Gesundheit
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Wenn der Tumor wiederkommt

Gerade bei einer Krebserkrankung der Eierstöcke sind Rückschläge keine Seltenheit. Glücklicherweise stehen auch dann verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Auswahl

Das sogenannte Ovarialkarzinom ist eine Tumorerkrankung der Eierstöcke. Es ist in der westlichen Welt die dritthäufigste gynäkologische Krebserkrankung der Frau. Trotz guter Behandlungs-möglichkeiten kommt es häufig zu einem Wiederauftreten. Dr. Marco Battista, Oberarzt an der Universitätsfrauenklinik Mainz, erklärt, welche Behandlungsoptionen Patientinnen in einem solchen Fall zur Verfügung stehen und welche Chancen und Risiken sie bergen.

 

Geschieht es häufig, dass ein Ovarialkarzinom erneut auftritt? In welchem Zeitraum müssen Patientinnen verstärkt damit rechnen?

 

Bedauerlicherweise erleben etwa zwei Drittel aller Patientinnen eine Wiederkehr des Ovarialkarzinoms. In der Regel geschieht dies in den ersten zwei bis fünf Jahren.

 

Welche Therapieformen stehen Betroffenen in einem solchen Fall zur Verfügung? Kommt es vor, dass sie zwischen verschiedenen Optionen auswählen können?

 

Grundsätzlich wird beim Wiederauftreten eine Chemotherapie durchgeführt. Hier gibt es eine Fülle von Variationsmöglichkeiten. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte wägen zwischen verschiedenen Faktoren ab und wählen die geeignete Therapie im Gespräch mit der Patientin aus.

 

Kommt es auch vor, dass nochmals operiert wird? Wovon hängt dies ab?

 

Solche Eingriffe sind sehr aufwendig und risikobehaftet. Außerdem stellen sie nur dann einen Vorteil für die Patientin dar, wenn der Tumor komplett entfernt werden kann. Wir operieren deshalb nur Patientinnen, die eine sehr robuste Konstitution haben und körperlich fit sind. Weitere Bedingung ist, dass der Tumor beim ersten Auftreten komplett entfernt werden konnte. Die Patientin sollte außerdem kein Bauchwasser(Aszites) haben, da wir dies als Zeichen eines Rezidivs auffassen, welches im gesamten Bauchraum verteilt und damit nur schwer komplett zu entfernen ist. Mit anderen Worten: Nur wenn der Tumor örtlich klar umgrenzt ist, kann die Operation Erfolg bringen.

 

Wovon hängt es ab, ob nochmals eine Chemotherapie empfohlen werden kann?

 

In der Regel sind die Patientinnen bei der ersten oder zweiten Wiederkehr des Karzinoms noch so fit, dass eine Chemotherapie durchgeführt werden kann. Allerdings entscheidet sich jede fünfte Patientin gegen eine erneute, maximal effektive Chemotherapie.

 

Gibt es auch andere, neuartige Methoden der Behandlung? Wie sehen sie aus und für wen sind sie geeignet?

 

Neben den klassischen platinhaltigen Kombinationschemotherapien gibt es auch eine gut verträgliche platinfreie Kombination aus Trabectedin und pegiliertem liposomalem Doxorubicin (PLD) für die Behandlung eines platinsensiblen Ovarialkarzinomrezidivs. Trabectedin ist eine DNA-bindende Substanz. Ursprünglich wurde sie aus der im Meer lebenden Seescheide gewonnen, mittlerweile wird sie synthetisch hergestellt.

 

Die antiproliferative Wirkung von Trabectedin beruht vermutlich hauptsachlich darauf, dass Trabectedin die Bindung anderer Proteine an die DNA behindert. Dadurch kann Trabectedin das Fortschreiten von Tumoren verlangsamen, indem es in den Zellzyklus eingreift und so Krebszellen daran hindert, sich zu vermehren. Im Weiteren finden sogenannte „PARP Inhibitoren“ Anwendung. Dies ist eine Gruppe von Arzneistoffen, die dem Enzym Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP) entgegenwirken und so verhindern, dass Krebszellen nach der Behandlung wieder aktiv werden können.

 

Diese Inhibitoren werden mittlerweile allen Patientinnen angeboten, bei denen zwischen abgeschlossener Chemotherapie und der Wiederkehr des Ovarialkarzinoms ein ausreichend großer zeitlicher Abstand liegt. Mittlerweile schon ein „alter Hut“ ist der Wirkstoff Bevacizumab, der vor sechs Jahren die Therapie grundlegend revolutioniert hat. Dieser Antikörper gegen die Gefäßneubildung ist wesentlich besser verträglich als die übliche Chemotherapie.

 

Auf welche wissenschaftlichen Fortschritte in der Therapie des Ovarialkarzinoms hofft die Fachwelt in der Zukunft?

 

Wir hoffen auf weitere Medikamente, die zielgerichtet wirken – also lediglich die Tumorzellen attackieren. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, dass unser Verständnis von Krebserkrankungen an den Eierstöcken ständig wächst. Mittlerweile wissen wir zum Beispiel, dass es verschiedene Unter-formen des Ovarialkarzinoms gibt, bei denen sich die Entstehung teilweise deutlich voneinander unterscheidet. Der Idealfall wäre, für jede Gruppe Medikamente zu entwickeln, die passgenau und effektiv arbeiten, ohne dabei die gesunden Zellen der Patientin zu schädigen.

 

Vielen Dank für das Interview Herr Dr. Battista!

 

 

 

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