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Wie Mann sich im Alter neu entdeckt

Warum Älterwerden eine Herausforderung – und zugleich eine einzigartige Chance...

 

Eckart Hammer bekommt in letzter Zeit viel Post. Oft fangen die Briefe so an: „Als mir meine Frau neulich Ihr Buch hinlegte ...“ In dem Buch geht es um Männer, die älter werden, und Eckart Hammer hatte es anfangs nicht leicht mit dem Manuskript. „Das Thema verkauft sich nicht“, bekam der Professor an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg von mehreren großen Verlagen zu hören.

Inzwischen scheint es, als hätten die Verleger einen Trend verschlafen. Der Titel ist in der dritten Auflage vergriffen, ein Erfolg, mit dem selbst der Autor nicht gerechnet hatte. „Klar, es sind oft immer noch die Frauen, die das Buch kaufen, weil sie sich um ihre Partner sorgen“, meint Hammer. „Aber neu ist, dass die Männer auf den Zug aufspringen.“

Sie fangen an, über sich nachzudenken, und kaum eine Lebensspanne gibt dafür mehr Anlass als die späten Jahre. Eigentlich taugen Männer wenig fürs Altwerden. Leistung, Härte, Macht, Distanz – zu anderen und auch zu sich selbst: Mit diesen Werten sind die meisten aus der Generation 60 plus groß geworden. „Je weniger ich jemanden um Hilfe bitte, je mehr ich meine Gefühle kontrolliere, je weniger ich auf meinen Körper achte, desto männlicher bin ich“, beschreibt der Bremer Geschlechterforscher Professor Walter Hollstein das überkommene Selbstbild des angeblich starken Geschlechts.

Wer an solchen Idealen klebt, wird mit dem Alter schlecht zurechtkommen. Frauen erweisen sich bisher als das reifere Geschlecht: Sie haben Freundinnen – Männer haben Kollegen. Sie gehen früh zum Arzt – Männer erst dann, wenn es ihnen richtig dreckig geht. Sie haben Wechseljahre – Männer können die Zeichen der Zeit lange ignorieren. Studien zeigen die Folgen: Männer haben mehr Angst vor dem Alter als Frauen, dem Ruhestand sehen sie eher mit Bangen als mit Freude entgegen.

Dabei birgt gerade das Rentenalter für Männer heute eine einzigartige Chance. Frei von beruflichen Lasten und der Rolle des Familienfinanziers, dabei aber körperlich und geistig meist sehr fit, können sie „den Mann in sich abseits traditioneller Vorgaben entdecken“, meint Lothar Böhnisch, Männerforscher und Senior-Professor an der Universität Bozen. Wann ist ein Mann ein Mann? Der Ruhestand erlaubt neue Antworten.

Beispiel Engagement: Gemeinderat, Kirchenvorstand, Sportverein – damit hatte sich das Angebot an Ehrenämtern für Senioren lange Zeit erschöpft. Heute ist die Palette ungleich breiter: Männer übernehmen Patenschaften für Auszubildende aus zugewanderten Familien, lesen Grundschülern vor, machen Hausbesuche bei pflegenden Angehörigen. Und immer öfter pflegen sie auch selbst: In mehr als jedem vierten Fall kümmern sich Ehemann oder Sohn um hilfsbedürftige Familienmitglieder.      

Das soziale Engagement bewegt etwas im Mann. „Er entwickelt Zärtlichkeit, Nähe, Fürsorge, das ist für viele eine ganz neue Erfahrung“, weiß Altersforscher Eckart Hammer aus Interviews mit Betroffenen.

Beispiel Gesundheit: Vier von fünf Frauen, die zum Gynäkologen gehen, fehlt nichts. Sie wollen sich durchchecken lassen. Bei Männern ist das Bild umgekehrt: Vier von fünf Patienten beim Urologen haben ernste Beschwerden, nur 20 Prozent kommen wegen einer Vorsorgeuntersuchung. Männer achten weniger auf ihre Gesundheit – aber sie holen auf. „Da findet auch bei Senioren ein Umdenken statt“, beobachtet der Hamburger Arzt Dr. Frank Sommer, Deutschlands erster Professor für Männergesundheit. „Männer verstehen, dass es um mehr geht als um Penis und Prostata.“ In seiner Vorsorge-Ambulanz berät der Mediziner zu gesundem Essen und dem richtigen Sport, zu starken Knochen und gepflegter Haut. Der älteste Patient ist 89. „Sich um die Gesundheit kümmern“, wirbt Sommer, „ist nicht unmännlich, sondern hält attraktiv.“

Dafür sind Männer zusehends bereit, in die eigene Tasche zu greifen. Seit Jahren steigen die Verkaufszahlen hochwertiger pflanzlicher Prostatapräparate aus der Apotheke, während Billigprodukte schlechter an den Mann zu bringen sind. 26 Prozent der ab 60-Jährigen bevorzugen Naturheilmittel, und die Vorliebe für Bioprodukte ist bei ihnen größer als bei Frauen aus dieser Altersgruppe.  

Beispiel Partnerschaft: Nach dem Ausstieg aus dem Arbeitsleben tut sich eine andere Welt auf. Man kann (und muss) sich neu arrangieren, man bekommt den Rhythmus nicht mehr von außen aufgedrückt – was auch heißt, dass man nicht mehr so leicht vor dem anderen und vor sich selbst davonlaufen kann. Die Wohnung will gemeinsam neu entdeckt, Rollen und Aufgaben ausbalanciert werden. „Was das Lernen von und mit den Frauen angeht“, meint Böhnisch, „sind Ältere offener als jede Generation vor ihnen.“

Ein bisschen also ist es mit 65 oder 70 noch einmal so wie mit 17: Man muss sich als Mann finden. (Quelle: www.gesundheitpro.de)


 

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