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Original oder Fälschung? Arzneimittel sicher einkaufen

Nachgeahmte Medikamente sind ein Risiko für den Verbraucher – so können Sie sich schützen

Die Deutschen kaufen immer häufiger übers Internet ein – sogar ihre Medikamente: Mehr als jeder Zehnte bestellt bereits seine Arzneimittel bei Online- Versendern. Dabei landen immer häufiger auch rezeptpflichtige Präparate im virtuellen Einkaufskorb. Doch das ist nicht ohne Risiko: „Das Internet ist der ideale Nährboden für den Verkauf gefälschter Arzneimittel. Bei der Auswahl der richtigen Online-Apotheke sollten Verbraucher deshalb besondere Sorgfalt walten lassen“, rät Wolfgang Schmitz, Sprecher des Zollkriminalamts Köln. Andernfalls müssten Verbraucher damit rechnen, sogenannten „Produktpiraten“ ins Netz zu gehen.

Das Geschäft mit gefälschten Produkten, die dem Original zum Verwechseln ähnlich sehen, boomt: praktisch alle Bereiche können davon betroffen sein – von Sportbekleidung über Zigaretten bis hin zu Medikamenten. Häufig gefälscht werden vor allem Arzneimittel, die eine bekannte Marke darstellen, einen hohen Qualitätsstandard aufweisen und deshalb teurer sind. In Europa stehen Lifestyle-Medikamente, Wachstumshormone und Schlafmittel, aber auch Medikamente zur Behandlung von Erektionsstörungen hoch im Fälscherkurs.

In unseriösen Online-Apotheken ist es möglich, ohne Rezept verschreibungspflichtige Medikamente zu erwerben. Dieses Angebot wird oft von Patienten genutzt, die sich aufgrund ihrer Beschwerden schämen, einen Arzt zu kontaktieren. So werden häufig die sogenannten PDE-5-Hemmer zur Therapie von Erektionsstörungen im Internet bestellt – und von Fälschern auch im großen Stil imitiert. Experten schätzen, dass es sich bei der Hälfte der über Internetanbieter bezogenen Medikamente gegen Erektionsstörungen um Fälschungen handelt.

Vor den damit verbundenen Gesundheitsrisiken für die Patienten schützt nichts besser als Aufklärung. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand beim Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit (ISG) die Idee, eine plakative Awarness-Kampagne zu starten. Als Sponsoren konnten die Unternehmen Janssen-Cilag, Pfizer und Lilly gewonnen werden. Die Kernbotschaften: „Schützen Sie sich vor Arzneimittelfälschungen! und: Sparen Sie nicht an Ihrer Gesundheit! Wir müssen den ED-Betroffenen klipp und klar sagen, dass es extrem riskant ist und sogar lebensgefährlich sein kann, auf Kosten der eigenen Gesundheit Geld sparen zu wollen“, erklärt Sabine Pirnay-Kromer, Geschäftsführerin des ISG.

Angesprochen werden die potenziellen Betrugsopfer mit Postern und Flyern in Arztpraxen, Apotheken – und im Internet: „Wir wollen die Menschen da abholen, wo die Gefahr lauert“, sagt Sabine Pirnay-Kromer. Über www.faelschungssicher. de gelangen Interessierte zum Informationsangebot des ISG. Sabine Pirnay- Kromer betont aber, dass sich die Kampagne keineswegs grundsätzlich gegen Internet-Apotheken richtet. „Wir möchten, dass ED-Betroffene sich immer davon überzeugen, dass sie es mit einem seriösen Anbieter zu tun haben.“

„Mogelpackungen“ erkennen

Doch wie kann man gefälschte Arzneimittel eigentlich erkennen? Verbraucher sollten zunächst wissen, dass es zwei Sorten von Mogelpackungen gibt: Fälscher imitieren entweder Medikament und Verpackung – man spricht hier von einer Totalfälschung – oder sie ahmen nur Verpackung und/oder Packungsbeilage, jedoch nicht das Medikament selbst nach. Bei letzterem ergibt sich der Gewinn daraus, dass zum Beispiel eine preiswertere Großpackung der Medikamente in kleine, teurere Einzelpackungen umverteilt wird. Außerdem können so auch abgelaufene Arzneimittel wieder in den Verkehr gebracht werden. Für den Patienten kann es dann gefährlich werden, wenn er veraltete Medikamente einnimmt oder durch die nachgeahmte Verpackung oder Packungsbeilage falsche Informationen zu Dosierung, Anwendung oder möglichen Nebenwirkungen erhält.

Bei Totalfälschungen enthalten die Arzneimittel entweder zu wenig oder zu viel des Wirkstoffes oder sie bestehen aus einer anderen, unbekannten und möglicherweise giftigen Substanz – die Gesundheit des Patienten ist in diesem Fall besonders gefährdet.

Um Fälschern das Nachahmen der Originalwaren zu erschweren, werden Medikamentenverpackungen inzwischen offen und verdeckt gekennzeichnet, etwa mit Hologrammen oder farbwechselnder Tinte. Doch selbst Fachleute haben dennoch oft Probleme, gefälschte von echten Arzneimitteln zu unterscheiden. Welche Vorsichtsmaßnahmen jeder für sich selbst ergreifen sollte, lesen Sie im untenstehenden Kasten.

So gehen Sie Medikamentenfälschern nicht ins Netz!

  • Erster Ansprechpartner bei gesundheitlichen Problemen, wie beispielsweise Erektionsstörungen, ist und bleibt der Arzt. Er kann helfen und individuell nach Lebenssituation und Bedürfnissen die geeignete Therapieform verschreiben.
  • Rezeptfreie oder verschreibungspflichtige Arzneimittel am besten über Präsenzapotheken beziehen. Oder:
  • Online-Apotheke nach folgenden Kriterien auswählen:
    • Impressum mit vollständigen Pflichtangaben: Name und Anschrift der Apotheke, Name des Apothekers, Apothekerkammer der Apotheke, zuständige Aufsichtsbehörde und deren Anschrift;
    • Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB);
    • Deutsche Telefonnummer, unter der deutschsprachiges, pharmazeutisches Fachpersonal erreichbar ist;
    • Sicherheitslogo des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) (kennzeichnet behördlich zugelassene Online-Apotheken);
    • Vorsicht bei Werbung für den Verkauf verschreibungspflichtiger Arzneimittel ohne Rezept oder für die Ausstellung von Rezepten.
  • Nicht von offensichtlichen Schnäppchenangeboten im Urlaubsland verführen lassen.

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