "penisförmigen Sexspielzeug" (Wikipedia) Gebrauch machen. Eine ganze Menge, wie nun heraus kam. 53% der Frauen und 45% der Männer der rund 3.000 zufällig Befragten gönnt sich den Extrafinger. "Der Vibratorengebrauch ist nichts ungewöhnliches und ist verbunden mit einer positiven Sexualfunktion wie Lust und bequemem Orgasmus", so die Studienautorin Debby Herbenick. Wenn der Dildo zum Einsatz kam, gab es auch mehr Lust, Erregung, Feuchte und Höhepunkte. Unerwünschte Nebenwirkungen waren dagegen selten.

 

Dass auch Männer solche Anhänger dieses Lusthelfers sind, hatte aber selbst die Wissenschaftler erstaunt. Homo- oder heterosexuelle Männer fanden übrigens gleich viel Gefallen am "kleinen Kumpel". Neun von zehn heterosexuellen Männern setzten das Sexspielzeug beim Vorspiel mit der Partnerin ein. Im Vergleich zu den Dildo-abstinenten Männern waren die Dildo-Nutzer viriler, zufriedener, orgasmischer und sexuell standhafter. Zudem benahmen sie sich gesundheitsbewusster und führten beispielsweise häufiger Hodenselbstuntersuchungen durch. Die Frage, ob der Dildo sexuell glücklicher macht, oder ob sexuell glücklichere Menschen eher zum Dildo greifen, lassen die Studien allerdings unbeantwortet.

Dass sich die beiden in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlichten Publikationen wie ein Loblied auf den Olisbos - so nannte man den Dildo im 6. Jahrhundert v. Chr. - anhören, könnte auch am Studiensponsor liegen: dem Kondom- und Sexualprodukte-Hersteller Trojan. Der kam soeben mit einem Miniaturvibrator auf den Markt, den er folgendermaßen bewarb: "Deine Klitoris ist traurig, fühlt sich schlecht behandelt und ist es leid ignoriert zu werden? Jetzt naht Hilfe!" (Quelle: gynäkologie & geburtsthilfe, fah)