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Sexsucht - das Bett als Doping?

 

Wenn Leistungs- und Suchtdruck im Bett auftreten

Durch Prominente wie Jörg Kachelmann, Tiger Woods oder David Duchowny wird momentan sehr viel über das Phänomen Hypersexualität, im Volksmund „Sexsucht“ gesprochen.

„Wer von dem Störungsbild "Sexsucht" betroffen ist“, so PD Dr. med. Michael M. Berner, Vorstand des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit (ISG) e.V. und Chefarzt der Rhein-Jura Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Bad Säckingen, „setzt Sex oft ein, um negative bzw. depressive Gefühlszustände abzuwenden oder übermäßigen Stress abzureagieren. Denn Sex führt zu positiven bzw. belohnenden Gefühlsreaktionen.“ Die Sexsucht kann sich auch in Form von übermäßigen Internetgebrauch, Cybersex, Pornografiekonsum oder Telefonsex äußern. Sex als Dopingmittel, um im Alltag besser zurecht zu kommen? Immer häufiger wenden sich Betroffene an einen Psychiater wie Dr. Berner, denn: “Die Betroffenen haben weitgehend keine Kontrolle über dieses Verhalten der Sexsucht und geraten zunehmend -auch durch entsprechende Reaktionen aus ihrem persönlichen Umfeld - unter Leidensdruck. Mittels Verhaltenstherapie und ggfls. auch medikamentöser Behandlung kann die Sexsucht unterbrochen werden und ein neuer adäquater Umgang mit Sexualität erarbeitet werden.“

Aber es gibt zu Sex als Dopingmittel auch die umgekehrte Variante. Wer im Bett nicht mehr „seinen Mann steht“, der greift immer häufiger zu leistungssteigernden Mitteln. Nicht nur Männer mit Erektionsstörungen nehmen Potenzmittel ein, auch zunehmend jüngere und gesunde Männer fühlen sich mit Potenzmitteln offenbar leistungsfähiger. Hier kommen die potenzfördernden und verschreibungspflichtigen Medikamente Viagra, Levitra und Cialis zum Einsatz. Eine deutsche Arbeitsgruppe zeigte auf, dass in den Abwässern von Fitness-Studios bis zu 100-fach höhere Konzentrationen z.B. von Sildenafilcitrat, welches in Viagra enthalten ist, nachgewiesen werden konnten, im Gegensatz zum normalen kommunalen Abwasser aus Privathaushalten. Dieser Trend lässt sich sicher auch auf die leichte Verfügbarkeit dieser Medikamente im Internet zurückführen. Doch all diese Medikamente haben auch mögliche Neben- und Wechselwirkungen. Aus diesem Grund sollte vor der Einnahme der Potenzmittel unbedingt eine Untersuchung und Aufklärung durch einen Arzt erfolgen, der dann auch ein Rezept ausschreiben kann.

Das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit (ISG) empfiehlt, das Rezept nur bei zertifizierten Apotheken einzulösen. Denn wer sich das Mittel im Internet beschafft, erhält selten das Original. Die „European Alliance for Safe Medications“ zeigte 2008, dass von den für eine Studie untersuchten Apothekenwebsites 95,6% illegal arbeiteten. 94% der Webseiten hatten keinen benannten verantwortlichen Apotheker. Über 90% der Webseiten lieferten verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept, bei keiner Stichprobe wurden Originalpräparate verschickt. Wer also im Internet bestellt, muss damit rechnen, dass die Pillen zu wenig oder zu viel Wirkstoff und im schlimmsten Fall sogar Lösungsmittel oder giftige Substanzen enthalten, die die Gesundheit gefährden können.

Wer sicher sein will, dass drin ist, was drauf steht, kann sich an die auf Wunsch anonyme und neutrale Infoline des ISG unter 0180 555 84 84 wenden. Wer glaubt, von einer Sexsucht betroffen zu sein, erhält bei der Infoline auch erste Hilfestellungen sowie Adressen von Therapeuten aus dem ISG Expertenpool.


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