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Behandlung ohne Arztgespräch?

Die Online-Praxis „DrEd“ bietet Männern mit Potenzstörung Diagnose und Rezeptversand via Internet an – eine riskante Praktik, wie Fachärzte meinen

Eine medizinische Behandlung, ohne dass Arzt und Patient ein direktes Wort wechseln -

 

so etwas hat es in Deutschland bisher nicht gegeben. Die Online-Praxis „DrEd“ hat dieses Neuland betreten: Von London aus bietet ein Ärzteteam Behandlung, Diagnose und Rezeptversand via Internet an – und zwar gezielt bei urologischen und gynäkologischen Problemen, die für vielen Menschen einen hohen Schamfaktor haben, wie z.B. Potenzstörungen, Geschlechtskrankheiten oder Haarausfall. Ein Angebot, das denkbar niedrigschwellig ist – für den Patienten aber mit Mängeln und Risken einhergeht, wie Dr. Christan Leiber, Urologe an der Universtätsklinik Freiburg meint: „Das rein schriftliche Kommunizieren per Internet ist sehr statisch und lässt keinen Raum für spontanes Nachfragen. Ich würde mich als Arzt unwohl fühlen, meine Diagnose nur aufgrund der schriftlichen Angaben in einem Formular zu stellen“, so der Facharzt, der sich als Vorstand des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit (ISG e.V.) seit vielen Jahren für eine bessere Aufklärung und Behandlung sexueller Störungen starkmacht.


Insbesondere bei der Online-Behandlung erektiler Dysfunktion sieht der Freiburger Urologe Gefahren: „Gerade bei der Verordnung potenzsteigernder Medikamente gibt es zahlreiche Kontra-Indikationen“, sagt Dr. Leiber. Sprich: Fehlt dem Arzt der Überblick über den Gesundheitszustand seines Patienten, kann die Verordnung eines Potenzmittels lebensgefährlich werden – das Risiko trägt in diesem Fall der Besucher der Online-Praxis. Zudem kann die erektile Dysfunktion auf unentdeckte aber behandlungsbedürftige Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, einen gestörten Fettstoffwechsel oder auch psychologische Probleme hindeuten, die online kaum komplett abzuklären sind.

In der Tat sind auch Praxisbesuche für betroffene Patienten nicht immer zufriedenstellend. Oft bleibt zu wenig Zeit, um komplexe Zusammenhänge einer sexuellen Störung ausführlich zu diskutieren, so Dr. Leiber.  Patienten, die bei einem solchen Praxisbesuch enttäuscht worden seien, gehörten zweifellos zu den Kandidaten für die Online-Mediziner – neben all jenen, denen ihr Problem schlicht zu peinlich ist, um es von Angesicht zu Angesicht mit einem Arzt zu besprechen.
Welche Risiken es mit sich bringt, wenn Patienten sich aus Scham oder Enttäuschung mehr und mehr dem Internet zuwenden, zeigt auch der wachsende Anteil gefälschter – und deshalb überaus gefährlicher Potenzmittel –, die über diesen Kanal vertrieben werden. „Wer potenzsteigernde Mittel ohne Rezept über das Internet bestellt, hat keine Ahnung, was er da eigentlich schluckt“, sagt Dr. Christian Leiber.



Das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit will Alternativen zu diesem gefährlichen Trend bieten. Mit seiner „Kampagne Fälschungssicher“ ( www.faelschungs-sicher.de ) – und einer soliden, anonymen Beratung: „Wir vom ISG wissen, wie wichtig ein niedrigschwelliges Beratungsangebot bei sexuellen Probleme ist“, so der Urologe. Bester Beweis dafür sei die rege Nutzung der ISG-Infoline, einer kostenlosen und nicht-profitorientieren Telefonsprechstunde zu allen sexuellen Fragen, die der Verein seit vielen Jahren anbietet. „Wer sich mit dem Besuch beim Urologen schwertut, oder sich einfach erst einmal informieren will, findet bei uns fachkundige, Ansprechpartner und eine ausführliche Beratung. Wer so gut informiert einen Gynäkologen oder Urologen aufsucht, kommt mit der Situation gleich viel besser zurecht“, so Dr. Leibers Erfahrung.

 

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