Lese-Lust

Die Erotik des Alltags

Die neue Buchreihe Anais ist etwas Besonderes: Dort erzählen Frauen für Frauen erotische Geschichten, wie sie das Leben schreibt

Der Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf hat seit langem ein Faible für Lust und Liebe. Zu diesem Thema sind bereits Dutzende Bücher herausgekommen. Sie reichen vom Erfahrungsbericht einer Prostituierten oder einem Handbuch zur Onanie bis zur „Kunst der weiblichen Dominanz“. Zu den aktuellen Neuerscheinungen gehört etwa ein Bildband über das Model Dita von Teese, die für kunstvolle Dessous-Fotos in Retro-Optik bekannt ist.

Doch im Laufe der Jahre geschah es immer wieder, dass Schwarzkopf & Schwarzkopf als erklärter Sachbuchverlag Romane oder Erzählungen ablehnen musste, die man eigentlich gerne herausgebracht hätte. Deshalb wurde nun ein Projekt gestartet, das innerhalb des Programms etwas Besonderes ist: Die Buchreihe ANAIS präsentiert sinnliche Geschichten von jungen Frauen, die die Leserinnen mal leicht und verspielt, mal selbstbewusst und dominant in die Welt der Erotik einführen. Denn die Zielgruppe sind eindeutig Frauen.

Der Name der Reihe geht auf Anais Nin (1903-1977) zurück. Die Schriftstellerin wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren erotischen Tagbüchern und dem erotischen Roman „Das Delta der Venus“ berühmt. In einer Zeit, als die Thematik für Frauen noch als höchst unschicklich galt, setzte Anais Nin sich bereits offen mit ihrer Sexualität auseinander.

„Mich hat interessiert, wie man heute über Sex schreiben kann – nicht so verschwurbelt und klischeehaft, wie es das meistens gibt“, sagt Jennifer Hirte, die ANAIS-Programmleiterin. Die Reihe wurde entwickelt, um in Sachen erotischer Literatur nicht immer wieder zu den gleichen Klassikern greifen zu müssen. Angestrebt sind realistische Geschichten, die im Alltag verankert sind und mit deren Heldinnen die Leserinnen sich identifizieren können.

Jennifer Hirte war deshalb wichtig, dass die Protagonistinnen der Bücher ganz normale Menschen sind. „Es muss nicht biographisch sein, was die Frauen erzählen, aber authentisch“, sagt sie. Die jungen deutschen Autorinnen hat der Verlag zumeist selbst entdeckt und gefördert. Wie zum Beispiel die Berlinerin Rebecca Martin und ihr Buch „Frühling und so“, das die Reihe mit drei anderen Titeln eröffnet hat: Hier erlebt ein 18-jähriges Mädchen eine Reihe erotischer Abenteuer. Mal verführt sie, mal gibt sie sich hin – ganz wie ihr gerade zu Mute ist.

Doch bei ANAIS sind auch die härteren Spielarten der Sexualität Teil des Programms. Im Buch „Spieler wie wir“ von Cornelia Jönsson etwa deklinieren zwei junge Frauen aus Berlin-Kreuzberg mit wechselnden Partnern und Partnerinnen nahezu alle Konstellationen sadomasochistischer Erotik durch. „Was alle Bücher der Reihe verbindet“, sagt Jennifer Hirte, „ist das Selbstverständliche der Sexualität – die Frauen entschuldigen sich für nichts“. Erlaubt ist alles, was Spaß macht. Mit einer Grenze allerdings: Pornographie und Obszönität haben im Anais-Programm keinen Platz.

Auch Übersetzungen ausländischer Bücher bringt Anais heraus. Besonders am Herzen liegen Jennifer Hirte aber natürlich die jungen deutschen Autorinnen, mit denen sie zusammenarbeitet. Ein weiteres Beispiel ist Tanja Steinlechner. In ihrem erotischen Großstadtroman „Wahrheit oder Lüge“ treffen sich fünf Frauen zum Champagner- Picknick im Park und erzählen nach und nach ihre intimsten Erlebnisse. Ob sie wahr oder erfunden sind, bleibt offen. Das kann die Leserin für sich entscheiden.

Und was ist, wenn Männer zu den ANAISBüchern greifen? Jennifer Hirte: „Ich hoffe, dass viele von ihnen auch für sexuell selbstbewusste Frauen offen sind.“

Titelauswahl aus dem ersten Programm der neuen Buchreihe ANAIS – Lust und Literatur. Alle Titel finden Sie unter www.anais.de

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