
Nicht nur Hitzewallungen und Schlafstörungen machen Frauen in den Wechseljahren zu schaffen – viele leiden auch unter sexuellen Störungen. Kann hier eine hormonelle Behandlung Abhilfe schaffen?
Veränderungen in der Sexualität, eine verminderte Libido, oft auch in Kombination mit genitaler Trockenheit und Dyspareunie erschweren vielen Frauen in Peri- und Postmenopause das Leben. Dabei gelten als Hauptprädiktoren für die sexuelle Funktion in der Postmenopause das vorherige Niveau der sexuellen Funktion in der Prämenopause, Veränderung im Partnerstatus und Gefühle für den Partner. Doch inwieweit hängt auch der Östrogenspiegel mit den Problemen zusammen?
Im Hinblick auf vaginale Trockenheit scheint die Sache klar: Schon lange ist die Bedeutung adäquater Östrogenspiegel für die vaginale Gesundheit und die Vorbeugung einer Dyspareunie bekannt. Und während nur eine Minderheit jüngerer Frauen unter dieser Trockenheit leidet ist jede zweite Frau drei Jahre postmenopausal von dem Problem betroffen. Eine konventionelle systemische und / oder lokale Östrogenbehandlung kann diesen Patientinnen helfen, östrogenmangelbedingte vulvovaginale Probleme zu bekämpfen und die sexuelle Funktion wiederherzustellen. Stehen allerdings Libidoprobleme im Vordergrund, reicht eine Östrogensubstitution allein oft nicht aus. Denn für die Entstehung von Erregung und Lust scheinen Östrogene eher eine indirekte Rolle zu spielen. So sollen die Hormone z.B. das Ansprechen auf sexuelle Stimuli im Zentralnervensystem überhaupt erst ermöglichen.
Männliches für Frauen
Die Zugabe von Testosteron zu einer konventionellen Hormontherapie kann daher sinnvoll sein – in einer Vielzahl von Studien zeigten sich hierbei günstige Effekte auf die sexuelle Funktion von Frauen in der Postmenopause. Und im 2006 kaum auch das erste Androgenpräparat für Frauen auf dem Markt. Das 300 µg/Tag freisetzende Testosteronpflaster ist allerdings bisher nur für Patientinnen zugelassen, bei denen eine chirurgisch bedingte Menopause besteht (nach Hysterektomie oder Adnexektomie), die unter HSDD („hypoactive sexual desire disorder“) leiden und schon mit Östrogenen behandelt werden.
Was kann DHEA?
Einen weiteren vielversprechenden Ansatz – zumindest für die Behandlung postmenopausaler vaginaler Symptome – zeigen Studien zum lokalen Einsatz von DHEA (Dehydroepiandrosteron). Hierbei handelt es sich um ein Prohormon, das im Körper in eine Reihe biologisch aktiver Steroide, u. a. in Testosteron und Östradiol, umgewandelt werden kann. Erste Daten legen nun nahe, dass eine lokale Behandlung mit DHEA eine Option bei Scheidentrockenheit bzw. Atrophie werden könnte. Für eine systemische DHEA-Therapie bei sexuellen Funktionsstörungen allgemein ist die wissenschaftliche Grundlage dagegen weniger gut; die wenigen Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Letztendlich wird in vielen Fällen eine kombinierte Therapiestrategie – hormonell und nicht hormonell – erforderlich sein, um der Patientin mit ihren individuellen Problemen zu helfen.







