Film

Auf Wolke 9

Der Film „Wolke 9“ von Andreas Dresen erzählt eine wunderbare Beziehungsgeschichte, die vor allem eines zeigt: Liebe und Sex sind keine Frage des Alters

Inge geht auf die 70 zu, aber sie fühlt sich wie 17 – denn sie hat sich verliebt. Eigentlich hätte sie gar nicht gedacht, dass ihr das noch einmal passiert. Schließlich ist sie seit 30 Jahren mit ihrem Mann Werner verheiratet, und die Ehe ist eine glückliche. Inge liebt ihren Mann. Doch jetzt ist sie vor die Entscheidung gestellt, die ihrem Leben noch einmal eine unerwartete Richtung geben könnte: Soll sie bei ihrem Mann Werner bleiben, oder soll sie mit dem bald 80-jährigen Karl ganz von vorn anfangen?

Der Regisseur Andreas Dresen erzählt diese Geschichte in seinem neuen Film „Wolke 9“, der seit dem 4. September in den Kinos läuft. Es ist ein schöner, ungewöhnlicher und mutiger Film geworden, denn er zeigt Liebe, Partnerschaft und Sexualität jenseits der gesellschaftlichen Klischees. „Ich wollte diese Liebesgeschichte so erzählen, als wären es junge Leute, denn ich hatte den Eindruck, dass es so etwas im Kino eigentlich nicht gibt“, hat Andreas Dresen gesagt. In den Filmen sind heute schließlich fast nur junge, perfekt aussehende Menschen zu sehen. Und wenn ältere Menschen überhaupt vorkommen, dann geht es selten um Liebe.

Dabei zeigt „Wolke 9“, dass die Liebe jenseits der 60 genauso schön, schmerzhaft und kompliziert sein kann wie mit 20. Es ist großartig zu sehen, wie die erste halbe Stunde des Films fast ohne Worte auskommt, weil Inge und Karl sich verstehen, als wären sie schon ewig zusammen. Doch die Trennung aus der alten Beziehung ist in diesem Alter ein schwerer Schritt: Inges Tochter Petra will schließlich auch ein Wort dabei mitreden, ob ihre Mutter bleibt oder geht. Und wie immer bei frisch Verliebten treten irgendwann Situationen auf, die beider Gefühle auf die Probe stellen. Dazu kommt der Chor, in dem Inge singt: Raffiniert hat Andreas Dresen es eingerichtet, dass die gerade geprobten Lieder immer auch zu Inges derzeitiger Situation passen – von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt.

Getragen wird der Film von den hervorragenden Hauptdarstellern Ursula Werner (Inge), Horst Westphal (Karl) und Horst Rehberg (Werner). Sie bringen viel von ihren eigenen Erlebnissen ein. Streckenweise waren die Dreharbeiten sogar improvisiert. Auch bei den Sexszenen verlieren die Schauspieler keine Sekunde ihre Würde. Andreas Dresen, der 44 Jahre alt ist, hatte vor diesen Szenen natürlich Hemmungen. Aber sie waren ihm wichtig: Er wollte zeigen, dass Sexualität für alte Menschen genauso wichtig ist wie für junge. „Ich habe mich immer gewundert, obwohl wir in einer Welt leben, die immer älter wird, dass den Alten in Film und Fernsehen höchstens romantische und gesittete Geschichten zugebilligt werden.“

Andreas Dresen versteht sich darauf, die Welt ganz normaler Leute auf die Leinwand zu bringen. Seine bisherigen Filme wie „Sommer vorm Balkon“ oder „Halbe Treppe“ waren große Erfolge und wurden vielfach ausgezeichnet, weil sie kleine Meisterwerke zwischenmenschlicher Beziehungen zeichneten. „Wolke 9“ schließt genau dort an und zeigt eindrucksvoll, dass Liebe keine Frage des Alters ist.

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