Titelthema

Reden ist Gold

 

Obwohl in der Öffentlichkeit kein Thema so viel Interesse weckt wie Sex, wird in der Partnerschaft zu wenig über die eigenen Wünsche gesprochen.

 

Sexualität ist ein spannendes Thema, das jeden interessiert. Wenn man im Fernsehen diverse Talkshows anschaut, gewinnt man schnell den Eindruck, dass es ganz normal ist, sich ungehemmt über das eigene oder das Sexualleben fremder Menschen, über Wünsche, Sorgen und Ängste öffentlich zu äußern. Dabei sieht es im Privaten ganz anders aus: Über die eigenen sexuellen Wünsche offen mit dem Partner zu sprechen, ist für viele Frauen und Männer ein nur schwer überwindbares Hindernis.

 

Doch warum ist das so? Warum fällt es uns so schwer, dem Partner zu sagen, wie es im Bett auch anders oder besser geht? Gemäß dem Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ vermeiden viele Menschen diese Auseinandersetzung mit dem Partner. So bleibt oft nur die Hoffnung, dass dieser früher oder später die Bedürfnisse erkennt, nachfragt oder sich selbst äußert. Nicht selten ist das der Beginn einer großen sexuellen Frustation.

 

Es gibt viele Untersuchungen, die sich mit dem Thema Reden während und nach dem Sex befasst haben, und alle kommen zu dem gleichen Ergebnis: Man redet zu wenig. Laut dem Heidelberger Paartherapeuten Ulrich Clement einigen sich Paare am Anfang ihrer Beziehung sexuell schnell auf einen gemeinsamen Nenner und sind später meist zu gehemmt und verunsichert, um offen über neue erotische Fantasien zu sprechen. Das wiederum führt häufig dazu, dass in einer langen Beziehung irgendwann die sexuelle Intensität nachlässt, obwohl beide Partner das gar nicht wollen.

 

Wenn zu wenig über Sexualität geredet wird, geben sich viele Menschen auf Dauer mit weniger zufrieden, als sie bekommen könnten. Denn sexuell zufrieden ist nur derjenige, dessen unausgesprochenen Wünsche auch erfüllt werden. Eine Studie des Instituts für Psychologie der Universität Göttingen befasst sich mit diesem Thema. Dabei wurden 2330 Paare befragt, welche sexuellen Wünsche die Partner haben und welche sie ihrerseits erfüllen würden, wenn sie ihnen bekannt wären. Das Resultat zeigt, dass der Anteil bisher nicht erfüllter, aber erfüllbarer Wünsche bei den Männern bei 36 % und bei Frauen sogar bei 40 % liegt.

 

Dass sich viele Frauen und Männer nicht trauen, über ihre sexuellen Wünsche zu sprechen, hat laut dieser Studie zwei Gründe. Zum einen ist die Scham groß, sich zu äußern. Zum anderen – und das ist der wesentlich wichtigere Grund – existiert die Angst, dass der Partner die Wünsche ablehnt. Doch woher will man das wissen, wenn man gar nicht erst fragt?

 

Es verlangt allerdings viel Feingefühl, dem Partner zu sagen, dass etwas nicht funktioniert, anders oder besser laufen könnte. Vorwürfe und lautstarke Diskussionen bilden keine gute Basis, um einen tieferen Einblick in die Fantasiewelt des Partners zu bekommen oder von sich selbst zu vermitteln. Deshalb ist es beim Sprechen über Sexualität wichtig, konkret zu bleiben, den Partner zu respektieren und ihm positive Rückmeldungen zu geben.

 

Um das obige Sprichwort abzuwandeln: Beim Reden über die sexuellen Wünsche ist Reden Gold und Schweigen Genussverschwendung. Und denjenigen, die sich weiterhin nicht trauen, sei gesagt: Es muss ja nicht immer nur Reden sein. Die Künste der nonverbalen Verführung sind unausschöpflich.

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