Männliche Unfruchtbarkeit (Infertilität)

Was genau ist Infertilität?

Wenn es bei regelmäßigem, ungeschützten Geschlechtsverkehr (1-2 mal/Woche) innerhalb eines 1 Jahres zu keiner Schwangerschaft kommt, liegt eine Infertilität des Paares vor. Bei einem gesunden Paar ist bei regelmäßigem, ungeschützten Geschlechtsverkehr innerhalb von 6 Monaten in etwa 65%, binnen 12 Monaten in 85% eine Schwangerschaft zu erwarten. Das weibliche Alter ist dabei von entscheidender Bedeutung. Bei Frauen unter 25 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus bei 15% und fällt bei Frauen über 35 Jahre auf 5% pro Zyklus.

 

Wie viele Paare sind ungewollt kinderlos?

Etwa 10-20% aller Paare bleiben ungewollt kinderlos. In Deutschland sind davon jährlich etwa 600.000 Paare betroffen. Durch die veränderte Stellung der Frau in der Gesellschaft ist in den letzten 20 Jahren das Alter der Frau, in welchem ein Kinderwunsch besteht, deutlich gestiegen, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sinkt.

 

Was sind die Ursachen?

Eine Infertilität kann angeboren oder erworben sein. Zu etwa 50% liegt die Ursache beim weiblichen Partner, zu 30% beim männlichen und zu 20% bei beiden Partnern. Eine Infertilität kann beim Mann durch eine Verminderung der Spermienanzahl, durch eine Einschränkung der Spermienbeweglichkeit sowie eine Spermienfehlbildung bedingt sein. Ursachen hierfür sind Störungen der hormonellen Regulation der Spermienproduktion, Hodengewebeschä- den, Infektionen der Samenwege, Medikamente, Krampfadern des Samenstrangs und Verschlüsse der Samenwege.

 

Was kann man bei einer Infertilität tun?

Voraussetzung für eine sinnvolle Behandlung der männlichen Unfruchtbarkeit ist ein ausführliches Gespräch und die Untersuchung bei einem Spezialisten (Urologe, Androloge). Insbesondere geben Untersuchungen der Hoden, der Samenwege, der Samenflüssigkeit (mehrfach) und der Hormonwerte im Blut Hinweise auf die Ursache einer Unfruchtbarkeit. Nur bei der Kenntnis der Ursachen der Unfruchtbarkeit kann eine optimale Behandlung erfolgen. Die Behandlung der Unfruchtbarkeit sollte immer an dem Wunsch des Paares, ein Kind zu haben, ausgerichtet sein. Hierbei sind insbesondere die Möglichkeiten des Paares und die Bereitschaft zu oft langwierigen und auch medizinisch aufwendigen technisierten Verfahren zu berücksichtigen. In der Regel werden die Kosten heute für solche zum Teil teure Behandlungen von den gesetzlichen Krankenkassen nur noch teilweise übernommen. Besprechen Sie mit Ihrem Spezialisten alle Möglichkeiten einer Behandlung Ihrer Erkrankung.

 

Gibt es eine medikamentöse Behandlung der Infertilität?

Es gibt viele Medikamente, denen eine positive Wirkung auf die Samenqualität zugesprochen wird. Keine dieser Wirkungen ist eindeutig belegt und erprobt. Die einzige sinnvolle medikamentöse Behandlung ist die antibiotische Therapie einer Samenwegsinfektion.

 

Was kann man bei einer verminderten Spermienanzahl und -beweglichkeit tun?

Die Ursachen für eine verminderte Beweglichkeit und Anzahl der Spermien sind u.a. Schäden des Hodengewebes, Infektionen der Samenwege und Krampfadern des Samenstrangs (Varikozele). Infektionen der Samenwege sollten nach dem Nachweis der Erreger und deren Empfindlichkeit mit Antibiotika behandelt werden. Hierzu ist oft eine länger dauernde medikamentöse Behandlung nötig. Die Behandlung einer Varikozele (Verödung, operative Unterbindung) erhält die Samenqualität zum Zeitpunkt der Behandlung, in einigen Fällen kommt es zu einer Verbesserung. Bei Schäden des Hodengewebes sollten reproduktionsmedizinische Maßnahmen durchgeführt werden.

 

Was kann man bei einem Fehlen von Spermien tun?

Ein Fehlen von Samenzellen kann durch einen Verschluss der Samenwege oder durch einen Hodengewebeschaden bedingt sein. Ein Hodengewebeschaden wird durch eine kleine Gewebeentnahme aus dem Hoden festgestellt und kann in unterschiedlicher Ausprägung vorliegen. Finden sich bei dieser Untersuchung einzelne Samenzellen, können diese tiefgefroren und für reproduktionsmedizinische Maßnahmen verwendet werden.

 

Was kann man bei einem Verschluss der Samenwege tun?

Ein Verschluss der Samenwege kann angeboren oder erworben sein. Er kann durch Entzündungen oder Operationen der Samenwege entstehen. Der Verschluss kann zwischen dem Hoden und der Einmündung des Samenleiters in die Harnröhre liegen. Eine operative Beseitigung eines solchen Verschlusses führt in Abhängigkeit von der Ursache in 40% - 90% zu einer Normalisierung der Samenqualität.

 

Was sind Spermienantikörper?

Die Samenflüssigkeit wird vom Immunsystem des Körpers als fremd angesehen. Kommt es zu einem Kontakt von Samenflüssigkeit und Immunsystem (Operationen, Entzündungen) richtet der Körper Antikörper gegen die Spermien, was hauptsächlich zu einer Einschränkung der Beweglichkeit der Spermien führt. Wesentlich sind die Antikörper in der Samenflüssigkeit und nicht im Blut. Nicht in jedem Falle führen diese Antikörper zu einer Unfruchtbarkeit. Bei einer Unfruchtbarkeit und erhöhten Antikörpern gegen Spermien in der Samenflüssigkeit kann eine gezielte Planung von Geschlechtsverkehr und Eisprung, eine medikamentöse Behandlung (Unterdrückung des Immunsystems) oder reproduktionsmedizinische Maßnahmen zu einem Erfolg führen.

 

Was sind reproduktionsmedizinische Maßnahmen?

Reproduktionsmedizinische Maßnahmen sind Verfahren, bei denen die Samenzellen unter optimierten Bedingungen an die Eizelle der Frau gebracht werden. Dies kann durch eine spezielle Behandlung der Samenflüssigkeit erfolgen, welche die Konzentration der Spermien und deren Beweglichkeit steigert. Diese Samenzelle werden zum Zeitpunkt des Eisprungs in die Gebärmutter gebracht. Ebenso können einzelne Samenzellen unter künstlichen Bedingungen an oder in die Eizelle gebracht werden. Die befruchtete Eizelle wird dann in die Gebärmutter zurückgegeben.

 

Kann es vererbbare Schäden nach der Behandlung der Infertilität geben?

Ein erhöhtes Risiko einer Fehlbildung bei Kindern nach einer Behandlung einer Infertilität ist nicht bekannt. Einzelne seltene angeborene Erkrankungen, die beim Mann zu der Unfruchtbarkeit führen, können durch eine Behandlung der Infertilität an die Nachkommen weitergegeben werden. Besprechen Sie mit Ihren Spezialisten ein mögliches Risiko von vererbbaren Krankheiten und Fehlbildungen. Er kann Sie im Einzelfall beraten, ob eine genetische Beratung und Untersuchung sinnvoll ist.

 

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