Was ist ein Penisimplantat?

Penisimplantate sind Systeme aus unterschiedlichen Kunststoffen. Es gibt einteilige (nur Zylinder), zweiteilige (Zylinder mit Pumpe) und dreiteilige (Zylinder, Pumpe und Flüssigkeitsbehälter) Penisimplantate. Feste oder auffüllbare Zylinder werden in die beiden Schwellkörper des Penis durch einen kleinen operativen Eingriff eingebracht. Bei auffüllbaren (hydraulischen) Penisimplantaten wird zusätzlich eine Pumpe zwischen den beiden Hoden im Hodensack implantiert bzw. ein Flüssigkeitsbehälter in den unteren Bauchraum eingebracht.

Induratio penis plastica

Was ist die Induratio penis plastica?

Die Induratio penis plastica (IPP) ist eine Erkrankung des Penis, bei der sich im Bereich der Schwellkörperaußenhülle (Tunica albuginea) meist bindegewebige und ggf. auch verkalkende Knoten (Plaques) bilden können. Diese können dann bei einer Erektion zu Einziehungen des Penis und/oder unterschiedlich ausgeprägten Penisverkrümmungen (Deviationen), die meist nach oben, seltener zur Seite und ganz selten nach unten zeigen, führen. Bei jedem dritten Patienten tritt im Laufe der Erkrankung eine Erektionsstörung auf.

Im angloamerikanischen Sprachraum und der heute überwiegend englischsprachigen Fachliteratur heißt die Erkrankung nach ihrem wissenschaftlichen Erstbeschreiber (François Gigot de la Peyronie [1678-1747]) Morbus Peyronie oder Peyronie’s disease. Abzugrenzen ist die IPP von den angeborenen (kongenitalen) Penisverkrümmungen, die vor allem bei jungen Männern festgestellt werden. Diese verlaufen ohne Plaquebildung und führen bei Erektion meist zu einer Penisverkrümmung nach unten, seltener zur Seite und ganz selten nach oben. Die Häufigkeit der angeborenen Peniskurvatur ist mit < 1 % selten.

Wie häufig tritt die Erkrankung auf?

Über die Häufigkeit der IPP liegen in der wissenschaftlichen Literatur unterschiedliche Angaben vor. Die Angaben schwanken von 0,4 % bis zu fast 9 % aller Männer. Am häufigsten tritt die Erkrankung bei Männern zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr auf. Ein gehäuftes Auftreten der IPP wird bei Männern mit anderen bindegewebigen Narbenbildungen z. B. an den Fingersehnenscheiden der Handinnenflächen (Morbus Dupuytren) oder seltener an der Fußsohle beobachtet. Bekannte Risikofaktoren für die IPP sind: Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, ischämische Kardiomyopathie, Erektionsstörungen, Rauchen und ein überhöhter Alkoholkonsum.

Welches sind die typischen Symptome?

Zu Beginn der Erkrankung bemerken die Patienten meist eine knotige Verhärtung im Bereich des Penisschaftes, die vor allem bei einer Erektion Schmerzen verursachen kann. Bei einigen Patienten sind die Schmerzen anfänglich auch im Ruhezustand vorhanden. Teilweise wird als Erstsymptom eine Penisverkrümmung festgestellt. Bei ca. 30% aller Patienten kommt zusätzlich zu der Penisverkrümmung noch eine erektile Dysfunktion (Erektionsstörung) hinzu. Diese kann in einigen Fällen sehr ausgeprägt sein. Viele Männer sind durch die Induratio penis plastica erheblich beeinträchtigt. Laut Standard-Fragen bögen zur Erfassung von depressiven Symptomen erfüllen bis zu 48 % aller Patienten mit IPP die Voraussetzungen einer leichten bis moderaten Depression.

Wodurch entsteht diese Erkrankung?

Obwohl die Erkrankung seit mehr als 300 Jahren bekannt ist, sind ihre genauen Ursachen bis heute nicht geklärt. Als wahrscheinlichste Ursache gilt eine initiale Verletzung (Trauma) oder auch mehrfache Mikroverletzungen im Bereich der Schwellkörperaußenhülle (Tunica albuginea). Es kommt dann anschließend aus bisher nicht bekannter Ursache im Rahmen der eigentlich notwendigen Reparaturvorgänge zu einer überschießenden und ungehemmten Bindegewebsbildung (Plaque). Die deutlich höhere Festigkeit bzw. fehlende Elastizität dieses Bindegewebes führt dann zu einer entsprechenden Verkrümmung bei der Erektion.

Wie ist der natürliche Verlauf der Erkrankung?

Üblicherweise können zwei Phasen der Erkrankung unterschieden werden: Zuerst findet die akute, entzündliche Phase der IPP statt. Hier sind oft Schmerzen in Ruhe und bei Erektionen vorhanden. Meist beginnt hier auch die Penisverkrümmung. In der zweiten Phase (= fibrotische, chronische Phase) kommt es zu einer Stabilisierung mit Stillstand der Entzündung und Fibrosierung bzw. teilweise auch Verkalkung des Plaques. Die Peniskurvatur ändert sich dann nicht mehr. Bei 30 – 50 % aller Patienten kommt es im Verlauf zu einer Verschlechterung der Peniskurvatur, bei 47 – 67 % findet keine weitere Veränderung mehr statt. Spontane Besserungen sind nur bei 3 – 13 % aller Männer mit IPP beschrieben. Die bei fast 50 % aller IPP-Patienten anfänglich vorhandene Schmerzsymptomatik lässt innerhalb von 12 Monaten bei 90 % aller Patienten nach. Eine maligne Entartung, d. h. die Entstehung eines bösartigen Tumors (Krebs), wurde bisher im Zusammenhang mit einer Induratio penis plastica noch nie beobachtet!

Welche medikamentösen Therapieansätze gibt es?

Da die Ursache der Erkrankung letztendlich ungeklärt ist, gibt es auch keine ursächliche Behandlung. Es gibt eine Vielzahl von Substanzen, die zur Behandlung der IPP eingesetzt werden. Teilweise werden die Präparate in Tablettenform gegeben, teilweise erfolgt die Gabe als Injektion in und um die Verhärtung (= intraläsional). Zum Teil werden Substanzen auch topisch, d. h. von außen, angewendet. Bei der Behandlung in Tablettenform spielt Kalium-Paraaminobenzoat (Potaba®) eine wesentliche Rolle. Es konnte in einigen Studien einen Rückgang der Schmerzsymptomatik und eine Verhinderung der weiteren Zunahme der Penisverkrümmung zeigen. Das Medikament zeichnet sich allerdings durch eine schlechte Verträglichkeit aus. Die Gabe von hochdosiertem Vitamin E oder dem Anti-Östrogen Tamoxifen wird wegen fehlender Effektivität und potentiell gefährlichen Nebenwirkungen von den aktuellen Leitlinien (Europäische Urologenvereinigung = EAU) nicht mehr empfohlen.

Der Nutzen der oralen Einnahme von L-Carnitin, Pentoxyfillin und Cholchicin ist auch fraglich. Bei der intraläsionalen Injektion von 2 Kollagenasen aus Clostridium histolyticum [Xiapex®] handelt es sich um die einzige sowohl von der amerikanischen (FDA) als auch der europäischen (EMA) Gesundheitsbehörde zugelassenen Substanz. Zusätzlich zu den mehrfachen Injektionen ist ein regelmäßiges Modellieren des Penis entgegen der bestehenden Verkrümmung notwendig. So kann in 50 % aller Fälle eine durchschnittliche Abnahme der Verkrümmung um 30° erreicht werden. Lokale Nebenwirkungen (= Blutergüsse, Schwellungen, Schmerzen) sind häufig. Schwerwiegende Nebenwirkungen wie eine Penisfraktur (= Riss der Tunica albuginea) sind dagegen äußerst selten. Für die Injektion von anderen Substanzen wie z. B. Kortison, Verapamil oder Interferon liegen bisher nur unzureichende Daten für eine grundsätzliche Empfehlung vor.

Was kann durch eine lokale Stoßwellenbehandlung (ESWT) bzw. Strahlentherapie oder die Verwendung von Penis-Streck-Apparaten erreicht werden?

Der exakte Wirkungsmechanismus der extrakorporalen Stoßwellentherapie bei der IPP ist nicht geklärt. Wissenschaftliche Studien konnten bisher nur eine Reduktion der Schmerzsymptomatik, aber keine Verbesserung der Peniskurvatur zeigen. Daher wird die ESWT von den aktuellen Leitlinien auch nur zur möglichen Verbesserung der Schmerzen empfohlen.

Die Strahlentherapie bei der IPP hat keine überzeugenden Behandlungserfolge vorweisen können. Sie wird daher nicht mehr empfohlen. Mit Penisstreck-Apparaten und Vakuumpumpen können bei sehr häufiger und regelmäßiger Anwendung Verbesserungen der Peniskurvatur und ein gewisser Längenzuwachs des Penis erreicht werden. Dies kommt aber sicher nur für sehr motivierte Patienten in Frage.

Welche operativen Behandlungsverfahren gibt es?

Voraussetzung für eine operative Korrektur bei der IPP ist ein mindestens 6-monatiger Stillstand der Erkrankung, d. h. keine weitere Zu- oder Abnahme der Penisverkrümmung. Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Operationsverfahren. Bei der ersten Variante wird auf der gesunden Gegenseite eine Verkürzung vorgenommen. Dies kann entweder durch nicht-resorbierbare Nähte  oder eine oder mehrere Keilexzisionen erfolgen. Nachteil dieser Methode ist eine relative Penisverkürzung. Beim zweiten Verfahren wird die Verhärtung im Schwellkörper eingeschnitten oder entfernt und der entstandene Defekt mit Fremd- oder Eigengewebe gedeckt.

Bei diesen Methoden ist die Komplikationsrate höher als bei einer alleinigen Begradigungsoperation. Sie sollten grundsätzlich nur in ausgewiesenen Zentren durchgeführt werden. Die geltenden Leitlinien der Europäischen Urologenvereinigung (EAU) empfehlen bei einer Penisverkrümmung von weniger als 60° die erste Variante, bei einer Kurvatur von mehr als 60° sollte die zweite Variante angewendet werden.

Bei gleichzeitigem Vorliegen einer IPP und einer ausgeprägten Erektionsstörung ist die Implantation eines semirigiden oder besser hydraulischen Penisimplantats die Methode der Wahl. Hierdurch kann sowohl die Penisverkrümmung als auch die Erektionsstörung erfolgreich behandelt werden.

Wie funktioniert ein Penisimplantat ?

Bei biegsamen (semirigiden) Penisimplantaten ist das Glied dauerhaft versteift und kann für eine Erektion nach oben gebogen werden. Auffüllbare (hydraulische) Penisimplantate gleichen am ehesten einer normalen Erektion. Wird eine Erektion gewünscht, wird über die Pumpe Flüssigkeit in die beiden Zylinder im Schwellkörper gepumpt, wodurch sich diese in Umfang und Länge (bei bestimmten Modellen) ausdehnen und so den Penis versteifen. Durch Drücken des Ablassventils im Hodensack kann die Flüssigkeit aus den Zylindern wieder in den Flüssikeitsbehälter (das Reservoir) zurückfließen, der Penis erschlafft.

 

Warum ein Penisimplantat?

Bei einer schweren ED, bei der das Schwellkörpergewebe zerstört ist und nicht mehr auf Medikamente anspricht, lässt sich nur noch durch ein Penisimplantat eine Erektion erzeugen. Ein Penisimplantat ist auch dann eine Option, wenn andere Behandlungsformen mit Nebenwirkungen verbunden sind oder Anwendungsprobleme bestehen.

 

Welche Art von Penisimplantat ist das Beste?

Biegsame (semirigide) Penisimplantate versteifen den Penis dauerhaft. Sie sind sehr einfach zu implantieren und preisgünstig. Technische Defekte sind sehr selten. Auffüllbare (hydraulische) Penisimplantate kommen der normalen Erektion am nächsten, wobei die dreiteiligen auffüllbaren Prothesen die derzeit besten Implantate sind. Diese Implantate sind technisch anspruchsvoller und deutlich teurer als biegsame Implantate. Auffüllbare Implantate sind beim Sport oder in der Sauna nicht zu erkennen, kommen dem natürlich versteiften oder erschlafften Zustand des Gliedes am Nächsten und besitzen eine sehr hohe Akzeptanz bei beiden Partnern.

 

Wie wird ein Penisimplantat eingebracht?

Im Rahmen einer Operation werden über einen kleinen Schnitt am Hodensack oder oberhalb des Penis die Zylinder in die beiden Schwellkörper eingebracht. Bei auffüllbaren Penisimplantaten wird über denselben Schnitt die Pumpe in den Hodensack und der Flüssigkeitsbehälter in den unteren Bauchraum neben die Harnblase gebracht. In der Regel ist ein Krankenhausaufenthalt von 4 – 5 Tagen notwendig.

 

Wie kommt es zu einer Erektion?

Bei biegbaren Implantaten erfolgt die Erektion durch ein Aufstellen des Gliedes. Bei auffüllbaren Implantaten wird durch die Pumpe Flüssigkeit in die Zylinder gepumpt, die sich so versteifen und zu einer für einen Geschlechtsverkehr ausreichenden Erektion führen. Eine Blutfüllung der Eichel erfolgt bei dieser Behandlung nicht, tritt aber trotzdem häufig bei sexueller Erregung auf.

 

Wie lange hält eine Erektion an?

Die Erektion durch ein Penisimplantat kann beliebig lange aufrechterhalten werden. Nach dem Geschlechtsverkehr strömt mittels Betätigen des Ablassventils die Flüssigkeit aus den Zylindern zurück in das Reservoir, so erschlafft der Penis wieder vollständig.

 

Wann kann ich ein Penisimplantat nach der Operation benutzen?

Etwa 6 Wochen nach der Operation ist das Implantat vollständig eingeheilt und kann benutzt werden. Auffüllbare Penisimplantate werden in den ersten 4 – 6 Wochen nach der Operation zunächst nicht befüllt, um einen ausreichend großen Raum für den Flüssigkeitsbehälter zu schaffen. Danach werden die Patienten in der Bedienung durch den Arzt unterwiesen. Es kann in Einzelfällen unter Umständen bis zu einem Jahr nach der Operation dauern, bis sich wieder ein normales Orgasmusgefühl einstellt.

 

Wie lange ist ein Penisimplantat haltbar?

Penisimplantate sind prinzipiell unbegrenzt haltbar. Treten keine technischen Defekte, Infektionen oder Wanderungen des Implantates nach außen auf, braucht ein Penisimplantat nicht entfernt oder ausgetauscht werden.

 

Was für Nebenwirkungen gibt es bei einem Penisimplantat?

Sollte es zu einem Defekt des Penisimplantats kommen, können die gesamte Prothese oder defekte Einzelteile ausgetauscht werden. Kommt es doch zu einer Infektion, ist es nötig, das Implantat zu wechseln oder vollständig zu entfernen. In seltenen Fällen können die Zylinder eines Penisimplantats durch die Wand der Schwellkörper hindurchtreten und durch die Haut oder die Harnröhre nach außen kommen. In einem solchen Fall muss dieser Defekt verschlossen, ggf. das Implantat entfernt werden. Extrem selten treten Allergien auf den verwendeten Kunststoff auf.

 

Gibt es Nebenwirkungen für den Partner?

Nebenwirkungen für den Partner sind nicht bekannt. Ein auffüllbares Penisimplantat ist von außen optisch nicht zu erkennen.

Wie kann ich ein Penisimplantat erhalten?

Penisimplantate sollten nur durch Spezialisten eingebracht werden. Mit Ihrem Urologen und Operateur sollten Sie die Vor- und Nachteile der verschiedenen Implantate vor einer Operation ausführlich besprechen. Penisimplantate werden von den Firmen AMS und Coloplast angeboten und stehen in verschiedensten Größen zur Verfügung.

 

Zahlen die Kassen ein Penisimplantat?

Grundsätzlich werden die Kosten für biegbare und auffüllbare (hydraulische) Penisimplantate (inklusive der stationären Behandlung) von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

  • Rat und Tat per Telefon
  • Unterstützen Sie uns

    Möchten Sie unsere Arbeit mit einem Geldbetrag unterstützen?
    Unsere Beratung und Infomaterialien sind für alle kostenlos. Ihre Spende hilft, dass das so bleibt.
    Spenden Sie 10,- , 15,- oder 25,-  Euro, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können.
    Natürlich können Sie auch einen individuellen Betrag spenden.
    Vielen Dank!

  • Newsletter abonnieren
  • Magazin

Facharztsuche

Suchen Sie einen Facharzt in Ihrer Nähe?

Ort / Postleitzahl

Bitte wählen Sie eine Facharztrichtung